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Barth & Co.: Nachhaltige Forstwirtschaft mit Hartholz aus Surinam

Tropenholz ist nicht gleich Tropenholz

Exotische Hölzer werden oft mit illegalem Einschlag, Raubbau und der Entwaldung tropischer Regenwälder in Verbindung gebracht. Aber es geht auch anders, wie Stephan von Schreitter, Geschäftsführer von Barth & Co., am Beispiel von Hartholz aus Surinam deutlich machen will.

Terrassendielen aus exotischen Hölzern zeichnen sich durch eine ganze Reihe von Vorteilen aus. Viele sind ohne Imprägnierung hochresistent gegen Fäulnis und ausgesprochen robust und unempfindlich. Dennoch haftet den scheinbar perfekten Hölzern ein nicht leicht zu entkräftendes Negativimage an, denn in vielen Ländern der Welt geht deren Gewinnung mit Entwaldung, Raubbau und Umweltverschmutzung einher. Am Beispiel Bangkirai kann man das sehr gut nachvollziehen. Diese Holzart kommt heute nahezu ausschließlich aus Kalimantan, dem südlichen Teil der Insel Borneo. Es ist bekannt, dass der Urwald in Indonesien seit Jahrzehnten hemmungslos gerodet wird. Die Schaffung von Ackerflächen für die schnell wachsende Bevölkerung sowie das lukrative Geschäft mit Palmöl sind wesentliche Gründe. Fatal sind die Brandrodungen: Die Schwelbrände der Torfböden sind praktisch nicht löschbar und verantwortlich für dauerhafte CO2-Emissionen sowie eine weitreichende Luftverschmutzung.

Ähnliche Szenarien gibt es in vielen Regionen Afrikas und Südamerikas. Vor allem in Brasilien und Paraguay wird Naturwald abgeholzt, um Soja oder Zuckerrohr für die Ethanol-Gewinnung anzupflanzen. Die dünne Humusschicht so genutzter empfindlicher Waldböden erodiert sehr schnell und führt zu dauerhafter Verkarstung ganzer Landstriche. Dennoch werden weiterhin oft gedankenlos Bangkirai und andere Holzarten aus kritischen Ländern importiert.

Legales Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft

Das Unternehmen Barth & Co. aus dem nordrheinwestfälischen Korschenbroich hat sich auf den Import von nachhaltigem Tropenholz spezialisiert. Man hat nach einer Region gesucht, die überprüfbar nachhaltig wirtschaftet und neben einer sehr guten Holzqualität auch eine ebenso gute Ökobilanz vorweisen kann. Fündig wurde man in Surinam. "Weshalb Surinam? Unsere Firma ist zu klein, um in großen Ländern wie Brasilien oder Zentralafrika zu kontrollieren, ob die Hölzer, die wir kaufen, auch wirklich aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen", sagt Stephan von Schreitter, Geschäftsführer von Barth & Co. Für ihn reicht es nicht aus, dass zum Beispiel Bangkirai durch ein Abkommen mit Indonesien als EUTR-konform gilt. Die Kenntnis vom Raubbau in dieser Region ist für ihn ein Grund, auf diese Holzquelle zu verzichten.

Kleines Land, großes Vorbild

Surinam zählt zu den Ländern, die ihre natürlichen Waldressourcen nachhaltig nutzen. Im Norden Südamerikas gelegen, ist es mit 163.000 km2 fast doppelt so groß wie Österreich und das kleinste Land auf diesem Kontinent. Dabei hat Surinam circa 150 Mio. Hektar Waldfläche, was rund 94 % der gesamten Landfläche ausmacht. Durch die geringe Einwohnerzahl von rund 500.000 hat das Land keinerlei Druck, seinen Urwald in landwirtschaftliche Flächen umzuwandeln. Zum Vergleich: Indonesien ist zwölfmal größer als Surinam, hat aber 500-mal so viele Einwohner. In Surinam wird die Holzernte durch die staatliche Forstbehörde (SBB) kontrolliert. Erst nach der sorgfältigen Inventur von jeweils 100 Hektar großen Abschnitten wird die Einschlaggenehmigung gegeben. Hierbei wird jeder einzelne schlagreife Baum nach Größe und Holzart erfasst.

F. W. Barth & Co. GmbH
Jeder Weg der Stämme wird genau nachverfolgt. Kontrollen stellen sicher, dass die Verarbeiter nur so viel Schnittholz verkaufen, wie sie auch an kontrolliertem Rundholz erhalten haben. (Fotos: Barth & Co.)
F. W. Barth & Co. GmbH
Die Waldkonzessionen in Surinam werden von der staatlichen Forst-behörde (SBB) kontrolliert.
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Die Kette der Kontrollpunkte setzt sich auf den Transportwegen zum Hafen fort.

"In Surinam haben wir uns ein detailliertes Bild der Holzindustrie und der Waldwirtschaft gemacht. Wir hatten viele Termine bei der staatlichen Forstbehörde und haben uns bei unseren Besuchen in den Konzessionen, aus denen unser Holz kommt, persönlich ein Bild gemacht", beschreibt von Schreitter sein Vorgehen. Er und sein Team überzeugen sich regelmäßig alle vier bis sechs Wochen von den Bedingungen vor Ort. "Als Faustregel dürfen pro Hektar maximal zwei Bäume gefällt und nach den "Low Impact"-Regelungen vorsichtig aus dem Wald entfernt werden. Dann wird dieser Sektor für mindestens zwanzig Jahre nicht mehr angerührt und die Vegetation kann sich regenerieren", erklärt von Schreitter. Die Kette der Kontrollpunkte setzt sich hier über die Transportwege fort: vom Wald zum Sägewerk und anschließend mit der Schnittholzware bis zum Hafen. "In der Zusammenarbeit mit der SBB ist es uns möglich, jede Lieferung zurückzuverfolgen und sicherzustellen, dass wir nur legales und nachhaltig geerntetes Holz erhalten."

Klimaschutz durch Nachhaltigkeit

Nicht genutzter Urwald ist CO2-neutral. Das bedeutet, dass ebenso viel Holz nachwächst, wie durch den natürlichen Verfall verloren geht. Das verrottende Holz setzt CO2 frei, was aber durch nachwachsende Bäume in gleicher Menge wieder gebunden wird. Im Vergleich dazu kann ein nachhaltig bewirtschafteter Wald durch die selektive Entnahme von Bäumen und dem daraus resultierenden schnelleren Nachwachsen von Holz größere Mengen des klimaschädlichen Kohlendioxids binden. Unter dem Aspekt des Klimaschutzes ist deshalb ein nachhaltig bewirtschafteter Wald effektiver als ein sich selbst überlassener.

Der intakte Wald in Surinam ist eine große Ressource für das kleine Land. Durch die strenge Kontrolle der SBB ist illegaler Holzexport nahezu ausgeschlossen. Die Verwendung von tropischem Hartholz aus Surinam ist daher ökologisch verantwortungsvoll. Denn nur dort, wo der Wald nachhaltig genutzt wird und einen wirtschaftlichen Wert darstellt, ist die unwiederbringliche Zerstörung ausgeschlossen.

aus Parkett Magazin 01/17 (Wirtschaft)