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The Rug Show@Javits & NYICS, New York

Das Messe-Doppelpack ist deutlich gewachsen


Zwei Teppichmessen zogen im September die Besucher nach New York: die Rug Show und die NYICS. Die eine groß und hauptsächlich von US-Ausstellern geprägt, die andere klein und international. Auf beiden Messen zeigten einige Anbieter erstmals persische Ware. Das große Geschäft nach Wegfall des Embargos bleibt aber zunächst aus.

New York im September war für Teppicheinkäufer gleich doppelt interessant: Parallel liefen die Rug Show@Javits und die NYICS. Zwei Messen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber durchaus mit Überschneidungen. Viele Besucher pendelten zwischen den Veranstaltungen hin und her; einige Aussteller äußerten den Wunsch, man möge doch beide Events zusammenlegen. "Dadurch könnte eine Messe entstehen, die in Größe, Bedeutung und Angebot durchaus mit der Domotex mithalten kann", vermutet man bei Lapchi. "Außerdem macht es den Besuchern sehr viel leichter."

The Rug Show@Javits: groß und sehr amerikanisch

Da wäre zum einen die Rug Show@Javits, die deutlich größere Veranstaltung von beiden. Die Non-Profit-Messe zeigt die ganze Bandbreite des Marktes; hier stellen überwiegend US-amerikanische Importeure ihr Sortiment vor. Dass keine Aussteller aus den Ursprungsländern teilnahmen, sah Arman Vartian als Vorteil: So habe man es weniger mit Kopien zu tun.

Innerhalb eines Jahres hat sich die Rug Show@Javits von 40 auf rund 80 Teilnehmer vergrößert, sodass die Veranstaltung eine neue, größere Halle im Javits Convention Center beziehen musste. Dort hatten die Anbieter nun so viel Platz, dass man sich "sehr luftig" verteilen konnte. "Das Ganze wurde gleich viel übersichtlicher und hatte eher Dorfcharakter", kommentierte der Schweizer Kelim-Anbieter Werner Weber. Bei Lapchi und Ayka lobte man außerdem die "wunderbar reibungslose" Organisation vom Auf- bis zum Abbau. Und Arman Vartian hob die entspannte Stimmung unter den Ausstellern hevor. "Da es keinen individuellen Standbau gab, stand das Produkt immer im Vordergrund, ohne jeden Schnickschnack."

Von den Organisatoren wünscht sich Michelle Evans (Ayka) einführende Seminare oder Vorträge, die den Besuchern neue Aussteller näherbringen. Und das Team von Lapchi schlägt vor, durch zusätzliche Anreize mehr Designer, Architekten und insgesamt ein noch moderneres Publikum anzusprechen - etwa mit Themen wie Designsoftware und Web-Entwicklung, aber auch mit verstärkter Werbung in den Sozialen Medien.

Wie die Aussteller kamen auch die Besucher hauptsächlich aus den USA; nur wenige reisten aus dem Ausland an. "Eigentlich schade", findet das Michelle Evans, die sich fragt, warum man man das Event nicht international bewirbt. Denn: "In Nordamerika hat sonst keine Veranstaltung so viel zu bieten."

Die NYICS: klein und mit viel Design

Kleiner, designorientierter und sehr viel internationaler als die Rug Show ist die parallel stattfindende New York International Carpet Show (NYICS). Die Messe hat sich auf Designerteppiche, Custom Order und -erstmals 2016 - Antikes spezialisiert und einen stimmungsvollen neuen Veranstaltungsort bezogen: "The Tunnel" im historischen New Yorker Stadtteil West Chelsea. Backstein, alte Holzbalken und Industriecharme prägen das Ambiente des ehemaligen Lagerhauses, das zwischenzeitlich ein "hipper" Nachtclub war. Mit dem Antique Pavilion erhielten die Sammlerteppiche erstmals einen eigenen Bereich auf der Messe.

New York International Carpet Show
NYICS
New York International Carpet Show
The Rug Show

Tierfell, Sisal, Vintage und ein Hauch Farbe

Neben Wolle, Seide und Viskose hatten die Aussteller beider New Yorker Messen auch andere Materialien im Gepäck: Patterson Flynn Martin zeigte farbig gewebte Sisalteppiche, die in Kolumbien handgewebt werden. Und aus Argentinien brachte Yerra Patchworkteppiche aus Rinderfell mit Quilt-Mustern mit, teils eingefärbt, teils in Naturtönen. Im "Big Apple" kommt das gut an: Bei einem Streifzug durch die Straßen von New York konnte man die Teppiche bereits in den Schaufenstern verschiedener Möbelhändler entdecken.

Der Vintage-Look bleibt auch in den USA Thema. Zum Beispiel beim marokkanischen Exporteur Soufiane. Oder bei Nouveau Afghan, einem jungen amerikanischen Unternehmen, das in Afghanistan Teppiche knüpfen lässt, die wie antik aussehen. Gleichzeitig fördert Nouveau Afghan die Lehrerausbildung im Land. Insgesamt haben sich auf der Messe Overdye-Teppiche, Teppiche mit Antikwäsche oder alte Designs (wie Heriz) in neuen Farben gut verkauft.

Überhaupt, Farbe: Obwohl auch in New York gedeckte Nuancen wie Beige oder Blaugrau das Messebild prägten, sind kräftigere Töne wie Apfelgrün durchaus im Kommen. Und ungewöhnliche Designs: Der Stand von Rug Star, erstmals auf der Messe vertreten, hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Der iranische Teppich sucht noch seinen Platz

Seit Wegfall der Sanktionen für Teppiche aus dem Iran gab es natürlich auch deutlich mehr persische Ware auf beiden Messen - sowohl von Newcomern als auch von etablierten Größen: Zollanvari etwa konnte nun neben seinem indischen auch sein umfangreiches persisches Programm zeigen. Ganz neu dabei war Orley Shabahang mit sehr originellen im Iran gefertigten Teppichen. Die modernen Knüpfungen zeigen beispielsweise Fischhaut- oder Kaleidoskopmuster, Mosaikbilder oder Optiken, die an alte Fliesen erinnern. Nun bleibt abzuwarten, welchen Platz persische Teppiche auf dem eigentlich gut gesättigten amerikanischen Markt erobern können.

Möglicherweise dauert das Warten auf die amerikanischen Käufer auch noch etwas länger, denn beide Messen hätten - zumindest am Wochenende - mehr Besucher vertragen können. Vielleicht lag es am Termin, der den Gedenktag 11. September mit einschloss, dass es in den Hallen eher ruhig zuging. Auch in Sachen Werbung und Social Media dürfen die Veranstalter gern noch zulegen, damit noch mehr Besucher die Rug Show und NYICS für sich entdecken - denn es lohnt sich.

aus Carpet XL 01/17 (Wirtschaft)