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Werkmeister

Der Plan: Auf dem Weg zur Manufaktur 4.0


Henstedt-Ulzburg. Im vergangenen Jahr wurde bei Werkmeister die Produktpalette erfolgreich um Taschen-federkern- und Talalay-Latexmatratzen erweitert und der Unternehmensauftritt gänzlich neu konzipiert. 2017 legt das Unternehmen dennoch keine Verschnaufpause ein, denn neue Infrastruktur-Großprojekte
werden angeschoben. Das Ziel der Geschäftsführung ist die Manufaktur 4.0.

Die Ziele der Matratzen-Manufaktur Erich Werkmeister sind ambitioniert:"Wir wollen die zukünftigen Bedürfnisse des Marktes erkennen, sie schnellstens und bedarfsgerecht bedienen können" umschreibt Gesellschafter-Geschäftsführer Michael Sailer die größten Herausforderungen der kommenden Jahren für das Unternehmen. An der Umsetzung der Antwort wird im hohen Norden Deutschlands bereits tatkräftig gearbeitet. Auf der anderen Seite räumt man in der Geschäftsführung offen ein, dass der Weg dorthin im letzten Jahr mitunter auch recht steinig und mit einigen unerwarteten Herausforderungen verbunden war.

"Wir fertigen bereits jetzt zu 100 Prozent kommisionsbezogen und nicht auf Lager", stellt Claus Brandtner fest. Er leitet das Unternehmen seit mehr als zwei Jahren gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern Michael Sailer und Jens Anweiler. "Wir sehen auch in Zukunft den Bedarf nach hochqualitativen Produkten und bedarfsgerechter Fachberatung im hochwertigen Umfeld der Bettenfachgeschäfte." Deshalb wird das Thema der hochwertigen Individualisierung bei Werkmeister langfristig in den Fokus gerückt. Das große Ziel: Der Händler soll eines Tages in der Lage sein, im Dialog mit seinem Kunden ein persönliches Produkt zu konfigurieren, das danach innerhalb kürzester Zeit nach diesen Vorgaben für den Kunden gefertigt wird. Die bereits jetzt stets auftragsbezogen gefertigten Produkte sollen es, durch immer größere Möglichkeiten der Individualisierung, den Handelspartnern ermöglichen, einen starken Wettbewerbsvorteil zu generieren und sich noch stärker vom Wettbewerb differenzieren zu können.

Insgesamt investierte die neue Geschäftsführung seit ihrem Einstieg in das Unternehmen eine deutlich siebenstellige Summe in die Modernisierung von Produktion und Infrastruktur. Eine zusätzliche und weitgehend autonom arbeitende CNC-Schneidemaschine wurde im Sommer 2015 installiert, um die stetig steigenden Mengen bewerkstelligen zu können. Ein nach eigenem Bekunden Eckpfeiler der Produktqualität bei Werkmeister war und ist, dass die Matratzenkerne ausnahmslos im eigenen Werk geschnitten werden. Durch die neue, moderne Schneidemaschine wird diese Leistungsfähigkeit abermals gesteigert. Die Lieferzeiten liegen bei Werkmeister bei zehn bis 14 Tagen. Das ist für ein Unternehmen, das ausschließlich auftragsbezogen arbeitet, sehr schnell.

Interessant in Zusammenhang mit dem Kernzuschnitt auch das Vorgehen beim Zuschnitt von Übergrößen. Meist werden vorhandene Kerne der Länge zwei Meter einfach an Kopf- und Fußende mit Schaumanklebungen entsprechend verlängert. Werkmeister ist aber technisch so aufgestellt, dass die Schnitte der Matratzen auf Knopfdruck so gespreizt werden können, dass sich die Schulterzone auch bei einer 2,20 Meter langen Matratze dort befindet, wo sie hin gehört, nämlich im Vergleich zum 2-Meter-Kern weiter zum Kopfende hin. Diese Technologie, so Brandtner, beherrsche wohl kaum ein anderer Anbieter im Matratzen-Markt.

Ein weiterer Meilenstein bei der Erzielung einer höheren Produktivität war die Installation einer Hängeförder-Anlage für die Matratzenbezüge, bislang einmalig für ein Unternehmen dieser Größe. Sie ermöglicht den Wegfall vieler nicht wertschöpfender Tätigkeiten. Früher mussten die Mitarbeiter bei der Einzugmaschine, wo die Hochzeit zwischen Matratzenkern und Bezug stattfindet, die passenden Bezüge selbst aus dem Trolley heraussuchen. Heute liefert die Förderanlage automatisch den richtigen Bezug zum dazu gehörigen Kern. Passend dazu wurde eine neue Einzugstraße installiert, welche die Abläufe ebenfalls deutlich erleichtert und beschleunigt. Diese erheblichen Investitionen in die betriebliche Infrastruktur sollen die Leistungsfähigkeit vorantreiben und die Abläufe weiter optimieren.

Im Rahmen des Qualitätsmanagements ist es nun möglich, jeden einzelnen Matratzenkern vom Endkunden bis zum ursprünglichen Großblock, ja sogar bis zur ursprünglichen Lage, aus welcher der Kern geschnitten wurde, zurück zu verfolgen. Umgekehrt ist es ebenfalls möglich, dass mithilfe der Produktionsplanung beziehungsweise der Produktionssteuerung die Kerne aus nebeneinander oder direkt übereinander liegenden Lagen geschnitten werden können. Das ist besonders hilfreich bei Aufträgen über zwei oder mehr Kerne für denselben Kunden, denn dadurch können Toleranzen des Härtegrades so gering wie nur irgend möglich gehalten werden. Der Hintergrund: Rein aus physikalischen Gründen weist ein Schaumblock nie eine von oben nach unten durchgängige Festigkeit aus. Vielmehr liegt sie im unteren Bereich des Blocks immer leicht höher als in der Oberseite.

Ein weiterer Vorteil: Matratzen, die für die Ausstellung der Handelspartner bestimmt sind, können nun stets aus der Mitte des Blockes geschnitten werden, um auch hier den Toleranzbereich möglicher Abweichungen weiter zu minimieren.

Erich Werkmeister GmbH & Co. KG
Blicken auf ein intensives, aber erfolgreiches Jahr 2016 zurück: die Werkmeister- Geschäftsführer Claus Brandtner (links) und Michael Sailer.
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Die neue Hängeförderanlage: Wohl einzigartig in einem Matratzen-Unternehmen von der Größe Werkmeisters.
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Auch in eine neue Einzugmaschine wurde im letzten Jahr investiert. Hier findet die sogenannte Hochzeit zwischen Matratzenkern und Bezug statt.

Um sämtliche Abläufe im Unternehmen zu vernetzen, investiert das Unternehmen darüber hinaus in die IT-Struktur und führt Mitte 2017 ein neues ERP- (Enterprise-Resource-Planning-) System von Navision ein. Das langfristige Ziel soll laut Sailer sein, dass mittels eines variantengesteuerten ERP in Echtzeit alle Prozesse gesteuert und überwacht werden können. Auf die Vision einer individuell ausgerichteten Produktion gemünzt bedeute dies, dass in nicht allzu ferner Zukunft etwa der Händler mit dem Endkunden eine Matratze konfigurieren kann und der Bestellvorgang direkt die Produktion auslöst. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Erst einmal gilt es, die Abläufe in der modernisierten Produktion zu verstetigen. Denn gerade nach der Installation der Hängeförder-Anlage im Herbst hatte man bei Werkmeister intern mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Brandtner: "Mit Problemen, die so überhaupt nicht zu erwarten waren. Das hat sich leider negativ auf unsere Lieferzuverlässigkeit ausgewirkt und zu Verärgerung bei einigen unserer Kunden geführt. Da ausgerechnet zu der Zeit auch die Handelsumfrage der Haustex lief, sind wir diesmal deutlich schlechter als beim letzten Mal bewertet worden." Inzwischen läuft alles so, wie es soll.

Um eine weitere Konzentration auf die eigentlichen Kernkompetenzen zu ermöglichen, aber auch um die pünktlichen Lieferungen wieder zu gewährleisten, wurde neben dem vorhandenen eigenen Fuhrpark im Bereich Logistik eine Möbel-Fachspedition als neuer Partner hinzugewonnen.

Neben den neuen technischen Möglichkeiten legt das Unternehmen auch mithilfe einer zukunftsgerichteten Personalpolitik den Grundstein für die Erreichung der gesteckten Ziele. So wirken viele neue, zusätzliche Mitarbeiter im Personalbereich, Einkauf, Verkaufsinnendienst, Vertrieb, in der Näherei und Produktion sowie erstmalig in der Unternehmensgeschichte, nun auch zwei Auszubildende am Unternehmenserfolg mit. Die positive Entwicklung des Unternehmens kann man auch daran erkennen, dass die Zahl der Mitarbeiter sich seit der Übernahme durch das Geschäftsführer-Trio vor zweieinhalb Jahren von 58 auf nun 72 erhöht hat. So wurde ganz aktuell beispielsweise der Verkaufsinnendienst von 3,5 auf 6 Vollzeitstellen erweitert. In der Kleberei hat man das Personal von zwei auf vier Mitarbeiter verdoppelt und auch die Näherei um zwei Stellen erweitert.

Das Produktionsvolumen hat sich bei Werkmeister seit 2008 um 50 Prozent erhöht. Entsprechend hat sich der nicht näher bezifferte Umsatz in den letzten Jahren stetig und erkennbar nach oben bewegt. Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz nach vorläufigen Zahlen um vier bis fünf Prozent verbessert. "Wenn man sich anschaut, wie sich der Gesamtmarkt entwickelt hat, können wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden sein", bilanziert Sailer. Einen großen Anteil an der positiven Entwicklung haben die neuen Matratzen-Produkte. "Unsere Taschenfederkern-Matratzen und auch die Talalay-Latexmatratzen haben sich in der Nachfrage deutlich stärker entwickelt als von uns prognostiziert. Zwar sind die Zahlen dafür bei den Schaummatratzen leicht rückläufig, aber die anderen Typen haben den Rückgang überkompensiert", stellt Brandtner sichtlich zufrieden fest.

Für das Unternehmen bedeuten die Maßnahmen sicherlich einen enormen Investitionsaufwand. Doch die Ressourcen sind aus Sicht von Michael Sailer sehr gut investiert: "Wir haben ein Plan, den wir kontinuierlich verfolgen. Mittel- und langfristig wollen wir für den Bettenfachhandel der führende Ansprechpartner in puncto individualisierter, hochwertiger Manufakturqualität Made in Germany sein". Im angelaufenen Jahr steht vor allem die interne Konsolidierung im Vordergrund, neue Produkte sind nicht zu erwarten. Deswegen wird das Unternehmen zur Möbelmesse auch nicht mit einem eigenen Showroom auftreten und sich auf die Präsenz beim MZE konzentrieren. "Aber für 2018 haben wir noch einige Neuheiten im Köcher, dann kommt auf der Produktseite wieder mehr von uns", kündigen die beiden Geschäftsführer an.

aus Haustex 01/17 (Wirtschaft)