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"Die Veränderung der Rahmenbedingungen für die Tapetenindustrie in Osteuropa ist längerfristig"


Der Nachfrageeinbruch in Osteuropa hat die deutschen Tapetenhersteller schwer getroffen. Sie reagieren darauf vor allem mit einer Ausweitung ihres Angebots auf die übrigen Märkte. Aussagen dazu aus den Chefetagen von A.S. Création, Erismann und P+S.

Martin Slotty, Geschäftsführer
Erismann: "Trotz Krise bleiben die Märke in Osteuropa im Fokus"
"Erismann hat bereits im Vorjahr auf den sich abzeichnenden Absatzrückgang in den osteuropäischen Märkten reagiert und die Produktionszeiten entsprechend angepasst. Heute arbeiten wir im 3-Schicht-Betrieb über die normale 5-Tage-Arbeitswoche. Kurzarbeit oder verkürzte Wochenarbeitszeiten sind nicht geplant.

Die Vertriebsanstrengungen konzentrieren sich aktuell auf die wichtigen Absatzmärkte in Westeuropa, wobei neue Angebote zunehmend individuell auf die großen Kunden ausgerichtet werden. Trotz Krise bleiben die Märkte in Ost-europa, allen voran Russland, weiterhin im Fokus. Der Export in diese Länder konnte im Verlauf dieses Jahres wieder gesteigert werden."
Dietmar Everding, Geschäftsführer
P+S: "Wir sind sehr zufrieden mit Deutschland und Westeuropa"
"Wir arbeiten bis jetzt im normalen 3- Schicht- Modus, das heißt von Sonntagmorgen 6 Uhr bis Samstagmorgen 6 Uhr. Eine ältere Anlage haben wir bereits vor zwei Jahren abgestellt. Zudem haben wir, wie bereits vor einem Jahr berichtet, die Papierproduktion per 31. Juli diesen Jahres in Gummersbach geschlossen und in Emmerke/Hildesheim zentralisiert.

Die Inbetriebnahme der neuen TD-Anlage läuft aktuell und wir werden in Kürze über verkaufsfähige Ware verfügen. Weitere Investitionen in Maßnahmen zur Optimierung der Produktion werden zeitnah folgen. Kurzarbeit oder verkürzte Wochen-arbeitszeiten haben wir bisher nicht eingeführt. Für das laufende Kalenderjahr und aufgrund der aktuellen Auftrags-situation sowie unter Berücksichtigung der anstehenden Heimtextil würde ich das auch weiter ausschließen.

Man muss dazu erwähnen, dass der Exportanteil von P+S bezogen auf Russland der kleinste von den fünf großen Herstellern in Deutschland war. Natürlich kann auch P+S die Umsatzverluste nicht 1:1 in den übrigen Geschäftsfeldern kompensieren, aber aktuell sind wir sehr zufrieden mit der Performance in Deutschland und Westeuropa.

Wir konnten insbesondere mit unserem neuen Testimonial Guido Maria Kretschmer punkten und neue Kunden generieren. Zudem spüren wir deutlich, dass sich die gute Vertriebs- und Atelierarbeit der vergangenen Jahre auszahlt."
Maik Krämer,
Vorstandsvorsitzender
A.S. Création: "Es gibt
unverändert Möglich-keiten zu wachsen"

"Die Konzernumsätze von A.S. Création sind seit 2014 und damit nunmehr im dritten Jahr rückläufig. Verantwortlich hierfür sind die Entwicklungen in den Auslandsmärkten, da unsere Umsätze in Deutschland im ersten Halbjahr 2016 auf dem Niveau des Jahres 2013 lagen. Wenn man die Entwicklung nach Regionen analysiert, sieht man, dass A.S. Création in den vergangenen Jahren den größten Umsatzrückgang in den osteuropäischen Ländern außerhalb der Europäischen Union hinnehmen musste.

Russland, der größte Tapetenmarkt in dieser Region, sowie die anderen GUS-Staaten waren für A.S. Création seit den 1990er Jahren ein wichtiges Absatzgebiet. Mit der Finanzkrise in Russland 2008, dem Ukraine-Konflikt und der aktuellen Wirtschaftskrise haben sich für A.S. Création, wie auch für die anderen westeuropäischen Tapetenunternehmen die Exportbedingungen nach Osteuropa deutlich verschlechtert. Die massive Abwertung des russischen Rubels gegenüber dem Euro hat zu einer erheblichen Verteuerung der in Westeuropa hergestellten Tapeten für den russischen Kunden geführt. Parallel dazu verlagert sich die Nachfrage in der Region hin zu günstigeren Tapeten, da sich die Konsumenten mit einer rückläufigen Kaufkraft und unsicheren wirtschaftlichen Zukunftsaussichten konfrontiert sehen.

Nach Einschätzung des Vorstands von A.S. Création handelt es sich um eine längerfristige Veränderung der Rahmenbedingungen, so dass der osteuropäische Tapetenmarkt für Exporte aus Westeuropa zukünftig eher ein Spezialitätenmarkt und kein Massenmarkt mehr sein wird. Hierauf haben wir bereits im vergangenen Jahr reagiert und folgende Weichenstellungen betrieben: Die Produktionskapazitäten der A.S. Création Tapeten AG wurden am Standort Wiehl-Bomig konzentriert. Damit wurden die deutschen Produktionskapazitäten an das niedrigere Mengengerüst angepasst, das aus den voraussichtlich dauerhaft niedrigeren Exporten nach Osteuropa, insbesondere nach Russland resultiert. Entsprechend gibt es bei A.S. Création in der Produktion gegenwärtig weder Kurzarbeit noch verkürzte Wochenarbeitszeiten.

In dem russischen Gemeinschafts-unternehmen A.S. & Palitra haben wir in eine weitere Produktionsanlage investiert, die inzwischen in Betrieb ist. Mit dieser Kapazitätserweiterung tragen wir der steigenden Nachfrage in Russland nach Produkten aus lokaler Produktion Rechnung.

Das Angebot für die übrigen Märkte wurde ausgeweitet und attraktiver gestaltet. Auch wenn diese Märkte die wegbrechenden Exportumsätze in Osteuropa nicht vollständig kompensieren können, gibt es unverändert Möglichkeiten, zu wachsen. Hierzu gehört auch, das Produkt Tapete den Kunden wieder näher zu bringen. In diese Richtung zielen beispielsweise das Engagement der A.S. Création Tapeten AG mit der ins Leben gerufenen Tapeten-Akademie sowie der A.S. Création Tapetenstiftung mit dem Lehrbuch ,Tapetenwechsel’."

aus BTH Heimtex 11/16 (Tapeten, Wandbeschichtungen)