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Branchentreffen der Oberflächenbeschichter

Digitaler Direktdruck auf dem Vormarsch


Die Decorative Surfaces Conference hat seit Jahren einen festen Platz im Terminkalender der -Oberflächenbeschichter. Die diesjährige Veranstaltung in Leipzig unterstrich mit 230 Teilnehmern erneut diesen Anspruch. Das Vortragsprogramm bot geballte Informationen zu aktuellen Trends und neuen Techno-logien für die Herstellung dekorativer Oberflächendekore. Digitale Verfahren beherrschten die Agenda. | Aus Leipzig berichtet Imke Laurinat

Über ein volles Haus konnte sich der österreichische Veranstalter Technical Conference Management (TCM) bei der seit 2002 jährlich in wechselnden Ländern ausgerichteten Decorative Surfaces Conference freuen. Rund 230 Fachleute nahmen dieses Jahr in Leipzig an der zweitägigen Konferenz teil. 128 kamen aus Deutschland, 91 aus dem europäischen Ausland sowie ein gutes Dutzend weiterer Teilnehmer aus Übersee und Indien. Erfreulich für die Veranstalter war auch die große Zahl der Sponsoren; unter den 19 Unternehmen waren Namen zu finden wie Surteco, H. B. Fuller, Välinge, Baumer, Sesa Press Plates, Hymmen, Sappi und Bekaert.

Ein Grund für den Erfolg des Veranstaltungsformats dürfte in der Qualität des Branchentreffs für die Netzwerkpflege liegen. Kaum sonst irgendwo treffen so viele Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette rund um das Beschichten von Oberflächen für Möbel- und Innenausbau sowie Bodenbelagsprodukten aufeinander. Unter den Teilnehmern finden sich Geschäftsführer sowie Produkt- und Entwicklungsverantwortliche von großen integrierten Fertigern ebenso wie von reinen Imprägnierern, Plattenherstellern bzw. Beschichtern und Dekordruckern sowie Vertreter der unterschiedlichen Zulieferzweige: Maschinenbauer, Pressblechhersteller, Papier- und Folienproduzenten sowie die chemische Industrie (Hersteller von Harzen, Klebstoffen, Farben, Lacken und Additiven) gaben Einblicke in die eigenen aktuellen Projekte und/oder informierten sich über die neuesten Entwicklungen in der Szene.

Das Vortragsprogramm schlug thematisch einen weiten Bogen von neuen Technologien für die Herstellung von Oberflächendekoren über aktuelle Designtrends bis zur Substitution konventioneller Werkstoffe durch nachhaltige Materialalternativen. Dominiert wurde die Konferenz jedoch stark von Digitaldruck-Themen - die beschäftigen die Branche zwar schon länger, bergen jedoch nach wie vor großes Potenzial für die Zukunft. Insbesondere der digitale Direktdruck verspricht weitere neue Anwendungen für die Bodenbelagsherstellung.

Direktdruck erweitert die Möglichkeiten

Das österreichische Leistenhersteller Neuhofer startete bereits vor sechs Jahren das Web-to-Print-Angebot FN Digiprint (www.fnprofile.com). Via Online-Konfigurator, inzwischen auch als App verfügbar, können Kunden individuell designte bzw. die zum jeweiligen Fußboden passenden Sockelleisten und Bodenprofile bestellen. Gedruckt wird in Zell am Moos flexibel und in kleiner Stückzahl mit einer zusammen mit Maschinenherstellern konfigurierten Single-Pass-Inkjetanlage auf Rollendekorpapiere in Breiten bis 205 mm. Das Finishing der bedruckten Dekorfolie erfolgt auf einer Lackieranlage, die über unterschiedlich abriebfeste Beschichtungen hinaus auch Oberflächenstrukturen ermöglicht. Schon bald will Neuhofer ohne das Transferpapier auskommen und das FN-Digiprint-Angebot damit auf eine neue Stufe heben: Im digitalen Direktdruck können neutrale MDF-, Massivholz, Alu- oder Kunststoffleisten direkt mit individuellen Motiven bedruckt werden und erhalten anschließend lediglich noch ein abriebfestes Coating. Zudem bietet die verwendete Inkjet-Tinte den Aufbau reliefartiger 3D-Strukturen auf der Oberfläche.

In Leipzig gab Victoria Neuhofer einen Ausblick auf die interessanten Möglichkeiten der neuen Produktionstechnik, die das Familienunternehmen mit großem Engagement vorantreibt. CEO Franz Neuhofer: "Wir haben eine klar definierte Vision für die kommenden Jahre: Marktführer für Profile zu bleiben und gleichzeitig neue Märkte mit neuen Produkten zu erschließen."

Oberflächeninspektion für fehlerfreie Prozesse

Wie der mittlerweile vielfach im Dekordruck verwendete Rollen-Inkjet mittels leistungsfähiger Scan- und Mess-technik im besten Fall fehlerfreie Qualität liefern kann, schilderte Thomas Franz, Geschäftsführer von Baumer Inspection: "Der Digitaldruck ist ein Teil des Marktes, der künftig - abhängig von der Entwicklung der Tintenpreise - weiter wachsen wird. Und spätestens dann brauchen wir perfekte Prozesse." Für die automatisierte Oberflächeninspektion während der laufenden Produktion wurde das System Colour Brain 4.0 entwickelt. Es kombiniert einen Großformatscanner, selbstentwickelte Kameratechnik und eine ausgetüftelte LED-Beleuchtung mit einer Software zur datenbankgestützten Klassifizierung Inkjet-typischer Farbabweichungen und Ausgabefehler (etwa verstopfte Druckdüsen, Blitzer, Streifenbildungen etc.).

Analog zu den Parametern aktueller Highend-Digitaldruckmaschinen nennt Baumer für das Inspektionssystem Leistungen von bis zu 150 m/Min., 720 dpi-Auflösung, modulare Breiten bis 2.250 mm und den Einsatz auf Papier, Folie, Spanplatten oder auch PVC. Die ersten Prototypen absolvieren derzeit laut Thomas Franz die Pilotphase in vier unterschiedlichen Single-Pass-Linien. Die erste Installation des Großformatscanners mit der vollen Breite von 2.250 mm soll bis Ende des Jahres in einer Hymmen-Anlage für die Laminat-Produktion erfolgen.

Imprägnieren und drucken mit Wood Powder

Für die aktuellen Rationalisierungsbestrebungen in industriellen Fertigungsketten gibt es Schlagworte wie Lean Manufacturing, Just in Time oder Customize. Grundsätzlich eint diese Strategien die Forderung nach flexiblen Produktionsmitteln. Für Fußbodenproduzenten liegt in diesem Zusammenhang ein zentraler Aspekt im Druckprozess - und der sollte daher künftig vorzugsweise Inline und On-Demand erfolgen, ist Marcus Berglin, Director Business Development bei Välinge, überzeugt. Während für mittlere Volumen bereits schnelle, zuverlässige Digitaldrucktechnik in den Unternehmen zur Verfügung stehe, bedürfe es für hohe Volumen zunächst kostengünstigerer, aber auch innovativer Produkte bzw. Prozesse.

Volles Haus bei der Decorative Surfaces Conference in Leipzig. Rund 230 Fachleute nahmen teil.
Thomas Franz (Baumer Inspection): "Der Digitaldruck wird weiter wachsen. Deshalb brauchen wir perfekte Prozesse."
Marcus Berglin (Välinge): "Die digitale Zukunft hat bereits begonnen."
Franz Neuhofer mit seiner Tochter Victoria Neuhofer: "Wir haben eine klare Vision für die kommenden Jahre: Marktführer für Profile zu bleiben und gleichzeitig neue Märkte mit neuen Produkten zu erschließen."

Als Beispiele aus der Entwicklung zeigte Berglin innovative Einsatzmöglichkeiten der Wood Powder-Technologie auf - etwa für die Trockenimprägnierung von Dekorpapieren oder als Drucksubstrat. Die dazu passende Drucktechnik stellt Välinge in Kooperation mit dem italienischen Maschinenhersteller System Ceramics seit vorigem Jahr auch bereit: Die aus dem Keramikdruck für den Bodenbelagsbereich angepasste Single Pass-Anlage Ammonite Creadigit arbeitet mit wasserbasierten Pigmenttinten in Breiten von 700 bis 1.800 mm und kann Leistungen bis zu 25 m/Min. erreichen. Das Flachbettsystem bedruckt mit Wood Powder beschichtete Holzwerkstoffe.

Lackierte Oberflächen mit Tiefenwirkung

Für die Produktion veredelter Oberflächen für Möbel-fronten, Baustoffe und Lacklaminate stellt der Bielefelder Maschinenhersteller Hymmen neben Doppelbandpressen seit kurzem eine weitere Anlagentechnologie zur Verfügung: Das Calander Coating Inert-Verfahren eignet sich für Melaminplatten sowie HPL/CPL-Materialien und soll besonders brillante, ebenmäßige und kratzfeste Dekore mit Tiefenwirkung ermöglichen. Die Glanzgrade können dabei von Spiegel-Hochglanz bis supermatt reichen. Carsten Brinkmeyer von Hymmen zeigte in seiner Präsentation die Vorzüge des neu entwickelten Verfahrens auf: Die mit UV-Lack beschichteten Dekorplatten laufen ohne Zwischenverweildauer direkt in den Kalander, wo die Trocknung quasi unter gekappselten Bedingungen erfolgt und ein Kontaktmedium den jeweiligen Glanzgrad erzeugt. Anschließend können die fertig beschichteten Dekorplatten sofort weiterverarbeitet werden. Die Oberfläche sei stets geschützt vor Verunreinigungen, betonte Brinkmeyer. Die ersten mit dem neuen Verfahren arbeitenden Linien seien bereits von führenden Holzwerkstoffproduzenten bestellt worden.

In punkto Beschichtungen für abriebfeste Oberflächen gab Jens Fandrey von Kleiberit schließlich einen Überblick über die Eigenschaften und Anwendungen des Kleiberit Hot Coating-Verfahrens. Als Alternative zu gängigen industriellen Lacksystemen kann die Schutzschicht im Fußbodenbereich auf Parkett-, Laminat- und Korkböden verwendet werden. Die flexible Oberfläche weise nicht nur eine hohe Stoß- und Kratzfestigkeit auf, sondern biete auch eine warme, natürlich wirkende Haptik. Mit diesen Eigenschaften eignen sich Hot Coating-Beschichtungen insbesondere auch für digital bedruckte Oberflächen, hob Fandrey hervor.

Dekordesign in der dritten Dimension

Um möglichst original wirkende Holz- oder Steinoptiken auf das Dekor zu bringen, müssen die entsprechenden Objekte zunächst einmal digitalisiert werden. Mit Metis Systems präsentierte sich in Leipzig ein Anbieter von Scan-Soft- und Hardware, dessen Lösungen bislang vorrangig in der grafischen Industrie - etwa zum detailgetreuen Erfassen historischer Ölgemälde - zum Einsatz kommen. Jetzt will das 1965 gegründete italienische Unternehmen auch im Geschäft mit dekorativen Oberflächen Fuß fassen.

Die Großformatscanner der Serie DRS/DCS können Originale in Abmessungen bis zu 2.000 x 1.210 x 200 mm (L/B/H) digitalisieren. Der gewünschte 3D-Effekt entsteht dabei im Zusammenspiel eines hochsensiblen Lichtsystems und komplexer Software-Algorithmen: Feinste Details und sämtliche Lichtnuancen in den Strukturen des Originals werden dank der speziell entwickelten Ausleuchtung mit dem DC Synchro Light erfasst und quasi als 3D-Informationen neben den bestehenden 2D-Farbinformationen in die Datei mit einberechnet.

Welcher Inkjet-Technologie gehört die Zukunft?

Vielfach werden Dekore für Furniere und Laminat in kleinen Volumen bzw. für Probeserien auf industriellen Inkjet-Rotationen mit wasserbasierter Pigmenttinte auf Papier oder Folie gedruckt. Der digitale Direktdruck mit Flachbettsystemen steht dagegen trotz der einen oder anderen Installation noch am Anfang. Als Hindernisse gelten vor allem die teuren Tinten, die empfindlichen Inkjet-Druckköpfe sowie langsame Geschwindigkeiten, besonders bei Verwendung von UV-härtenden Tinten. Wasserbasierte Pigmenttinten, wie sie zum Beispiel in dem Flachbettdrucker von Välinge eingesetzt werden, versprechen grundsätzlich höhere Leistungen. Diese Systeme halten in anderen Branchen bereits nennenswert Einzug, insbesondere in der Keramikindustrie sowie nach längerer Stagnation auch vermehrt bei Textilherstellern. Für Thomas Poetz, verantwortlich für die Geschäftsentwicklung der Marke Velvet Jet Ink des belgischen Tinten-Entwicklers Bordeaux, ist die Etablierung des digitalen Direktdrucks unter ökonomischen wie ökologischen Aspekten eine logische Konsequenz. Weitere Fortschritte bei Tinten und Druckköpfen dürften die Qualität und Verlässlichkeit der Systeme weiter verbessern.

Imke Laurinat

aus Parkett Magazin 04/16 (Bodenbeläge)