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"Räumliche Gegebenheiten und Bedürfnisse individuell betrachten"


Moderne Architektur mit ihren großen schallharten Flächen braucht Textilien für eine angenehme Raumakustik, sagt Eliane Ernst. Die Produktmanagerin bei Création Baumann erklärt, worauf bei der Entwicklung der Stoffe und der Ausstattung der Räume geachtet werden muss.

Das Thema Akustik spielt für Architekten und Planer eine zunehmend bedeutende Rolle. In Zeiten der New Work-Philosophie sind offen gestaltete Bürolandschaften ein Megatrend. Multifunktional genutzte Bereiche in großen Räumen verdrängen zunehmend den fix installierten Arbeitsplatz und gehen damit auf die heutigen Bedürfnisse ein. Die Tendenz zu offenen Grundrissen, die flexibel genutzt werden sollen, lässt sich generell im öffentlichen und halb-öffentlichen Raum beobachten. So zum Beispiel im Gastgewerbe und in Räumlichkeiten, die für Veranstaltungen genutzt werden. Dieser Trend setzt sich auch in den eigenen vier Wänden fort: Der Wunsch nach großzügig gestalteten Wohnbereichen, die ineinander verschmelzen, und bodentiefen Fenstern nimmt stetig zu.

Die zeitgemäße Architektur bringt allerdings raumakustische Probleme mit sich. Dabei spielt der Schall eine entscheidende Rolle. Geräusche können sich nahezu ungehindert in den offenen Räumen ausbreiten und prallen auf undurchlässigen Flächen ab. Dabei entsteht ein Echo - ein langer Nachhall, der oft als unangenehm empfunden wird und sich negativ auf die Sprachverständlichkeit auswirkt.

Diesem Problem kann mit Hilfe von funktionalen, schallabsorbierenden Textilien entgegen gewirkt werden: So lässt sich der Raumklang steuern, die Nachhallzeit verkürzen und die Akustik deutlich optimieren. Vorhänge dienen zum Beispiel als flexibler Raumteiler, um kurzfristig Besprechungszonen einzurichten. Damit bleibt die Geräuschkulisse hörbar, ist aber deutlich gedämpft und zugleich wird ein Sichtschutz geschaffen.

Grundsätzlich müssen die räumlichen Gegebenheiten und jeweiligen Bedürfnisse ganz individuell betrachtet werden. Die akustische Eignung eines Raumes, kurz die Hörsamkeit, wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu zählen die Raumhöhe, das Mobiliar, bau-akustische Elemente wie Decken und Wände sowie die anwesenden Personen. So können auch textile Wandbespannungen oder mit Stoff bezogene Sitzgelegenheiten und Kissen zur Verbesserung der Raumakustik beitragen.

Im Objekt spielen neben der Akustik auch Optik und Sichtschutz eine Rolle. Im Berner Büro von Ernst & Young zeigt ein Teil der transparenten Stoffe auf Kundenwunsch großflächige Sportmotive. | Foto: Philipp Zinniker, Bern
Bei der Renovierung des Pestalozzischulhauses Aarau wurde
die Stuckdecke der Aula freigelegt und die Wandflächen mit schallabsorbierendem Textil bespannt. | Foto: Reinhard Zimmermann, Baar
Die Autorin: Eliane Ernst ist als Produktmanagerin verantwortlich für die Objektkollektion bei Création Baumann.

Um ideale akustische Voraussetzungen zu schaffen, ist es in den meisten Fällen ratsam, möglichst frühzeitig einen Akustiker oder Bauphysiker in die Planung mit einzubeziehen. Der Experte misst die akustischen Eigenschaften von Räumen und Bauteilen und berechnet so u.a. die Optimierung der Nachhallzeit. Création Baumann stellt technische Datenblätter und entsprechende Prüfzeugnisse seiner Produkte zur Verfügung. So lässt sich genau beurteilen, welche akustisch wirksamen Textilien für das individuelle Projekt am besten geeignet sind.

Bei der Entwicklung von innovativen Stoffen gilt es, sich sehr stark an der Architektur zu orientieren. Ebenfalls ist eine enge Zusammenarbeit mit den Gestaltern wichtig, um Bedürfnisse richtig interpretieren zu können und dabei das Marktwissen in die Überlegungen einfließen zu lassen. Neben der Funktionalität spielt auch die Ästhetik der Stoffe eine sehr wichtige Rolle.

Ein gutes Beispiel dafür ist unser ab kommendem Januar erhältliche neue Textil Silent. Der Funktionsstoff bietet die höchstmögliche Schallabsorption und lässt dank einer farblich unterschiedlichen Vorder- und Rückseite zugleich sehr viel gestalterischen Spielraum. Création Baumann zeigt sich im Segment der Akustikstoffe als Pionier und hat vor gut zehn Jahren begonnen, explizite Akustik-stoffe zu entwickeln. Wir bieten inzwischen ein breites Sortiment an verschiedenen akustisch wirksamen Stoffen an, von transparent bis dicht und von uni bis mit kundenindividuell bedruckten Dessins. Mit einer weiteren Innovation, dem Acoustic Divider Vario, gelingt es nun erstmals, den Schall nicht nur zu dämpfen, sondern den Geräuschpegel zu reduzieren, also zu dämmen.

Eliane Ernst

aus BTH Heimtex 11/17 (Deko, Gardinen, Sonnenschutz)