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ZVPF-Sachverständigentag in Kassel

Tangierende Gewerke verstärken die Zusammenarbeit


Um sich über die jüngsten Entwicklungen im Sachverständigenwesen auszutauschen, kamen auf dem Sachverständigentag 2017 in Kassel mehr als 170 Experten der Zunft zusammen. Neben dem Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik (ZVPF) waren auch tangierende Gewerke wie der Bundesverband der vereidigten Sachverständigen für Raum und Ausstattung (BSR) sowie der Bundesverband Estrich und Belag mit von der Partie.

In Kassel betonte ZVPF-Bundesinnungsmeister Peter Fendt den Wunsch der Parkett- und Bodenleger, sich verstärkt mit anderen Gewerken austauschen zu wollen. "Es gibt genug strittige Themen". Eberhard Schübel, Fachbereichsleiter Boden im BSR, unterstützt die Gemeinsamkeit: "Wir sind eine ideale Schnittstelle zum Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik. Allein erreichen wir wenig, zusammen aber viel".

Einen Sieg habe man schon bezüglich der Ein- und Ausbaukosten im Reklamationsfall erlangt, erklärte Fendt, auch wenn die Frage der AGB-Festigkeit noch bleibe. "Den Erfolg schreibt sich zwar der ZDH auf die Fahnen, aber gemacht haben wir es". Sogar in Sachen Neuauflage der Meisterpflicht hält Fendt das letzte Wort noch nicht für gesprochen. Man müsse die Politik unterstützen. Leider sei der ZDH in dieser Sache gespalten, da manche Gewerke nicht mehr in Anlage A zurück wollten. Erfolgreiche Lobbyarbeit können aber nur Verbände leisten, die von engagierten Mitgliedern leben. Fendt appellierte: "Helfen Sie uns. Heute wird sehr viel Normung in Brüssel entschieden, da kommt eine Menge an Servicezwängen auf uns zu. Erste Stimmen stellen sogar schon in Frage, ob unsere VOB europaweit zu halten ist. Wenn alles aufgeweicht wird, müssen wir dagegenhalten."

Ein abgeschlossenes Thema sind die Qualitätsanforderungen an die Ebenheit von Untergründen für Parkettarbeiten nach DIN 18356 und Bodenbelagarbeiten nach DIN 18365. Stets heikel bleibt jedoch die Frage der Prüf- und Hinweispflichten. Sachverständigen-Obmann Manfred Weber stellte beispielhaft zur Diskussion, ob ein Bodenleger seinen Auftraggeber darauf aufmerksam machen solle, dass Vinylbeläge auf Sonneneinstrahlung reagieren können. "Dann gerät vielleicht sogar Sonnenschutz für uns zum Arbeitsbereich", so Weber. Und auch wenn der Parkettleger ein Problem der Vorgewerke erkennt, müsse er als Handwerker eigentlich darauf hinweisen. Allerdings könne es unter juristischen Aspekten klüger sein, sich mit vermeintlicher Kenntnis nicht nach außen zu wenden, um nicht in Haftung verstrickt zu werden.

Feuchtigkeit und andere Schadensursachen

BVPF Bundesverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Peter Fendt kritisiert die EU-Preiskonkurrenz: "Ein Handwerker aus Ungarn kann in Deutschland arbeiten, muss aber nicht in unser Kammersystem einzahlen und hat dadurch einen Wettbewerbsvorteil."

Allgemeine Zustimmung unter den Tagungsteilnehmern fanden sogenannte Blitzvorträge: Neun eingereichte Vorträge wurden in jeweils 15 Minuten knapp und präzise abgehandelt. Beteiligt waren außer Sachverständigen auch Vertreter der Industrie. Überwiegend handelte es sich um die Beschreibung von Schadensfällen (mehr dazu in der nächsten Ausgabe von Parkett Magazin). Erwartungsgemäß war Feuchtigkeit im Untergrund ein beherrschendes Thema. Apropos Feuchtemessung: Ein Forschungsprojekt der Berliner Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) will dazu neue Erkenntnisse gewinnen. Manfred Weber: "Wir möchten die CM-Messung nicht in Misskredit bringen, aber vielleicht haben wir in fünf Jahren ein neues Gerät, das die Feuchte auf jeder Art von Estrich zuverlässig bestimmen kann".

Ein anderes Problem sind Deckschichtablösungen bei Mehrschichtparkett. "Wir werden eine neue Welle an Delaminierungen erleben", prognostizierte Weber. Deshalb will er den Austausch von Fachleuten forcieren, die Deckschichtablösungen untersuchen: "Wir wollen Erkenntnisse bündeln, damit wir die guten von den schlechten Parkettböden unterscheiden können". Das dürfte nicht nur Sachverständige interessieren. Ein Blog auf der Website www.dsvt.de hält über aktuelle Ereignisse auf dem Laufenden. Außerdem bietet die kürzlich gelaunchte Internetpräsenz der Sachverständigen unter anderem den Download von Merkblättern und Informationen zu relevanten Gerichtsurteile.

Schlussendlich hatten die versammelten Sachverständigen in Kassel Gelegenheit, sich in den Pausen Ratschläge und Produkthinweise einzuholen von Firmen wie Bona, Wakol, Loba, Pallmann, Drüsedau, Botament, FG Maschinenbau, Uzin Utz, Stauf, MKS Funke, Radtke, Murexin und Bauwerk.Henrik Stoldt

aus Parkett Magazin 05/17 (Wirtschaft)