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Heimtextil Tapeten

Mit Mut und Kreativität gegen die Absatzschwäche

Die deutschen Tapetenanbieter überraschen in diesem Jahr mit mutigen Kollektionen. Im Trend liegen neu interpretierte Blumendessins und Ornamente sowie die Farbe Blau. Wichtiges Thema war die Beratungskompetenz im Fachhandel. | Cornelia Küsel berichtet über die Tapetentrends in Frankfurt

Ob grafische Designs, Blumenmuster oder Streifen - die deutschen Tapetenhersteller und -verleger präsentierten in diesem Jahr eine Fülle an neuen Kollektionen, die jeden Geschmack bedienen. Dabei ist erlaubt, was gefällt. Klare Trends gibt es nur wenige. Hoch im Kurs stehen neu interpretierte Ornamente und florale Dessins. Farblich hat es Blau nach vorn geschafft, Dauerbrenner bleiben Naturtöne und elegante Glanzeffekte.

Die Zeiten, in denen die Tapetenbranche wegen der Umsatzrückgänge in Osteuropa wie gelähmt wirkte, scheinen also vorbei. Drei Jahre nach Ausbruch der Krise in Russland haben sich die Hersteller gesammelt und starten mit hochwertigen Kollektionen in die Zukunft. Dabei setzen sie nicht nur auf verkäufliche Produkte, sondern machen mit raffinierten Designs sowie technischen Neuerungen auf sich aufmerksam.

Die Stimmung auf der Heimtextil war entsprechend heiter. Statt vorsichtigem Abwarten stehen wieder unternehmerische Aktivität und Vielfalt im Mittelpunkt. "2017 wird ein spannendes Jahr", sind die Tapetenanbieter überzeugt.

Prominente als Besuchermagnet

Die hohe Prominentendichte machte die Tapetenhalle wieder zum Besuchermagneten. Der schrille Modedesigner Harald Glööckler stellte seine außergewöhnliche Karte am Stand der Marburger Tapetenfabrik zum Gesang von Weather Girl Dynelle Rhodes und US-Sänger Jimmy Wilson vor. Auffälligstes Motiv: Ein Pfau mit blauen Federn in Digitaldruck auf goldenem Fond.

Bei A.S. Création war Modedesigner Michael Michalsky mit seiner neuen Kollektion zu Gast. Der polnische Architekt und Designer Mac Stopa erschien in maßgeschneiderter Kleidung, auf der die Muster aus seiner für A.S. Création entworfenen Karte zu sehen war. Modedsigner Wolfgang Joop ist mit seiner Kollektion Kind of White erstmals für die Gummersbacher tätig. Nicht am Stand, sondern in der Union Halle ließ sich Modedesigner Guido Maria Kretschmer für seine zweite mit Pickhardt + Siebert entwickelte Kollektion feiern.

Ein Thema war auch die Nachhaltigkeit. Auf die zunehmende Nachfrage nach umweltfreundlichen Tapeten reagiert Rasch mit der PVC-freien Kollektion , deren Rohmaterial Ecodeco von dem litauischen Tapetenmaterialien-Hersteller Veika stammt. Auch Erismann und Grandeco arbeiten mit dem neuen Material.
Das größte Interesse aber zog die ausgeklügelte LED-Technik am Stand der Marburger Tapetenfabrik auf sich. Sie lässt sich in die Kollektion integrieren. Zur Wahl stehen zwei Designs: ein Stern mit acht und einer mit 16 Strahlen. Auch individuelle Dekoelemente sind möglich.

Heimtextil Frankfurt
Ullrich Eitel, Inhaber der Marburger Tapetenfabrik, Harald Glööckler und Chefdesigner Dieter Langer zeigten den Gästen am Messestand die jüngste Kollektion des exzentrischen Designers: Glööckler Imperial.

Angesichts der Bandbreite an Neuheiten waren sich die Aussteller einig, dass diese eine gute Basis seien. Dabei setzen die Unternehmen stark auf das Inland, wo sich die Umsätze auf stabilem Niveau bewegen, teilweise sogar stiegen. Problem ist und bleibt Osteuropa, insbesondere Russland. Die dort verzeichneten Rückgänge sorgten bei der Mehrzahl der Anbieter für sinkende Exportquoten. Nun sollen neue Absatzmärkte zumindest einen Teil der Ausfälle kompensieren.

Kompetente Beratung gefordert

Einen Weg, Tapeten außerhalb Deutschlands zu verkaufen, sehen die Hersteller in der großen Zahl neuer Kollektionen. Damit wollen sie die verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen Zielländer erfüllen. Zum anderen ist es der harte Wettbewerb auf dem umkämpften deutschen Markt, der sie zu dieser Fülle zwingt. Nach Ansicht von Martin Slotty, Geschäftsführer bei Erismann, sei jedes Unternehmen gefordert, diesen Prozess mitzumachen. Denn ein Hersteller, der weniger neue Kollektionen auf den Markt bringe, finde weniger Beachtung.

Als Problem sehen die Tapetenanbieter, dass der Endverbraucher bei Handel und Handwerk angesichts der Tapetenflut die Übersicht verliert. Um ihm Orientierung zu geben und die Auswahl zu erleichtern, sei professionelle Beratung erforderlich. Die Tapete dürfe nicht einfach nur mitgeführt werden, forderte Christian Schmitz, Inhaber der Verlage Schmitz und Essener. Zudem sei es sinnvoll, das stationäre Geschäft mit einem Onlineshop zu verbinden. Das erschwere den "Billiganbietern ohne Beratungsleistung" das Leben.

Hersteller A.S. Création hat ein ganzes Bündel an Maßnahmen aufgelegt, um die Beratungskompetenz im Fachhandel zu verbessern. Allein das Seminar mit Abschluss Fachberater Tapete IHK besuchten an der im vergangenen Jahr gestarteten Tapetenakademie mehr als 100 Teilnehmer. Ganz neu ist ein Designbook, das die Entwicklungen für die kommenden zehn Jahre in Mikro- und Makro-Trends definiert. Es dient als Beratungsinstrument. Vorwiegend an junge Menschen wendet sich die Kooperation der Gummersbacher mit der Architektin Laura Noltemeyer, die den Styleblog "Designdschungel" betreibt und ihre erste Tapete mit dem Atelier von A.S. Création entwickelte. Aber auch Maßnahmen an Berufsschulen wurden ergriffen, weil es nach Ansicht von Vorstandschef Maik Krämer nicht ausreicht, Tapeten nur herzustellen.

Damit bildete die Messe einen positiven Auftakt des Einrichtungsjahrs 2017. Sie gab Denkanstöße und vermittelte neue Zuversicht. Die Mehrheit der Aussteller zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf und der Qualität der Besucher. cornelia.kuesel@snfachpresse.de

aus BTH Heimtex 02/17 (Wirtschaft)