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ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe

Feuchtemessung – dauerhafte Diskussion um die sicherste Methode


Seit über zwanzig Jahren debattieren Erfinder und Bauhandwerker über die beste Methode, die Restfeuchte in einem Estrich so exakt bestimmen zu können, dass jede Art von Oberbelag sicher und schadensfrei verlegt werden kann. Auch die EDV-Fachgruppe des ZVPF befasst sich immer wieder mit diesem Thema, denn neue Messgeräte versprechen exaktere Werte. Aber können diese Geräte dem Anspruch gerecht werden?

Für die Feuchtemessung eines Estrichs stehen fünf Messmethoden miteinander in Konkurrenz:
-Als Standard gilt seit Jahren die CM-Messung, bei der eine Probe aus dem Estrich entnommen und im Druckbehälter zusammen mit einer Ampulle Calciumcarbid zerstoßen wird.
-Bei der Darr-Messung wird eine Probe im Ofen getrocknet und vor- und nachher gewogen.
-Geringere Zerstörung verursacht die elektrische Widerstandsmessung mit ihren Einschlag- oder Bürstenelektroden. Sie erreicht durchaus eine hohe Messtiefe, gibt aber nur bei sortenreinen Baustoffen ein präzises Resultat.
-Relativ jung und zukunftsträchtig ist die Messung der Sorptionsisotherme, bei der ein Fühler in eine Bohrung bis in die gewünschte Messtiefe gelangt und dort die Luftfeuchte misst und in Korrelation zur rel. Luftfeuchte bringt. Die Sorptionsisothermen beschreiben für jeden Stoff einen charakteristischen Zusammenhang zwischen der relativen Luftfeuchte der Umgebungsluft und dem Feuchtegehalt des Stoffes bei einer bestimmten Temperatur. Mit Hilfe dieser Sorptionsisotherme kann von der relativen Luftfeuchtigkeit auf die Gleichgewichtsfeuchte bzw. den entsprechenden Feuchtegehalt eines Stoffes geschlossen werden.
-Größter Widersacher der CM-Messung ist aber immer noch die zerstörungsfreie, kapazitive Messung, bei der ein elektrisches Feld inerhalb des Bodens aufgebaut wird und dort auf Basis von Kapazitätsänderungen den Wassergehalt messen soll. Während die Branche diese Methode für geeignet hält, in schneller Vorprüfung Feuchtenester im Estrich aufzuspüren, ist man von der Behauptung einer hohen Messtiefe nicht überzeugt.

Tatsächlich liegt das Problem der Belegreife nicht bei den Messgeräten, sondern in der Vielfalt des verwendeten Estrichs. Nicht nur der Zementanteil bestimmt, wie viel Wasser im Boden gebunden wird, auch die Körnung des Sandzuschlages, Schnellabbindezusätze und Mischungen verschiedener Zementwerke sind so unterschiedlich, dass niemand ein Standardprodukt beschreiben kann. Estrichfachleute wissen: auf jeder Baustelle kann ein Estrich unterschiedliche Trocknungseigenschaften besitzen. Daran scheitert die Kalibrierung aller Messgeräte und Methoden. Nur Durchschnittswerte und Erfahrung geben hier ein gewisses Maß an Sicherheit. Das muss der Parkettleger verinnerlichen. Eine Garantie wird er auch durch die Schnittstellenkoordination nicht erhalten. Kurioserweise versteht der Estrichleger unter Belegreife nämlich den Moment, an dem ein Oberbelag ohne Schaden für den Estrich verlegt werden kann. Was mit dem Oberbelag geschieht, ist für den Estrichleger Sache des Parkett- oder Bodenlegers.


Interessant ist der Versuch, mit einer Infrarot-Wärmebildkamera Feuchtigkeit im Boden aufzuspüren. Das funktioniert durchaus, denn verdunstendes Wasser verursacht Temperaturunterschiede. Und diese werden erfasst. Auch über Taupunktberechnungen findet die Kamera Feuchtenester. Und es lässt sich der Verlauf von Fußbodenheizrohren erkennen. Für den Parkettleger aber ist dieses Verfahren kaum in der Lage, eine Belegreife zu berechnen und das Gerät als Spielzeug letztlich zu teuer.

aus Parkett Magazin 06/16 (Wirtschaft)