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GD Holz: 42. Holzhandelstag mit Rekord von über 260 Teilnehmern

Der Holzhandel auf der Überholspur


Wer nicht beim 42. Holzhandelstag in Leipzig zugegen war, hat etwas verpasst: Die Veranstaltung erzielte dank parallel stattfindender Gesellschafterversammlungen von Holzland und Holzring nicht nur einen neuen Teilnehmerrekord, selten strömten auch so viele Macher und Meinungsbildner aus Holzhandel und Industrie zusammen. Ein abwechslungsreiches Programm, das den Bogen von Mitarbeiter-Rekruktierung bis zur digitalen Transformation spannte, bot fachlichen Input.

Volles Haus im Leipziger Penta-Hotel.: Mit über 260 Teilnehmern erreichte der diesjährige Holzhandelstag des GD Holz die höchste Frequenz seit mehr als zehn Jahren. "Zum ersten Mal haben wir die Veranstaltung mit den Gesellschafterversammlungen von Holzland und Holzring koordiniert und dadurch diese sehr gute Beteiligung erreicht", freute sich GD Holz-Vorstandsvorsitzender Jürgen Klatt sichtlich bei der Begrüßung.

Zu guter Stimmung verhilft dem Holzhandel auch die Geschäftsentwicklung. Das Baukonjunktur-Hoch beflügelt die Umsätze. Nach einem Plus von 3 % im vergangenen Jahr hat der Schub in den ersten fünf Monaten 2017 zwar etwas nachgelassen, doch konnten ein gutes erstes Quartal (+ 3 %) und ein starker März den feiertagsbedingten schwachen April mehr als kompensieren, so dass unter dem Strich per 31. Mai ein erneuter Zuwachs von 2 % erzielt werden konnte - auch preisgetrieben, wie Klatt anmerkte. Überdurchschnittlich zugelegt haben dabei die Warengruppen Fußböden, Bauelemente und Holz im Garten. Die Volumensortimente Schnittholz, Hobelware und Holzwerkstoffe erreichten die Vorjahreswerte. Allerdings resultieren die Erlössteigerungen nur aus dem Großhandel; der Einzelhandel musste ein leichtes Minus hinnehmen.

Der positive Trend hält nach Einschätzung des GD Holz weiter an. Diese Zuversicht begründet sich im anhaltenden Wirtschaftswachstum (+ 1,7 % in diesem Jahr, 2018 sogar +2,8 %), den weiterhin niedrigen Zinsen, der sehr guten Beschäftigungslage und der florierenden Bauwirtschaft "Zwar ist nicht verständlich, warum die Baugenehmigungen so stark rückläufig sind", sagte Klatt, gab jedoch auch gleich Entwarnung, "doch ist noch ein riesiges Polster vorhanden". Aber der Holzhandel hat seiner Meinung nach zu wenig vom Bauboom profitiert. Vor allem im sich positiv entwickelnden Holzbau sieht er noch ein großes Potenzial: "Wir müssen die Vorteile noch mehr herausstellen." Das versucht der Verband bereits auf politischer Ebene, etwa bei parlamentarischen Treffen.

Lösungen für das Personalproblem

Und es gibt noch mehr Themen, die dem Holzhandel unter den Nägeln brennen. Eins der drängendsten ist unverändert die Personalfrage. "Die Herausforderung, gute Mitarbeiter zu halten oder zu finden, wird immer größer", stellte Klatt fest. Eine der wichtigsten Aufgaben des GD Holz sei daher eine entsprechende Branchenkampagne, "aber auch jeder einzelne Betrieb ist gefragt, Aktivitäten zu entfalten." Einige Anregungen vermittelte der HR-Experte Dr. Matthias Meifert in seinem Vortrag "Rennen um die Besten" (mehr dazu auf Seite 105).

Der Verband selbst bietet mit seinem E-Learning-Programm in Zusammenarbeit mit Holzland und Holzring ein Instrument zur fachlichen und vertrieblichen Weiterbildung. "Alle reden davon, dass sie qualifizierte Mitarbeiter brauchen. Dies ist eine Möglichkeit der Qualifizierung", betonte GD Holz-Geschäftsführer Thomas Goebel. Das Modul Türen ist just im August fertiggestellt worden, das Modul Fußböden soll bis Ende des Jahres folgen.

Tue Gutes und rede darüber

Neu aufgesetzt worden ist zudem das Infoportal "Holz vom Fach" für Verbraucher. 2016 hat der Verband dort 150.000 Zugriffe registriert; "das ist noch steigerungsfähig", sagte Klatt selbstkritisch. Gut unterwegs ist der Verband seiner Ansicht nach in Sachen Nachhaltigkeit, Umwelt und Zertifizierung, kommuniziere das jedoch zu wenig nach außen. Hier gibt es noch Nachholbedarf: "Tue Gutes und rede darüber".

Der GD Holz-Präsdient selbst will seine "letzte Runde" im Amt - 2018 finden Vorstandswahlen statt - dazu nutzen, "noch einiges anzuschieben": "Ich habe noch einiges vor und möchte ein bestelltes Haus hinterlassen."

Nach neuem Bauvertragsrecht nun auch Reform der Insolvenzanfechtung

GD Holz Gesamtverband Deutscher Holzhandel e.V.
Volles Haus: Über 260 Teilnehmer aus Handel und Industrie sorgten in Leipzig für den bestbesuchten Holzhandelstag seit mehr als zehn Jahren.
GD Holz Gesamtverband Deutscher Holzhandel e.V.
Umsatzanteile der Warengruppen am Gesamtumsatz Holzhandel gewichtet

Geschäftsführer Thomas Goebel gab einen überblick über das, was den Verband im vergangenen Jahr und aktuell beschäftigt und bewegt. Als Erfolg erwies sich der eigene Messestand auf der Münchner Bau, der nicht nur über 300 Kontakte einbrachte, sondern auch zwei neue Mitglieder und ein neues Fördermitglied. 2019 sei daher wieder eine Teilnahme an der Messe geplant, dann als Gemeinschaftsstand zusammen mit dem DHWR (Deutscher Holzwirtschaftsrat).

Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Wertschöpfung sind die übergeordneten Ziele der im April 2017 vorgestellten "Charta für Holz 2.0" des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung. Sie zielt darauf ab, mehr Holz aus nachhaltiger (heimischer) Forstwirtschaft zu verwenden. Ende Juni haben sich sechs Arbeitsgruppen konstituiert, die den Charta-Prozess maßgeblich mit vorantreiben sollen. Mitglieder der übergeordneten Plattform "Forst & Holz/Wirtschaft" sind unter anderem DHWR-Präsident Xaver Haas (Haas-Group), Thomas Goebel und Kamila Sösemann (HDH).

Neben der Reform des Bauvertragsrechts (Wir haben darüber ausführlich in Parkett Magazin 3/2017 berichtet) ist am 5. April 2017 die Insolvenzanfechtungsreform in Kraft getreten. Bei der nachträglichen Anfechtung von Insolvenzen sollen Gläubiger und betroffene Arbeitnehmer besser geschützt werden, unter anderem durch die Verkürzung des Rückforderungszeitraums von zehn auf vier Jahre. Goebel: "Weiterhin anfechtbar bleiben inkongruente Deckungshandlungen (wenn ein Gläubiger bevorzugt behandelt wurde, Anm. d. Redaktion), privilegiert bleiben Bargeschäfte, Zwangsvollstreckung und Zinsen."

GD Holz richtet Schlichterstelle ein

"Wie erhalten wir zu viel gezahltes Geld für unsere Lkw zurück?" Das war laut Goebel eines der Themen, auf das der GD Holz am häufigsten angesprochen worden ist. Hintergrund ist das Lkw-Kartell von Daimler, Iveco, DAF, Volvo/Renault und MAN, die gegenüber der EU eingeräumt hatten, seit 1997 regelmäßig Absprachen getroffen zu haben. Vier der fünf Konzerne waren daraufhin zu einer Rekordstrafe von fast 3 Mrd. EUR verurteilt worden - bis auf Kronzeuge MAN. Nun rollt eine Welle von Schadensersatzforderungen von Haltern auf die Hersteller zu. Für weit über 1 Mio. Fahrzeuge sollen überhöhte Preise bezahlt worden sein. Goebel benannte zwei Möglichkeiten, um eventuell zumindest einen Teil-Ausgleich zu erreichen: "Factoring oder die Ansprüche juristisch durchsetzen." Zugleich warnte er vor zu hohen Erwartungen: "Beim Factoring sind die Forderungen nicht wirklich belastbar" und die gerichtliche Auseinandersetzung sei auch nicht einfach. Zumal die Beweislast bei den Klägern liegt. Mögliche Ansprüche aus 2002 verjähren übrigens Ende 2017.

Apropos gerichtliche Auseinandersetzung: Der GD Holz will eine neutrale Schlichterstelle für die Branche einrichten: "Das ist gut für das Image, und außergerichtliche Einigungen können Kosten sparen."

Mammuttreffen der
Holzbranche in Köln

Schon im November steht das nächste Mammuttreffen der Holzwirtschaft an: der Branchentag in Köln vom 14. bis 15. November. Knapp 190 Aussteller präsentieren sich in Halle 8 der Kölner Messe auf einer Fläche von 6.500 m2, rund 3.000 Besucher werden erwartet. Zentral mittendrin platziert ist die Speaker’s Corner. Höhepunkte des Rahmenprogramms sind die Verleihung des "Woody Award" und die Entscheidung des Azubi-Wettbewerbs. Die Abendveranstaltung findet erstmals nicht außerhalb statt, sondern in der Messehalle in einer eigens für diesen Abend zu errichtenden Location in Form eines Kubus aus Fichte-Konstruktionsvollholz.

Nachdem sich die Gemeinschaftstagung mit Holzland und Holzring als Erfolg erwies, liebäugelt der GD Holz mit einer Wiederholung im Jahr 2019. Im nächsten Jahr sind der Verband und seine Mitglieder aber zunächst wieder unter sich: Vom 6. bis 8. Juni 2018 in Berlin. Einer der der wesentlichen Punkte auf der Agenda werden dann die Vorstandswahlen sein.
Claudia Weidt

aus Parkett Magazin 05/17 (Wirtschaft)