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Eurobaustoff: Gesellschafterversammlung 2017 in Dortmund

Übergabe des Staffelstabs


Die Gesellschafter der Eurobaustoff hatten ihre diesjährige Zusammenkunft zu Ehren des scheidenden Vorsitzenden der Geschäftsführung nach Dortmund verlegt: Die Gesellschafterversammlung 2017 stand ganz im Zeichen des Wechsels von Ulrich Wolf auf Dr. Eckard Kern. Erst wenige Wochen im Amt, umriss dieser die wesentlichen Zukunftsfelder der Kooperation, allen voran die digitale Transformation des Handels.

Vor mehr als 90 % der stimmberechtigten Gesellschafter eröffnete der Aufsichtsratsvorsitzende Boy Meesenburg die diesjährige Gesellschafterversammlung der Eurobaustoff-Handelsgesellschaft in Dortmund. Bereits am Abend zuvor hatten sich die Teilnehmer bei einem gelungenen Get-together im Iduna-Park-Stadion auf die dreitägige Zusammenkunft eingestimmt. In seinem Grußwort berichtete Michael Hölker, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel, zunächst über die aktuelle Verbandsarbeit und zeigte auf, wie groß die Präsenz der Eurobaustoff-Gesellschafter im Verband ist.

Eurobaustoff-Geschäftsführer Jörg Hoffmann ging noch einmal auf das Geschäftsjahr 2016 ein, in dem die Zentrale ihr Einkaufsvolumen mit einem Plus von fast 4,6 % gegenüber dem Vorjahr auf 5,85 Mrd. EUR gesteigert hatte. Das Bonusvolumen je Gesellschafter entwickelte sich nahezu in gleichem Rahmen. Und auch die 100%ige Tochtergesellschaft Infokom vermeldete ein leichtes Plus bei ihren Erlösen. Die Zahl der Gesellschafter bezifferte Hoffmann per Ende Mai auf 470 Unternehmen mit insgesamt 1.542 Standorten.

Noch besser laufen die Geschäfte der Handelsgesellschaft bislang in diesem Jahr: Erstmals erreichte das Einkaufsvolumen mit einem Plus von 5,2 % bereits nach sechs Monaten die 3 Mrd. EUR-Grenze. Bis zum Jahresende sei die Marke von 6 Mrd. EUR "sicher zu erreichen", da erfahrungsgemäß das Einkaufsvolumen in der zweiten Jahreshälfte höher liege.

Digitale Transformation als
ganzheitliche Aufgabe

Beherrscht wurde die Gesellschafterversammlung in diesem Jahr von der Übergabe des Staffelstabs in der obersten Führungsriege: Am 1. August übernahm Dr. Eckard Kern den Vorsitz der Geschäftsführung von Ulrich Wolf, der nach zwölf Jahren erfolgreicher Arbeit für die Kooperation seinen Posten räumte und Ende des Jahres aus Altersgründen aus dem Unternehmen ausscheidet. Dr. Kern war bereits seit April 2017 als Geschäftsführer und designierter Nachfolger Wolfs in der Zentrale tätig. Jörg Hoffmann und Hartmut Möller bilden mit ihm das neue Geschäftsführungstrio.

In Dortmund war der erste Auftritt von Dr. Eckard Kern dementsprechend mit Spannung erwartet worden. "Für mich ist diese Arbeit die logische Fortführung meiner Tätigkeit im Handel und in der Industrie", sagte der 49-Jährige, der bis April 2015 Geschäftsführer bei Villeroy & Boch Fliesen und danach als Unternehmensberater tätig war. Obwohl erst seit Kurzem in der Geschäftsführung, umriss er klar die Themen, die ihn von nun an fordern werden: "Zwei Themen stehen ganz oben auf der Agenda: die Digitalisierung unserer Geschäftsprozesse und die logistischen Herausforderungen. Um die Erfolgsstory von Ulrich Wolf fortschreiben zu können, müssen wir natürlich auch nach neuen Wachstumspotentialen Ausschau halten". Eine Gefahr macht er auf der Lieferantenseite aus: "Wir rechnen damit, dass auch künftig der eine oder andere Lieferant versuchen wird, den bewährten dreistufigen Vertriebsweg aufzuweichen. Da müssen wir sehr wachsam sein. Je mehr Solidarität und Verbindlichkeit wir innerhalb unserer Gemeinschaft haben, desto besser wird uns dies gelingen".

Holzland GmbH
Standing-Ovations zum Abschied: Ulrich Wolf hat die Geschicke der Eurobaustoff zwölf Jahre erfolgreich geleitet.
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Dr. Eckard Kern: "Zwei Themen stehen ganz oben auf der Agenda: die Digitalisierung unserer Geschäftsprozesse und die logistischen Herausforderungen."

Mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung benannte Kern auch konkrete Maßnahmen: "Die digitale Transformation einer Branche oder einer Kooperation kann nur ganzheitlich angegangen werden. Deshalb haben wir vor wenigen Tagen ein bereichsübergreifendes Projektteam zusammengestellt." Dazu gehören die Bereiche Datenmanagement, IT, Marketing und Ware. Ein Projekt, das bereits bearbeitet wird, ist der Master-Klon-Shop. "Andere Themen, um die wir uns im Team unbedingt kümmern müssen, sind die digitale Ausstellung, digitale Planungs- und Gestaltungstools sowie das B2B-Profi-Portal."

Ulrich Wolf sagt Servus

Mag dem neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung in Bad Nauheim für sein künftiges Handeln so viel Erfolg beschieden sein wie seinem Vorgänger. Im Jahr 2005 hatte Ulrich Wolf seine Tätigkeit bei der Eurobaustoff nur wenige Monate nach der Fusion der ehemaligen Kooperationen Interbaustoff und Interpares-Mobau mit der Integration sehr unterschiedlicher Händler-Charaktere aufgenommen. Er forcierte die Expansion im deutschsprachigen Ausland sowie die Internationalisierung mit den österreichischen Bauwelt-Gesellschaftern, der niederländischen Timber & Building und 13 Baustoffhändlern in der Schweiz. Insgesamt konnte unter seiner Ägide das Einkaufsvolumen in der Zentrale fast verdoppelt werden - auf nunmehr 6 Mrd. EUR.

In Dortmund hielt Wolf eine sehr persönliche Abschiedsrede: "Sie werden von mir heute nicht hören, was gut und was weniger gut war. Ich spreche auch nicht über zukünftige Themen der Kooperation oder unserer Branche. Das habe ich lange genug, aber auch sehr gerne getan. Heute möchte ich einmal mein Herz sprechen lassen." Der scheidende Geschäftsführer ließ Stationen seiner Karriere Revue passieren, vor allem die Zeit bei der Eurobaustoff: "Ich musste für mich lernen, dass ich bei einigen Kooperationsentscheidungen nicht Everybodys Darling sein kann. So lag es in der Natur der Sache, dass ich mir auch das ein oder andere symbolische blaue Auge geholt habe. Ich musste akzeptieren, dass der Umsetzungsgrad bei unseren Gesellschaftern maximal 50 % beträgt"

Zu guter Letzt gab Wolf in Dortmund einen Ausblick auf seinen "aktiven Unruhestand": "Ich werde keine Bücher über mein Leben im Baustoffhandel oder die Kooperationsarbeit schreiben und auch keine neue Kooperation gründen, denn es gibt keine bessere als die Eurobaustoff." Vielmehr wolle er mit seiner Frau die Zeit nutzen, Zeit mit den Enkelkindern verbringen - und sich neben Hobbys wie Golfen und Reisen auch weiterhin seinem Ehrenamt bei der Wittener Tafel widmen.
Imke Laurinat

aus Parkett Magazin 05/17 (Wirtschaft)