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Praxistipp von MKS Funke

Vorsicht vor Metall im Untergrund – wie geht man beim Schleifen vor?


Wer Altuntergründen mit Werkzeugen aus Polykristallinen Diamanten, kurz PKD zuleibe rückt, sollte sich seinen Untergrund vorher ganz genau ansehen. Sollten sich Eisen oder andere Metalle an der Oberfläche verbergen, können sie für erhebliche Schäden an den PKD-Werkzeugen sorgen. FussbodenTechnik hat bei MKS-Funke-Geschäftsführer Andreas Funke nachgefragt, wie man böse Überraschungen vermeidet.

PKD-Werkzeuge für die Entschichtung sind sehr robuste und effektive Werkzeuge für einen schnellen Materialabtrag. Je nach Werkzeugaufbau werden Schichtaufbauten aus Altkleberresten, Spachtelmassen oder Kunstharzbeschichtungen unterschiedlich tief eingeschnitten und regelrecht zerspant. Hierbei werden schnell sehr große Mengen Abtrag erzeugt. Die PKDs sind speziell auf die rauen Anforderungen dieses Einsatzgebietes abgestimmt. So sorgen unterschiedliche Arten von Stützelementen dafür, dass nicht zu viel Druck auf den PKD-Plaketten lastet, damit diese nicht zu tief in den Boden schneiden und wegbrechen.

Eine Sache gibt es allerdings, die PKD-Werkzeuge absolut nicht vertragen: Eisen oder andere Metalle im Boden. Dies können unter anderem Befestigungsbolzen von Regalen oder Geländern sein, die für Schleifarbeiten abgebaut wurden.

Der Grund für die Unverträglichkeit mit Metallhindernissen im Boden liegt in Härte und der Konstruktion der PKD-Werkzeuge. Die PKD-Plaketten werden in entsprechende Aussparungen auf den Trägerplatten eingelötet. Die Schneiden der Plaketten zeigen dabei alle in eine Richtung und stehen sehr steil zur Drehrichtung der Werkzeuge.

Trifft eine solche Plakette nun auf Metall im Boden, das der PKD nicht zerspanen kann, kommt sie sehr schnell zu einem kurzen Stillstand. Sie hakt quasi an dem Metall ein. Die Maschine dreht aber mit dem für moderne Schleifmaschinen üblichen hohen Drehmoment weiter. Diesen Kraftüberschuss kann das Lot in dem Moment nicht mehr abbauen und die PKD-Plakette bricht heraus.

Eisenkontakt macht PKD-Werkzeug unbrauchbar

Alternativ kann bei einem Anprall auf ein Metallhindernis auch das PKD-Element in sich brechen. Das liegt dann unter anderem auch an der enormen Härte der Elemente, die für die Verschleißfestigkeit gebraucht wird. Die große Härte geht einher mit einer gewissen Sprödigkeit, die bei großem Druck zu einem Bruch führen kann. Großer Druck entsteht üblicherweise durch den Anprall aus großer Geschwindigkeit auf ein Metallhinderniss im Boden.

Durch die hohen Drehzahlen gängiger Dreischeiben-Schleifmaschinen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass nicht nur eine Plakette auf das Hindernis trifft, sondern gleich mehrere zerstört werden. Ein solcher Werkzeugsatz ist nicht mehr wirtschaftlich einzusetzen und daher defekt, weil für einen effektiven Abtrag die volle Anzahl der Schneiden sehr wichtig ist.

Metallische Bolzenhülse nach Kontakt mit einem PKD-Werkzeug.
Einsatz von PKD-Werkzeugen bei der Entfernung von Spachtelmassen auf Kleinflächen im Verwaltungsbau.
Entfernung von Metallhindernissen in einem Industrieboden.

Auch für normale Diamantwerkzeuge mit Metall- oder Kunstharzbindung können Hindernisse aus Metall im Boden eine Störquelle sein. Das Schleifen mit diesen Werkzeugen in verschiedenen Schleifgängen ist sehr fein abgestimmt. Das Kratzerbild des aktuellen Schleifwerkzeuges soll möglichst effizient Material abtragen und das Kratzerbild des vorherigen Schleifganges entfernen, gleichzeitig aber ein solches hinterlassen, das leicht mit dem nächsten Schleifgang zu entfernen ist. Dies ist durch die Korngröße der Diamanten gut zu steuern. Treffen diese Werkzeuge auf Metall im Boden, kann die Abstimmung gestört werden.

Zwar führt dies nicht zu einem direkten Defekt der Werkzeuge, aber beim Aufeinandertreffen von Metall und Werkzeug können am Schleifsegment Metall- oder Kunstharzgrate entstehen. Diese können Kratzer im Boden verursachen, die gröber sind, als sie durch das Werkzeug vorgesehen sind. Solche Kratzer sind durch nachfolgende Schleifgänge nicht wirtschaftlich zu entfernen. Der Schleifer muss also wieder bei einem gröberen Schleifgang anfangen und den Boden erneut "hoch schleifen". Abhängig davon, wie früh dies bemerkt wird, können hohe Kosten durch ungeplante Arbeitszeit und zusätzlichen Werkzeugeinsatz entstehen. Diese Zusatzkosten können den Gewinn des Schleifdienstleisters deutlich schmälern.

Die Lösung: Metall- und Leitungssuchgeräte

Was also sollte der Schleifer tun, um dieser "Gefahr" zu entgehen? Die Antwort ist so plausibel wie einfach. Der Boden sollte vor dem Beginn der Arbeiten auf sichtbare und nicht sichtbare Metallhindernisse untersucht werden. Hilfreich sind hier vor allem Metallsuchgeräte oder auch handelsübliche Leitungssuchgeräte. Diese können mit Kabelbindern in 25 bis 30 cm Abstand auf einem Holzbalken befestigt werden. Diesen Schleppbalken zieht man langsam über den Boden und zeigt Metallhindernisse sehr zuverlässig an, die für das Schleifen und Entschichten bedenklich sein könnten.

Auch die Rückfrage beim Auftraggeber nach möglichen Regalbolzen, Schrauben, Dübeln, Leisten oder Schienen kann die Suche erleichtern. Alle gefundenen Stellen sollten markiert werden, um anschließend das Metall aus dem Boden zu entfernen. Bolzen können beispielsweise mit einem Trennschleifer und einer geeigneten Metalltrennscheibe aus dem Boden herausgeschnitten werden. Die Kosten für diese Vorbereitungsarbeiten sollten mit dem Auftraggeber abgestimmt werden und sind durch diesen zu tragen.

Bleibt eine Unsicherheit beim Einsatz von PKD bezüglich eventueller Metallhindernisse im Boden, kann auf PKD-Splitt-Elemente zurückgegriffen werden. Dieser Werkzeugtyp ist anders konstruiert, oftmals in der Entschichtung trotzdem sehr effektiv und wesentlich stabiler gegenüber Hindernissen aus Metall.

aus FussbodenTechnik 05/16 (Handwerk)