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Heimtextil 2017

Schlafen rückt stärker in den Fokus


Frankfurt/M. Mehr Aussteller, mehr Besucher: Die Heimtextil als Weltleitmesse für Wohn- und Objekttextilien entwickelt sich seit Jahren positiv. Das gilt auch für den Haustextil-Sektor und die Produktgruppe "Bed", die weiter wächst. Ungeachtet eines eher schwierigen Vorjahres für den Bettenfachhandel und weltpolitischer Irritationen zeigte sich die Branche in Frankfurt gelassen und für das kommende Jahr zuversichtlich. Auf das Thema Schlafen wird die Heimtextil auch in den kommenden Jahren einen Fokus setzen, kündigte die Messe Frankfurt an.

Die Statements wichtiger Branchenteilnehmer in der Januar-Ausgabe der Haustex belegen, dass es für den Bettenfachhandel schon einfachere Jahre gegeben hat. Überwogen in den Vorjahren Geschäfte mit positiven Umsatzentwicklungen, so scheint sich diese positive Tendenz im letzten Jahr gedreht zu haben.

Gleichwohl zeigten sich die Gesprächspartner aus dem Handel in Frankfurt relativ entspannt, denn im Grunde war wohl den meisten klar, dass es nach Jahren stetigen Umsatzwachstums irgendwann auch mal schwieriger werden würde. Dank guter Jahre hat sich der Bettenfachhandel umsatzmäßig ein Polster erarbeitet, von dem man auch mal zehren kann - wenn es denn nicht zur Regel wird.

Interessant war allerdings zu hören, dass es in der Branche keine einheitliche Entwicklung über das Jahr gegeben hat. Stöhnte der eine über die letzten Monate des Jahres, die ihm das aufgelaufene Plus wieder aufgezehrt hätten, so freute sich der andere, dass ihm gerade das Jahresende noch zu einem guten Pari verholfen habe, um nur ein Beispiel zu nennen. Denn das Gleiche gilt für den gesamten Jahresverlauf: Nichts ist mehr fix. Das erschwert den Händlern auch die Personalplanung. In vermeintlich schwachen Tagen wird ein nicht geahnter Umsatz erzielt, während am traditionell starken Wochenende mit Freitag und Sonnabend das Personal auch mal die Auslagen drapiert, um sich zumindest halbwegs sinnvoll zu beschäftigen.

Konjunkturell bot das vergangene Jahr eigentlich gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Die Beschäftigung erreichte neue Rekordwerte, die Inflation tendierte gegen Null, das Realeinkommen der Haushalte stieg seit langem wieder an und beflügelte den Konsum. Auch die Bauindustrie floriert, mit der Folge, dass neue Häuser und Wohnungen unter anderem textil eingerichtet werden müssen. Dass 2016 im Bettenhandel trotzdem kein Jahr zum Rühmen wurde, verwunderte in Frankfurt manchen.

Eine Rolle dürfte allerdings das Internet spielen, genauer die Online-Matratzenanbieter. Mit geballter Marketing-Kraft haben sie, nach allem was man aus der Zulieferer-Industrie hört, den Matratzen-Markt doch recht erfolgreich aufmischen und ein gutes Stück vom Absatz-Kuchen für sich sichern können. Bleibt abzuwarten, wie lange der Hype um die Matratzen mit Vornamen anhalten wird. Schließlich ist es keine große Kunst, unter Verwendung fetter Marketing-Budgets kurzfristig Umsatz zu generieren.

Was wirklich zählt sind Profitabilität und nachhaltiger Erfolg. Und zumindest die Ertragslage der Start-ups in der Matratzenbranche ist eher kritisch, kaum jemand von den Newcomern schreibt bereits schwarze Zahlen. Derzeit geht es alleine um den Gewinn von Marktanteilen, denn nur wer langfristig im Markt die Nummer eins oder zwei ist, hat gute Überlebenschancen. Man wird also noch einige Matratzen-Konzepte erleben, die links und rechts des Weges ihr Leben aushauchen werden.

Sich als Händler darauf zu verlassen und im eigenen Haus nichts zu ändern, kann dennoch nicht die richtige Strategie sein. VDB-Präsident Marc Böhle schlägt in der Haustex beispielsweise eine branchenübergreifende Rücknahme-Garantie vor. Der Endverbraucher verstehe nicht, so Böhle, warum die Internet-Händler eine 100-Tages-Wohlfühlgarantie bieten, der stationäre Handel aber nicht: "Wenn wir wirklich so gut beraten, wie wir es in der Werbung schreiben, dürfte das doch kein Problem darstellen." Das klingt logisch und konsequent.

Für das hochwertige Sortiment im Bettenfachhandel stehen auf der Heimtextil die Hallen 8 und 11. Und wenn man sich etwa zehn Jahre zurück erinnert, bot die Halle8 damals einen fast bedauernswerten Eindruck mit abgesperrten Leerflächen. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Bis in den letzten Winkel ist die Messefläche ausgebucht, obwohl sich in den letzten Jahren Anbieter aus der Halle verabschiedet haben, mangels wirtschaftlichen Erfolgs oder aus internen messepolitischen Gründen. Sicherlich findet man heute auch teilweise Firmen, die für den Handel direkt eher nicht von Belang sind, wie zum Beispiel einige Maschinen-Anbieter. Aber auch sie gehörten zur Branche dazu und versprechen sich von der Messeteilnahme Vorteile, begründet Meike Kern, Objektleiterin Haustextilien bei der Messe Frankfurt.

Die Veranstalter haben aber auch einiges getan, um die Messe noch attraktiver zu gestalten. Mit dem Programm "Bedn Excellence" für Bettenfachgeschäfte und "Meine Heimtextil" für Raumausstatter rollt die Messe deutschsprachigen Fachbesuchern den roten Teppich aus und bietet exklusive Vorteile. Dazu gehören ein freier Eintritt samt kostenloser Nutzung des Verkehrsverbundes und nicht zuletzt ein Kontingent an preislich sehr interessanten Zimmern in messenah gelegenen Hotels. Diesen Service kann man angesichts der üblicherweise aufgerufenen Übernachtungspreise zu Messezeiten kaum überbewerten. Auf diese Weise tut die Messe alles, um der Kritik einiger Aussteller entgegenzutreten, dass zu wenige deutsche Fachhändler zur Messe anreisen. Weitere Vorteile: unter anderem kostenloses WLAN, Sonderkonditionen für die Anreise per Bahn, Shuttle-Bus vom Frankfurter Flughafen, Lufthansa-Reisende können ihr Gepäck auf dem Messegelände abgeben und so weiter.

Dass die Messe nicht nur aus Arbeit besteht, hat auch die Messe Frankfurt erkannt. Seit Jahren veranstaltet sie im Anschluss der Preisverleihung des Haustex-Stars am Donnerstag die Branchen-Party Afterwork@heimtextil mit Live-Musik und niveauvoller Verköstigung. Das Konzept ist so gut angekommen, dass man sich von der Messe in diesem Jahr erstmals dazu entschlossen hat, auch der Heimtextil-Branche solch ein Event zu bieten: Das "Frankfurter Stöffche" am ersten Messetag, nach der Preisverleihung des Heimtex Stars unseres Schwester-Magazins BTH Heimtex.

Aber auch baulich entwickelt sich die Messe Frankfurt und damit auch die Heimtextil weiter. So fanden die Messebesucher der Halle 8 eine neue Eingangslösung vor. Vom Torhaus kommend empfangen den Besucher nun drei Rolltreppen, von denen zwei in Hauptlaufrichtung geschaltet sind und Staus vor der Treppenanlage so weitgehend vermeiden. Eine weitere Rolltreppenanlage führt einige Meter weiter nun organisch direkt vor den Eingang zur Halle 8.

Von dort kann man auch schon grob sehen, was 2019 auf die Messebesucher zukommt: die neue Halle 12, in ersten Umrissen erkennbar. Im Herbst 2018 soll die zweigeschossige Halle mit gut 33.000 Quadratmetern Fläche fertiggestellt sein. Und dann dürften auch die Karten, sprich die Aussteller neu gemischt werden. Theoretisch passten alle Aussteller der gut 30.000 Quadratmeter großen, allerdings komplett ebenerdigen Halle 8 in den Neubau. Und die 12 hat den Vorteil für die Messebesucher, dass man deutlich einfacher und schneller in die Halle 11 kommt. Doch das ist reine Spekulation, denn derzeit ist noch nicht bekannt, wie sich die Messegesellschaft die neue Aufteilung der Aussteller auf die Hallen vorstellt.

Heimtextil Frankfurt
Bedding House, Lisse/NL
Heimtextil Frankfurt
Estella, Neustadt/Aisch

Am ersten Tag der Messe stellte sich der ein oder andere Aussteller die Frage, ob die Fachbesucher es inzwischen komplett realisiert hätten, dass die Messe seit dem letzten Jahr bereits am Dienstag statt wie seit Jahrzehnten am Mittwoch beginnt - die Frequenz ließ bei vielen Ständen zu Wünschen übrig. Allerdings segnete Petrus die Messestadt Frankfurt und ihr Umland an diesem Tag mit einem veritablen Schneefall. Zahlreiche Ankünfte am Frankfurter Flughafen mussten darum gestrichen werden. Und auch in Osteuropa schlug der Schnee zu und sorgte für zahlreiche Flugausfälle. Obendrein dürften Tagesbesucher aus dem näheren Umkreis ihren Messebesuch angesichts der Wetterlage kurzfristig verschoben haben.

Dafür spricht, dass der zweite Messetag bei allen Gesprächspartnern geradezu "bombastisch" war, wie es einer begeistert berichtete. Dafür spricht auch, dass die Haustex-Redaktion an diesem Tag kaum eine Chance hatte, ihre Gesprächspartner zu erwischen: Kundschaft geht schließlich vor. Etwas ruhiger verlief dann der Donnerstag, wohingegen der letzte Tag wieder stark nachgelassen hat. Der Freitag ist somit frequenztechnisch dem früheren Sonnabend gleichzusetzen, oder "Framstag", wie ein Discounter seine Wochenendaktionen getauft hat.

Man könnte allerdings fragen, ob das wirklich so sein soll. Früher wurden die leeren Gänge am Sonnabend damit erklärt, dass angestellte Einkäufer Wert auf ihr Wochenende legten und darum an diesem Tag schon wieder zuhause seien. Bekanntlich ist aber der Freitag ein ganz normaler Wochen- und Arbeitstag, sodass diese Begründung nicht mehr gilt. Bei einer besseren Nutzung des letzten Messetages täte der Besucher seinen Gesprächspartnern von der Industrie, aber auch sich selbst einen Gefallen. Die Frequenz würde über die vier Ausstellungstage etwas verstetigt werden, und man hätte auf diese Weise mehr Zeit und Gelegenheit für fachliche Gespräche. Kein Wunder jedenfalls, dass viele Aussteller am Freitag aus lauter Verzweiflung schon vorzeitig beginnen, ihre Stände zu plündern.

Apropos Aussteller: Mit 2.963 Unternehmen aus 67 Ländern verzeichnet die Heimtextil erneut einen deutlichen Zuwachs. 99 Aussteller mehr als im Vorjahr kamen nach Frankfurt. "Zum siebten Mal in Folge wächst die Messe - in puncto Ausstellerzahl ebenso wie in Sachen Fläche - und unterstreicht damit ihre weltweite Führungsposition", erklärte Messe-Geschäftsführer Detlef Braun nicht ohne Stolz. Vor allem europäische Unternehmen, insbesondere aus Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal, der Schweiz, Tschechien und der Türkei sorgen für das Wachstum. Die meisten Aussteller kamen aus China an den Main (521), gefolgt von Indien (391) und Deutschland (322).

Bei vielen herrschte Zufriedenheit: "Die Heimtextil ist für uns eine Investition in die Zukunft: Unsere Produkte sind bei den Besuchern sehr gut angekommen und wir nutzen die Messe vor allem, um Emotionen zu vermitteln", freute sich beispielsweise Vossen-Geschäftsführer Manfred Renerig. "Wir konnten in den vergangenen Tagen unseren Fokus auf die Zielgruppe Frau unterstreichen und sind sehr zufrieden mit der Gesamtheit unserer Aktivitäten hier auf der Heimtextil."

"Auf der Messe konnten wir Bestandskunden begrüßen, aber auch zahlreiche neue Kontakte knüpfen. Wir freuen uns schon jetzt, auch im nächsten Jahr wieder auf der Heimtextil vertreten zu sein", erklärte Jolien van Dijk, General Manager Vandyck. "In diesem Jahr waren wir mit einem neuen Standkonzept vor Ort, das sehr positiv von unseren Besuchern aufgenommen wurde." Und auch auf Besucherseite gab es positives Feedback und eine gute Stimmung: Insgesamt wurde die Branchenkonjunktur von den Besuchern der Heimtextil in diesem Jahr noch besser eingeschätzt als im Vorjahr. Insbesondere Besucher aus Deutschland beurteilen die aktuelle Situation als gut (40 Prozent).

Das könnte auch daran liegen, dass Schlafen nach Ernährung und Fitness als eines der kommenen Lifestyle-Themen gesehen wird. Davon zeugten auch etliche Innovationen innerhalb des Produktbereiches Bett. Am meisten Aufsehen erregte dabei die Virtual-Reality-Show am Stand der EuroComfort Group. Hier konnten die Besucher mit einer VR-Brille nicht nur eine spektakuläre Phantasiereise im Liegen antreten, sondern erhielten auch die Möglichkeit, ein Bett Bett selbst zu konfigurieren und dieses dreidimensional zu erleben. "Mit dieser Innovation geben wir dem Fachhandel echte Chancen", betonte CEO Thomas Bußkamp. "Wir gehen mit ihm neue Wege und bringen den Verbraucher zurück in den Handel, für das Verkaufserlebnis der Zukunft."

Wasserkissen-Hersteller Mediflow aus Hamburg zeigte eine verbesserte Version des Wasserkissens mit hundertprozentiger Anpassung in Härte und Stützwirkung. Robert Kocher, Mediflow-Europageschäftsführer: "Wir hatten dieses Jahr viele Neukunden bei uns auf dem Stand, die von uns gehört hatten und sich über unsere Produkte informieren wollten oder sogar direkt orderten. Die Besucher kamen vor allem aus dem mittleren Osten, China, dem osteuropäischen Raum und Skandinavien. Außerdem hatten wir intensive Gespräche mit US- und deutschen Kunden. Das ist auch die große Stärke der Heimtextil. Hier schüttelt man der ganzen Welt die Hände."

Auf dem Stand der Schlafkampagne konnten sich sowohl Besucher als auch Aussteller über die vier Einflüsse auf den Schlaf informieren. Auf das Thema Schlafen wird die Heimtextil auch in den kommenden Jahren einen Fokus setzen, kündigte die Messe Frankfurt an. Passend zum Trendthema hat sich bei der Produktgruppe "Bed" schon im Vorfeld ein Wachstum auf Ausstellerseite gezeigt. Das Angebot der hochwertigen Schlafwelten in Halle 11 wurden darüber hinaus an vielen Ständen durch Accessoires und Dekoartikel ergänzt, wie etwa Lampen, Körbe oder Badartikel. Sie bieten Händlern interessante Möglichkeiten der Sortimentserweiterung. Im Trendspot Retail in Halle 11.1. konnten sich Fachhändler inspirieren lassen und konkrete Gestaltungsideen für die Präsentation der Produkte am POS finden.

Daneben suchten viele Fachbesucher gezielt auch nach grünen Themen und Produkten. Das Thema Nachhaltigkeit hat eine lange Tradition auf der Heimtextil und wird auch beim Endverbraucher immer relevanter. Unter dem Titel "Sustainability.Mindset.Responsibility" hält die Heimtextil ein umfassendes Angebot bereit, bestehend aus einem speziellen Ausstellerverzeichnis, dem "Green Directory", aus Messeführungen, den "Green Tours", sowie einem vielfältigen Vortragsprogramm im Umfeld des "Green Village", das als Präsentations-Areal darüber hinaus auch den Austausch mit Zertifizierern und unterschiedlichen Branchenexperten unterstützt. Zu den Themen in der "Speaker’s Corner", dem Vortragsareal des "Green Village" zählte unter anderem der Digitaldruck als Chance, ressourcensparend und ökologisch gerecht produzieren zu können.

Und natürlich kamen auch wieder Prominente auf die Messe, um ihre Kreationen vorzustellen. Zur Eröffnung erschien Model und Designerin Eva Padberg, außerdem gaben sich Harald Glööckler, Wolfgang Joop und Michael Michalsky die Ehre. "Die Heimtextil ist für mich als Designer äußerst interessant, zumal ich mir sehr gut vorstellen kann, neben Tapeten künftig auch Bettwäsche, Kissen und andere Heimtextilien zu kreieren", sagte Star-Designer Michalsky in Frankfurt. "Hier kann ich unmittelbar erleben, wie die Vermarktung der Produkte läuft und erhalte direktes Feedback auf meine Neuheiten."

Ob es mit den Heimtextilien etwas wird? Das können die Besucher im kommenden Jahr herausfinden. Die nächste Heimtextil findet vom 9. bis 12. Januar 2018 statt.

aus Haustex 02/17 (Wirtschaft)