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Das Handwerk wird digital

Das Handwerk setzt zunehmend auf Digitalisierung. Die Mehrheit der Betriebe ist offen für das Thema, aber viele haben Schwierigkeiten bei der Umsetzung einer Strategie. Immerhin betreiben 95 % eine eigene Webseite, so eine Studie des Digitalverbands Bitkom.


Die Digitalisierung der Wirtschaft hat auch das Handwerk erreicht. Mittlerweile verfügen 95 % der Betriebe über eine eigene Webseite, 58 % setzen Software für die Steuerung ihrer betrieblichen Abläufe ein und 25 % nutzen Technologien wie 3D-Drucker zur Herstellung von Ersatzteilen oder Tracking-Systeme für Maschinen und Werkstoffe. Das geht aus einer respräsentativen Untersuchung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) hervor.

"Handwerksbetriebe, die konsequent digitale Technologien einsetzen, gewinnen Zeit für ihre eigentliche Aufgabe: das Handwerk", sagt Bitkom Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte pflichtet ihm bei und betont: "Wir helfen unseren Betrieben dabei, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen."

Digitalisierung als Chance erkannt

Das Interesse daran ist bereits groß. Nach der Umfrage unter 504 Handwerksbetrieben in Deutschland sagten 81 %, dass sie generell aufgeschlossen gegenüber dem Thema Digitalisierung sind, gut zwei Drittel (69 %) nehmen diese als Chance wahr. Den größten Vorteil sehen Handwerker derzeit in der optimierten Lagerung und Verteilung von Betriebsmitteln (91 %).

Dachdecker können beispielsweise ein Haus mit einem 3D-Scanner ausmessen, mittels Datenanalyse die genaue Anzahl der notwendigen Dachziegel bestellen und zum richtigen Zeitpunkt an die Baustelle liefern lassen. Dadurch reduzieren sich die Kosten, weil die Ziegel kürzer gelagert werden, weniger Reste anfallen und der Arbeitsaufwand sinkt. Mit einer intelligenten Software kann auch der Einsatz der Mitarbeiter geplant werden. Wie Bitkom und der ZDH auf Basis der Umfrage mitteilten, sehen 81 % der Betriebe Zeitersparnis als wichtigen Vorteil digitaler Anwendungen im Handwerk. Eine flexible Arbeitsorganisation nennen 78 % der Befragten.

Dennoch kommen digitale Anwendungen noch längst nicht allen Handwerksbetrieben zum Einsatz. Nach den Ergebnissen der Untersuchung verwendet nur jeder zehnte Betrieb Tracking-Systeme, mit denen zum Beispiel Lagerbestände von Werkstoffen ermittelt und Lieferwege am Computer verfolgt werden können. Lediglich 9 % nutzen 3D-Drucker oder -Scanner. "Für Handwerksbetriebe lohnt sich die Zusammenarbeit mit IT- und Internetunternehmen, um die Potenziale digitaler Technologien auszuschöpfen", rät Rohleder. Bisher haben 18 % der Handwerksbetriebe eine Partnerschaft mit Unternehmen aus der Digitalwirtschaft geschlossen.

Software vor allem fürs Büro und die Verwaltung

Digitale Kommunikation: Die eigene Website ist Pflicht

Mehr als die Hälfte der Handwerksbetriebe (58 %) hat Teile seiner Büro- und Verwaltungsarbeiten digitalisiert und nutzt spezielle Software. So kann ein Kunde den Auftrag für das Verlegen eines neuen Bodenbelags vor Ort auf dem Smartphone des Handwerkers unterschreiben. Mit Hilfe einer Software für das Management von Kundenbeziehungen (CRM) wird der Auftrag erfasst und digital archiviert. Eine CRM-Software ist bereits in 46 % der Betriebe im Einsatz. Die Rechnung wird später per E-Mail versendet.

Ein Programm zur Planung und Steuerung von Unternehmensressourcen (ERP-Software) verwenden 12 %. Damit wird zum Beispiel der Auftrag für den Badezimmerboden per Computer an einen Fliesenleger gesendet. Die benötigten Fliesen werden online beim Großhändler bestellt und zum gewünschten Zeitpunkt zur Baustelle geliefert. Mit einem CAD-Programm könnte beispielsweise ein Tischler auf seiner Webseite einen 3D-Konfigurator für Möbel anbieten, mit dem der Nutzer passgenaue Tische, Regale oder Schränke entwerfen und bestellen kann.

Nahezu alle Handwerksbetriebe (95 %) verfügen über eine eigene Webseite, 89 % sind in Online-Verzeichnissen wie Google Maps, Gelbeseiten.de oder werliefertwas.de zu finden. 26 % nutzen Soziale Netzwerke für die Kommunikation mit den Kunden. Nach der Umfragen schalten 16 % Werbung im Internet. Jeder zehnte ist auf Plattformen wie Myhammer, Treatwell und Ebay Kleinanzeigen vertreten.

Unterstützung bei der Umsetzung

Noch haben viele Handwerksbetriebe Schwierigkeiten, eine Digitalisierungsstrategie zu entwickeln und umzusetzen. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 %) sagt, dass die Digitalisierung für sie eine große Herausforderung darstellt. 29 % haben Probleme, sie zu bewältigen und fast ein Viertel (23 %) gibt sogar an, die Existenz des Betriebes als Folge der Digitalisierung gefährdet zu sehen. "Umso wichtiger ist es, Hilfe anzunehmen, sich beraten zu lassen und in digitale Lösungen zu investieren", meint Rohleder. Externe Unterstützung sei auch deshalb von Bedeutung, weil das Handwerk unter einem Mangel an Mitarbeitern mit Digitalkompetenz leide.

Bitkom und ZDH helfen dem Handwerksbetrieb bei der Digitalisierung. Fragen rund um die Digitale Transformation beantwortet Bitkom auf der Mittelstands-Tour (www.mittelstand-tour.de). Der ZDH hat das Projekt "Kompetenzzentrum digitales Handwerk" (www.handwerkdigital.de) initiiert.

aus BTH Heimtex 05/17 (Handwerk)