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TKB: Branchengespräch Fußbodentechnik

Diskussionen in kleiner Runde

Die Technische Kommission Bauklebstoffe (TKB) im Industrieverband Klebstoffe lud zum jährlichen Branchengespräch Fußbodentechnik nach Düsseldorf ein. Nach einigen Terminschwierigkeiten waren zwölf Teilnehmer aus Handwerk und Industrie erschienen: Unternehmensvertreter, Anwendungstechniker, Sachverständige und die Presse. Vor allem zwei Themen beherrschten das Treffen: Estrichnormung und bauaufsichtliche Zulassung.

Als Tagungsleiter Dr. Norbert Arnold von Uzin Utz die Themen des Branchengesprächs Fußbodentechnik des Industrieverbands Klebstoff vorstellte, konnte er noch nicht wissen, dass nur ein Bruchteil von ihnen besprochen werden würde. Wichtiger als feste Programmpunkte sind für die Gründer des Treffens die zwanglosen Gespräche der Branche. Zu diesem Zweck war das Treffen ins Leben gerufen worden. Kein Protokoll sollte den Austausch stören.

Beim Thema "Schnellestriche" wurde vor allem über "Estrich" im Allgemeinen gesprochen. "Der Bauherr schuldet den trockenen Estrich", behauptete Norbert Strehle, Sachverständiger des Zentralverbands Parkett, und nannte ein Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg. "Der Auftraggeber muss dem Bodenleger einen verlegereifen Boden zur Verfügung stellen. Der Bodenleger muss lediglich prüfen, ob das zutrifft", ergänzte der Sachverständige Eberhard Schübel vom technischen Dienst des Fachhandelsrings. Bei der Prüfung stelle sich vermehrt die Frage, um welchen Estrich es sich handele. Und hier war die einhellige Meinung der Anwesenden: Die bodenlegenden Gewerke müssen sich einerseits der Argumentation um die Verlegefreigabe des Bauherrn bedienen, aber andererseits über das Thema Estrich fortgebildet werden.

Empörung zur Estrichnormung

Dr. Arnold leitete die Diskussion direkt zum Thema Estrichnormung über. Schon wurde hitziger argumentiert, denn es ging um die Neufassung der DIN 18560-Teil1: Neuer Feuchte-Belegreif-Richtwert für beheizte Calciumsulfatestriche. Der Wert ist auf 0,5 CM-% erhöht worden. Nach Meinung der TKB sind 0,3 CM-% allgemeiner Stand der Technik. Dies vertrat Dr. Arnold. Strehle berichtete nun, dass deswegen im Kommentar zur DIN ein Hinweis dazu einfügt werden würde. Dieser besage, dass zu beachten sei, dass Hersteller von Estrichen und Bodenbelägen abweichende CM-Werte anführen können. Kurzum: Halte sich ein Handwerker an die Empfehlungen der Hersteller, gehe er auf Nummer sicher.

Nur kurz wurde über das Technische Hinweisblatt des Zentralverbands Parkett- und Fußbodentechnik (ZVPF) zur Ebenheitsklassifizierung von Spachtelmassen gesprochen (mehr dazu in FT 6/2016, S. 28). Allgemein stimmten die Anwesenden zu, dass der Bauherr angeben muss, welche Ebenheit er für seine Spachtelmasse wünscht und der Handwerker anhand dieses Wunsches sein Angebot besser anpassen könne. Unter Punkt E4 wird etwa eine sichtbar glatte Oberfläche gefordert. "Kellenschlagfrei zu arbeiten bekommen bereits 50 % der Bodenleger hin, trotzdem muss noch viel passieren", sagte Schübel.

TKB Technische Kommission Bauklebstoffe im Industrieverband Klebstoffe e.V.
Fachgespräche in geselliger Runde beim Branchengespräch Fußbodentechnik in Düsseldorf.

Weichermacher in Klebstoffen - ein Problem der Zukunft

Mehr Diskussionsbedarf zeigte sich beim Thema Verlegewerkstoffe. Die Sachverständigen des Parkettbereichs bemängelten das Verschwinden des Disperionsklebers. In der Zwischenzeit werde immer mehr mit Silan-Klebstoffen gearbeitet, die mit Weichmachern ihre Konsistenz erreichen. "Weichmacherwanderungen sind bereits heute ein Problem bei Klebstoffen im Niedrigpreissegment", warnte der Sachverständige und stellvertretende Bundesinnungsmeister Manfred Weber.

Beim Thema Design- und Multilayerbeläge betonte -Volker Kettler von Meisterwerke vor allem die Vorteile der ungeklebten modularen Beläge. Er bezog sich dabei auf eine Tabelle der TKB, die angab, welche Beläge geklebt werden können und in welchen Räumlichkeiten das überhaupt empfohlen werde.

Am Ende wurde noch einmal heftig über die bauaufsichtliche Zulassung diskutiert. Das EuGH-Urteil verlangte eine Anpassung aller Normen bei Verlegewerkstoffen und Bodenbelägen, um gemeinsame Standards in ganz Europa zu schaffen. Bei Industrie und Handwerk bestehe nun eine Ratlosigkeit, was in Zukunft beschlossen wird, und auf was der Handwerker zu achten hätte. "Bestehende Produkte sind kein Problem, doch neue bekommen keine Zulassung. Das wirkt sich aber erst mittelfristig in ca. einem halben Jahr aus und bis dahin gibt es hoffentlich eine Lösung", erklärte Dr. Arnold für die Klebstoffe. Bei den Bodenbelägen ergänzte Kettler, dass neue Produkte nach CE-Zeichen hergestellt werden würden, das sei jedoch nicht mehr so umfangreich wie früher. Wer also deutsche Produkte kaufe, der bekomme keine Probleme.

Wer war dieses Jahr dabei?
-Dr. Norbert Arnold, Leiter Technische Sortimentsentwicklung bei Uzin Utz
-Jörg Baumann, Vizepräsident des Bundesverbands Farbe Gestaltung Bautenschutz
-Manfred Friedrich, Produktionsmanager Fußbodentechnik bei Schönox
-Ansgar van Halteren, Hauptgeschäftsführer der TKB
-Volker Kettler, Leiter Produktentwicklung bei Meisterwerke
-Eberhard Schübel, Sachverständiger des Technischen Diensts des Fachhandelsrings
-Norbert Strehle, Sachverständiger und Vorstand des Zentralverbands Parkett und Fußbodentechnik
-Manfred Weber, Sachverständiger und stellvertretender Bundesinnungsmeister
-Klaus Winkels, Geschäftsführer "Recht" der TKB

aus FussbodenTechnik 01/17 (Wirtschaft)