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Imm Cologne

Die Welt der Stoffe auf der Imm Cologne

Alle zwei Jahre erhalten Textilien auf der Kölner Möbelmesse eine eigene Bühne. 2017 war es wieder soweit: Im Designformat Pure Textile waren die Top-Editeure der Stoffszene vertreten, um ihre Neuheiten zu zeigen.

Auf der Imm Cologne erhalten Wohntextilien eine eigenen Rahmen, um ihre Bedeutung für das Trendgeschehen im Einrichtungsbereich hervorzuheben. Seit 2011 kommen die Stoffverleger in Halle 3.2 zusammen, um ihre für die Einrichtungsbranche wichtigen Produkte zu präsentieren. Das alle zwei Jahre stattfindende Event Pure Textile ist mittlerweile zum integralen Bestandteil der Messe geworden. Mit schönen Bezugsstoffen und exklusiven Textilien für die Raumgestaltung wollen die Aussteller einen dekorativen Akzent setzen.

Neben Jab Anstoetz und Carlucci by Chivasso versammelten sich diesmal Zimmer + Rohde (und "eingeschmuggelt" Ado Goldkante, nicht in den Kreis der Editeure gehörend), Nya Nordiska, Sahco Hesslein, die Schweizer Verleger Création Baumann und Christian Fischbacher sowie Romo aus England unter dem Dach von Pure Textile. Zusammen bilden sie im High-End-Bereich die Vielfalt der dekorativen Stoffe ab, die für den Einrichtungs-Design-Kontext bedeutend sind. Darüber hinaus fanden sich sehenswerte Stoffe beispielsweise bei den Niederländern De Pleog und Kendix sowie bei Dickson-Constant aus Frankreich in Halle 11 und bei dem noch jungen Unternehmen Lysander in der 5.

Die individuell gestalteten und sehr unterschiedlichen Stände gruppierten sich rund um die zentrale Piazza der Halle 3.2, dem geselligen Treffpunkt. Die großen Markenunternehmen der Branche sorgten mit ihren Sortimenten und Neuheiten für eine emotional ansprechende Atmosphäre. Luftig, farbig, mit viel Transparenz und plastischen Effekten: Hier konnte man ins Einrichtungs-Träumen geraten. Spektakuläre Stoffe mit aufwändigen Stickereien oder dezentere Artikel mit einem hohen technischen Background - es gab für die Besucher viel zu (be-)greifen und zu entdecken.

Remo Röntgen, Geschäftsführer von Nya Nordiska, freute sich über die gute Resonanz. Den neuen Messeauftritt seines Unternehmens mit hohen, lichten Stoffbahnen gestaltete der Designer Sebastian Herkner. Röntgen: "Die Imm Cologne ist eine wichtige Messe für uns, mit nationalem und internationalem Publikum und hoher Besucherfrequenz. Wir wollen unsere Produkte raumbildend zeigen und eine leichte Architektur repräsentieren, die sich weit zurücknimmt." Das Design der neuen Kollektion ist klar skandinavisch. Seit 2016 entwickele ein neues Designteam die Produkte, erklärte Röntgen, "und so hoffen wir, mit Innovationen und gewohnter Kontinuität Erfolg zu haben."

Genutzt wurde das Designformat Pure Textile als Plattform für textiles Einrichten auch von Zimmer + Rohde. An dem eindrucksvollen Messestand herrschte lässige Opulenz: Farbgewaltige Kissen und spektakuläre Stoffe sollten an den französischen Landhausstil erinnern, zu eleganter Extravaganz ermutigen oder den Country Style repräsentieren. "Die in Frankreich produzierten Artikel der Kollektion erinnern an eine Marktszene in Dakar. Das ist unsere emotionalste Kollektion", erklärte Joachim Mangold vom Münchner Showroom des Unternehmens. Die handgewebte Seide mit aufwändiger Stickerei zeichnet ein ethnisches Ambiente. Als Trend sieht Mangold die wachsende Nachfrage nach emotionaleren Materialen: "Das korrespondiert mit dem anziehenden Trend zur Dekoration und zum Rückzug ins Häusliche. Das viel beschriebene Cocooning fängt jetzt erst an zu greifen."

Mediterranes Flair gab es am Stand von Carlucci by Chivasso: Die Kollektion ist eine Hommage an Italien mit Impressionen von Rom bis Mailand, von der Toskana bis nach Venetien. "Das moderne, geschäftige Leben findet sich darin genau so wie die klassische Opulenz", umriss Sales Manager Ulrich Sack die Kollektion aus dem Hause Jab Anstoetz. Grün- und Olivtöne dominieren, doch auch rote, pudrige und Rosévariationen sind zu finden. "Die stärksten Farben sind aber die Noncolours", so Sack. In raumhohen und halbtransparenten Qualitäten findet sich viel Leinen, mal mit mehr oder weniger Glanzakzenten, mal im angesagten Knitterlook. "Carlucci by Chivasso ist mit einem sehr guten Plus aus 2016 rausgegangen", erklärte Sack. "daran wollen wir 2017 nahtlos anknüpfen und hoffen, dass sich unser Eindruck von einer Erholung der Branche auch längerfristig bestätigt."

Textilien für Möbel, Polster, Wände und Fenster gehören zum wohnlichen Ambiente dazu. Sie bilden die Oberfläche und sprechen alle Sinne an - so auch die neue von Romo, inspiriert von der Malerei und anderen schönen Künsten des 18. bis 20. Jahrhunderts. Volkstümliche Stickereien, indische Ikat-Mustern und byzantinische Glasmosaiken wurden von den Designern neu gestaltet. "Elegant und mit aufwändigen Webtechniken oder Stickereien, unaufgeregt und naturig", wie es Julia Schäfer,

PR & Marketing, beschrieb. "Der Stil zeigt in eine folkloristische Richtung." Die Tendenz gehe zum Understatement mit Leinen und Naturfaser, aber auch der Glamour mit Wolle und Seide käme nicht zu kurz. Die verschiedenen Marken der Romo-Gruppe decken mit ihren Kollektionen das ganze Spektrum ab: von Villa Nova für die Einsteiger über die Objektkollektion bis hin zur Black Edition oder den Entwürfen von Mark Alexander. "2017 werden uns Blumen und Blüten weiter begleiten", so Schäfer. Samt sei ein großes Thema, mit kuscheliger Haptik für ein gemütliches Zuhause.

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Jab Anstoetz war mit einem eigenen Stand in Köln dabei und mit der Marke Chivasso.
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Dickson-Constant stellte in Köln seine Sunbrella Polsterstoffe vor, die sowohl in der Wohnung als auch Outdoor eine gute Figur machen.
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Hayo Stegehuis und Sascha Ebeler von De Pleog zeigten, was 2017 bereit hält: eine Melange of the Colours.

Zufrieden mit dem eigenen Auftritt innerhalb der Kölner Einrichtungsmesse war Edgar Aumüller: "Es war der richtige Schritt für die Editeure, nach Köln zu gehen. Textilien sind ein wichtiger Teil der Inneneinrichtung, deshalb gehören wir dort hin", bekräftigte der Geschäftsführer von Christian Fischbacher. Die Entscheidung für den Zwei-Jahres-Rhythmus der Stoffverleger hält er zwar für richtig, "jedoch ist die Frequenz auf der Messe bislang etwas zu gering." 2016 sei ein schwieriges Jahr für das Schweizer Familienunternehmen gewesen, "doch wir haben es gut überstanden." In der neuen Fischbacher-Kollektion finden sich Stoffe mit schöne Farbspielen und feinem Fall ebenso wie aufwändige Drucke und opulente, wertige Artikel.

Der Textilverlag Sahco präsentierte sich auf der Imm Cologne komplett neu: nicht mit unterschiedlichen Themen, sondern mit einer durchlaufenden Kollektion. "Der Raumausstatter soll frei entscheiden können, wie er die Produkte einsetzt", erklärte die Sahco-Mitarbeiterin am Messestand. Bei der grafischen Kollektion mit floralen Statements wurde viel Wert auf Qualität und eine hochwertige Grundware gelegt. Besondere Webtechniken sorgen für 3D-Effekte, die Haptiken kommen wertiger daher, der Mix verschiedener Materialen ermöglicht plastische Schrumpfeffekte. Bei den Farben sind Pastelle ein großes Thema, aber auch kräftigere Töne finden sich in der Kollektion, deren Artikel die Namen von kleinen Inseln tragen. Für 2017 bietet der Verlag keine Drucke an, nur Jacquards. Darüber hinaus wird die seit 20 Jahren andauernde Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Gestalter Ulf Moritz fortgesetzt.

"Wir freuen uns für 2016 entgegen dem Trend über ein bisschen Zuwachs", erzählte Daniela Hanz, Repräsentantin von Création Baumann. Die Schweizer Traditionsweberei mit Tochtergesellschaft in Dietzenbach wolle für 2017 mehr in die Wohnlichkeit gehen, nachdem einige Jahre der Fokus eher im technischen Bereich gelegen habe. "Das hat den Raumausstatter vielleicht manchmal etwas abgeschreckt, deshalb werden wir nun wieder dekorativer", erklärte Hanz. Sei ihr Unternehmen häufig als architekturlastig beschrieben worden, würden auf der Imm Cologne nun ansprechende Wohnsituationen gezeigt mit gemusterten und transparenten Stoffen, markanten Grundgeweben, blumigen Ornamente oder ausdrucksvollem Dessin.

Neben den großen Editeuren zeigten auch andere Anbieter ihre Neuheiten aus dem textilen Bereich. Dirk Snitko,Vertriebsleiter von Ado Goldkante, seit 2013 unter dem Dach von Zimmer + Rohde beheimatet, freute sich über ein gut abgeschlossenes Geschäftsjahr 2016 und glaubt: "Die Kunden haben das Vertrauen zu Ado zurückgewonnen." Die neue Kollektion sei positiv angenommen worden. Die Ziele für 2017: "Noch besser werden, den Service noch weiter verbessern und weiter investieren." Seit einem Jahr gibt es auch Bezugsstoffe im Programm: "Das läuft langsam, aber erfreulich an", so Snitko. Zuversichtlich schaue er auch auf das Objektgeschäft mit sieben neuen FR-Artikeln und mit 27 Neuheiten in Gardine und Deko in verschiedenen Themenwelten böten sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten.

"Seit fast 100 Jahren arbeiten wir bei De Ploeg an Ideen zum Wohnen, Leben und Arbeiten", erklärte Geschäftsführer Hayo Stegehuis. "Wir entwerfen, entwickeln und produzieren hochwertige Vorhang- und Möbelstoffe mit dem Blick auf die Welt um uns herum." Der Fokus liege auf gutem Design und natürlichen Materialien. "De Ploeg setze auf Stoffe, so wie sie früher gemacht wurden: Faden für Faden entwickelt und gewebt." Die Möbel- und Dekostoffe sind meist objekttauglich und zeigen sich in konsumigem Look. "Die Stimmung auf der Messe ist positiv", freute sich Stegehuis. Die Mischung aus deutschen und holländischen Besuchern sei vielversprechend und so starte 2017 "gefühlt besser als das letzte Jahr". Und 2016 sei mit einem Umsatzplus von 16 % zufriedenstellend gelaufen für De Ploeg. "Mit unseren Produkten aus den Entwicklungen der letzten zwei Jahre sind wir gut gerüstet." Neben dem großen Thema Akustik stünden besonders die weichen Möbelstoffe mit angenehmem Griff und guten Eigenschaften im Interesse. Die Farben 2017 sind pastellig oder pulverig. Verwaschene Blau- und Grüntöne sind zu finden, ebenso wie Rosé- und Graunuancen. "Der Trend - auch im Handel - geht zum Gesamtgefühl: Weiche Farben und weicher Griff", so Stegehuis.

Andreas Wulf von Lysander zeigte in Köln seine Fadenvorhänge, die er nun auch beidseitig bedrucken kann. "Wir haben erst Ende 2014 angefangen und sehen schon jetzt: Die Nachfrage ist da", gab er sich zuversichtlich.

Dickson-Constant war bereits zum zweiten Mal als Aussteller auf der Kölner Möbelmesse vertreten. Am Stand des französischen Textilproduzenten freute sich Vertriebsmitarbeiter Jan Lauhoff über eine "hervorragende" Resonanz auf die Polsterstoffe aus der aktuellen Kollektion der Marke Sunbrella. Die aus spinndüsengefärbtem Polyacryl gefertigten Gewebe werden seit Jahrzehnten im Outdoorbereich eingesetzt und nun vermehrt auch in Innenräumen. Das Programm, das auch die Produktlinie mit Streifen-Dessins und frühlingshaften Blattmotiven enthält, wurde zusammen mit dem Design und den 200 "Unlimited Colors" vorgestellt.

| antje.lueckingsmeier@snfachpresse.de

aus BTH Heimtex 03/17 (Wirtschaft)