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W. & L. Jordan GmbH

"Die Digitalisierung verändert die Kommunikation zum Kunden"


Jörg L. Jordan, Geschäftsführender Gesellschafter von Bodenbelags- und Holzgroßhändler Jordan, zu den Folgen und Chancen, welche die Digitalisierung für den (Groß-)Handel haben wird.

BTH Heimtex: Das Thema Digitalisierung im Handel wird derzeit viel diskutiert. Wie denken Sie darüber?

Jörg L. Jordan: Wir sind schon immer von Veränderungen heimgesucht worden, auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette. Aber dadurch eröffnen sich ja auch neue Chancen.

Die Digitalisierung verändert die Märkte. Branchen werden von außen von Außenseitern angegriffen, die man gar nicht auf dem Schirm hat. Nehmen Sie als Beispiel den größten Hotelvermittler, der keine einzige Immobilie besitzt. Das zieht natürlich auch durchgreifende Veränderungen in der Handelslandschaft nach sich. Ein zunehmendes Problem ist beispielsweise die Verarmung der Innenstädte, weil sich der Fachhandel dort angesichts der Konkurrenz der Ketten und des Onlinevertriebs nicht mehr halten kann.

Auch unsere Branche wird von diesen Veränderungen berührt werden. Aber ich glaube, nicht in der radikalen Form wie andere. Denn Bodenbeläge sind immer noch ein Halbfertigprodukt, das verarbeitet werden muss, bei dem Beratungsbedarf besteht und das sperrig im Transport ist. Was sich auch für uns verändern wird, ist die Art der Kommunikation zum Kunden.

Gerade für den Handwerker sehe ich im Internet gute Chancen, sich zu präsentieren und ihm über eine starke Marke Kunden zuzuführen, während er bislang gegenüber der werbeaktiven Großfläche weniger wahrgenommen wurde. Das ist eine Chance, die wir erkennen und auch nutzen wollen.

W. & L. Jordan GmbH
Jörg L. Jordan:
"Die persönliche Ansprache und die persönliche Vermittlung spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. Das kann man nicht durch Youtube-Filme ersetzen."

BTH Heimtex: Wird es auch innerhalb Ihres Unternehmens Veränderungen geben?

Jordan: Nicht nur der Vertrieb, auch Produktion und Logistik werden sich verändern. Wir fahren heute mit Computer-erstellten Tourenprogrammen, die die Fahrzeiten optimieren. Mittelfristig wird unser Außendienst mit elektrobetriebenen Fahrzeugen ausgerüstet. Vorausschauend haben wir schon überall Photovoltaik-Anlagen auf unseren Standorten installiert und Elektrosteckdosen an den Parkplätzen vorgesehen. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern wahrscheinlich stellen wir die Flotte in drei, vier Jahren um.

BTH Heimtex: Sie sehen also eine Zukunft für für den (Groß-)Handel?

Jordan: Handel wird es immer geben - zumindest funktional. Ob es immer ein institutionell selbstständiger sein wird, ist vielleicht eine andere Frage.

So lange wir weltweit Beschaffungsmöglichkeiten haben, Absatzwege und es eine Vielzahl an Produktvariationen gibt, hat der Handel seine Berechtigung und Funktion. Das fängt an bei der Lagerhaltung, über die Logistik, das Marketing und den Vertrieb bis hin zum Know-How-Transfer. Auch den kann man nicht komplett durch Youtube-Filme ersetzen. Die persönliche Ansprache und die persönliche Vermittlung spielen nach wie vor eine wichtige Rolle.

aus BTH Heimtex 10/16 (Wirtschaft)