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Sachverständiger Peter Erbertz

Oberflächenfertige Estriche – Ist eben eben genug?


Oberflächenfertige Estriche, Sichtestriche, Designestriche - für diese Böden gibt es eine Vielzahl von Bezeichnungen. Sie werden zumeist im gehobenen Wohnungs- und Geschäftsbauten verlegt. Entsprechend hochwertig ist dann auch der nachfolgende Innenausbau, und entsprechend kritisch sind in diesen Bereichen auch die Anforderungen, die an die Optik und an das Gesamtarrangement gestellt werden. Im Fokus stehen häufig die "Schnittstellen" zwischen Boden und anderen angrenzenden Bauteilen oder Einbauten. Und genau an diesen Schnittstellen treffen häufig Welten aufeinander: Wenn z. B. der Sockel einer Schrankwand oder eines Küchenblocks, der maschinell hergestellt nahezu eine Null-Toleranz aufweist, auf die zulässigen Ebenheitsabweichungen eines von Hand gemachten Estrichs trifft.

Der Hintergrund - Estriche müssen eine Oberfläche nach DIN 18202 aufweisen

Betrachtet man die Regelwerke sind oberflächenfertigen Estriche zunächst einmal "nur" Nutzestriche, nämlich Estriche die ohne einen weiteren Belag genutzt werden. Die DIN 18560 fordert für Estriche, dass diese eine Oberfläche nach DIN 18202 aufweisen müssen. Das heißt, sie müssen bezüglich Ebenheits- und Winkelabweichungen innerhalb der dort definierten Grenzwerte liegen. Diese in der Norm angegebenen Grenzwerte stellen die für Standardleistungen durchschnittlicher und üblicher Ausführungsart im Rahmen üblicher Sorgfalt zu erreichende Genauigkeiten dar. Darüber hinausgehende Anforderungen müssen gesondert vereinbart werden. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass insbesondere bei einem konventionell hergestellten (schwimmenden) Estrich höhere Anforderungen z. B. an die Ebenheit nicht ohne weiteres hergestellt werden können. Oft sind diese erhöhten Anforderungen nur mit zusätzlichen Leistungen wie z. B nachträgliches (partielles) Spachteln und/oder Schleifen realisierbar. Bei einem Estrich, auf den noch ein Belag verlegt wird kein Problem, bei einem "Designestrich" in der Regel aber eine optische Katastrophe.

Bauherr und Planer muss im Vorfeld bereits verdeutlicht werden, dass ein handgemachter Boden immer gewisse Toleranzen aufweisen wird.
Sachverständiger Peter Erbertz
Peter Erbertz, Sachverständigenbüro
Gronauer Str. 31
51063 Köln
Tel.: 02 21 / 63 17 27
Fax: 02 21/ 63 10 77 73
E-Mail: peter.erbertz@erbertz.de

Bestellung:
Von der HWK zu Köln öbuv. Sachverständiger für das Estrichlegerhandwerk und das Bodenlegergewerbe.

Tätigkeitsfeld:
- Sachverständigentätigkeit als Gerichts- und Privatgutachter
- Beratungen zu Fußbodenaufbauten und Estrichkonstruktionen
- Baubegleitende Qualitätskontrollen, Fachbauleitung
- Fachvorträge, Seminare und Webinare

Vita:
- 1977–1982 BWL-Studium
- 1990 Meisterprüfung im Estrichlegerhandwerk
- 1995 öffentliche Bestellung zum Sachverständigen
- 2004 Gebäudeenergieberater im Handwerk sowie Zertifizierter Prüfer der Gebäude-Luftdichtheit
- 2006 Zertifizierung für Infrarotthermografie, Sektor Bau

Mein Tipp - Anschlussdetails im Sinne einer Schnittstellenkoordination vorab durchsprechen

Neben den ohnehin zeitintensiven Beratungsgesprächen bei einem Designestrich sollten, ähnlich wie bei der Schnittstellenkoordination bei beheizten Fußboden-konstruktionen, alle Details mit den Beteiligten im Vorfeld geklärt werden. Bauherr und Planer müssen im Vorfeld bereits verdeutlicht werden, dass ein handgemachter Boden immer gewisse Toleranzen aufweisen wird und daher vom Planer die Diskrepanzen zu nahezu "Null-Toleranz-Bauteilen" durch entsprechende Maßnahmen (z. B Schattenfugen, spezielle Profile etc.) Berücksichtigung finden muss.

aus FussbodenTechnik 01/17 (Estrich)