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Lothar Zipse e. Kfm.

Ziro: Kundenreise nach Portugal – Auf den Spuren des Kork


Ziro ist überzeugt von Kork und dessen guten Eigenschaften und wirbt unermüdlich auch beim Handel für das Produkt. Damit dieser Kork besser gegenüber dem Endverbraucher argumentieren kann, lädt das Unternehmen regelmäßig Kunden nach Portugal ein, um ihnen den Ursprung und die Verarbeitung von Kork nahezubringen.

Für Zipse spielt Kork eine besondere Rolle. Der vielseitige, nachwachsende Rohstoff war maßgeblich am Aufstieg des 1980 von Lothar Zipse gegründeten Unternehmens beteiligt, das heute in zwei Geschäftsbereichen agiert - mit "Ziro - Welt der Böden" als Importeur und Bodenbelagsanbieter, sowie mit vier regionalen "Zipse Ausbau-Fachmärkten". 1983 begann Lothar Zipse mit dem Vertrieb von Korkprodukten (Korkklebeparkett, Dämmkork, Korkplatten, Rollenkork) und noch heute sind diese fester Bestandteil des umfangreichen Sortiments.

Im Markt hat es Kork trotz seiner unbestrittenen zahlreichen positiven Charakteristika in den letzten Jahren nicht ganz leicht gehabt. "Für viele Endverbraucher wirken Korkböden bieder und angestaubt", bedauert Lothar Zipse. "Die meisten haben noch die "Pinnwand-Optik" und Dumping-Preise von Baumärkten vor Augen und die gewaltige technische Weiterentwicklung nicht mitbekommen." Diese hat zum einen die Eigenschaften noch weiter verbessert, vor allem hinsichtlich Strapazierfähigkeit, Eindruckverhalten, Kratzempfindlichkeit und Farbechtheit, zum anderen sind die optischen und Designmöglichkeiten inzwischen nahezu unendlich - unter anderem dank des Digitaldrucks.

Neue Chancen für die Vermarktung

"Für den Fachhandel eröffnen sich damit neue Chancen, Korkböden hochwertig und mit gutem Ertrag zu vermarkten", betont Lothar Zipse. Sein Bruder Thomas Zipse, Ziro-Vertriebsleiter, sieht das genauso und verweist zusätzlich auf die Argumente Nachhaltigkeit, Ökologie und nachwachsender Rohstoff pro Kork. Aber: "Man muss das Produkt auch zeigen, in Ausstellungen und Musterflächen." Diese sind bereits auf kleiner Fläche zu realisieren. Mindestens genauso wichtig seien Produktkenntnisse und: "Kork muss man emotional verkaufen".

Dabei will Ziro seine Kunden aus dem Holz-, Baustoff- und Ökofachhandel sowie den einschlägigen Kooperationen unterstützen. Das geschieht durch aktuelle, marktgerechte Kollektionen, umfangreiches, professionelles Verkaufsförderungsmaterial und Schulungen am Firmensitz in Kenzingen. Darüber hinaus lädt das Unternehmen auch regelmäßig Kunden nach Portugal ein, besucht mit ihnen die dortigen Korkeichenwälder und die Produzenten von Korkböden und -dämmmaterialien, weil sie so einen anderen Zugang zu den Produkten erhalten. Denn: "Kork ist beratungsintensiv", sagt Thomas Zipse. Wenn man jedoch den Weg des Naturwerkstoffes von der Korkeiche bis zum fertigen Bodenbelag unmittelbar miterlebt, werden einem der Aufwand, der darin steckt und die Wertigkeit des Produkts stärker bewusst. Und man kann dies dem Endkunden besser vermitteln.

Auf Tuchfühlung mit Kork

Auch in diesem Jahr reisten ausgesuchte Kunden zusammen mit Ziro-Mitarbeitern aus dem Außen- und Innendienst, dem Einkauf und der Abteilung Technik & Qualität nach Portugal. Die Gastgeber, Einkaufsleiter Edgar Huber und Thomas Zipse, bescherten den Gästen eine hochinteressante, unvergessliche Reise. In den Korkwäldern im Alentejo erlebte die Gruppe die Korkernte. Traditionell werden alljährlich im Juni und Juli die Korkeichen per Hand mit der Axt geschält. Durch das trockene Klima lässt sich die Rinde leichter lösen. Für die Schäler ist die Arbeit bei heißem Sommerwetter unter sengender Sonne anstrengend, aber auch vergleichsweise lukrativ. Sie verdienen rund 100 EUR netto am Tag. Von dem Verdienst der zwei Erntemonate können sie und ihre Familien ein ganzes Jahr leben. Zum Vergleich: Das durchschnittliche monatliche Einkommen in Portugal bewegt sich um 800 EUR.

Mitten in den Korkwäldern, dicht an der Rohstoffquelle, liegt eins von zwei Werken von Amorim Isolamentos. Das Unternehmen gehört zur Dämmstoffsparte der Amorim-Gruppe. Hierher bezieht Ziro seine Dämmstoffe. Amorim Isolamentos zerkleinert und schrotet die Rohware - die kann übrigens auch recycelt sein, Kork ist recycelfähig und behält seine Dämmeigenschaften unverändert auch über Jahrzehnte - dann wird sie zu Platten verarbeitet oder auch Granulat verkauft. Beim Kork geht nichts verloren, alles wird verwertet. Selbst der Staub, der während des Prozesses entsteht, wird aufgefangen und zum Beispiel zum Aufsaugen von Öl genutzt.

Lothar Zipse e. Kfm.
Beste Stimmung: Kunden aus dem Holzhandel, dem Baustoffhandel und von Kooperationen erlebten mit dem Ziro-Team eine unvergessliche, perfekt organisierte Reise.
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Luxus mit ökologischem Anspruch: Das Ecork-Hotel im Alentejo. Das 4 Sterne-Haus mit Korkfassade ist für seine Umweltfreundlichkeit ausgezeichnet. Fassadenkork gehört auch zum Produktportfolio von Ziro.
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Edgar Huber und Carlos Manuel vor dem Rohmaterial. Jahresbedarf: 11.000t. Es wird vor der Weiterverarbeitung ein halbes Jahr draußen gelagert und der Witterung ausgesetzt. Dadurch fallen beim Schroten die Holzteile leichter ab.
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Beste Kontakte seit vielen Jahren: Edgar Huber, José Correia Neves, Gonçalo Neves und Thomas Zipse.
Lothar Zipse e. Kfm.
In Handarbeit werden 40 bis 60 kg Korkrinde pro Baum gewonnen. Das Abschlagen mit dem Beil erfordert größte Sorgfalt und Können, damit der Baum nicht verletzt wird.

Corkart überrascht mit ungewöhnlichen Gestaltungs- und Produktideen

In Vendas Novas residiert Corkart, 1987 von José Correia Neves gegründet, der sich mit Kork besonders fühlt, weil er einst in der damals größten portugiesischen Korkfabrik geboren wurde, die sein Vater führte. Das Familienunternehmen gilt als besonders kreativ und innovativ. Immer wieder stellt Corkart ungewöhnliche Gestaltungs- und Produktideen vor. Das Sortiment an Bodenbelägen zum Verkleben und für die schwimmende Verlegung ist breit gefächert; über Kork hinaus werden auf modernsten Anlagen auch Designbeläge unterschiedlicher Konstruktion gefertigt. Jüngst hat Corkart in eine neue Produktionslinie und eine Presse investiert, die 2018 den Betrieb aufnehmen sollen. Damit will man nicht nur die Kapazitäten erhöhen, sondern auch auf die wachsende Nachfrage nach Korkunterlagen reagieren. "Rollenkork ist immer noch ein gutes Geschäft", sagt Neves. Das ist aber noch nicht alles: Mit den neuen Anlagen wird erstmalig eine Produktionsbreite von 180 cm möglich.

Claudia Weidt


Ortstermin bei Amorim Isolamentos

Amorim Isolamentos gehört zur Dämmstoff-Sparte der Amorim-Gruppe und betreibt unter Führung von Carlos Manuel zwei Werke, eins davon direkt in den Korkeichenwäldern im Alentejo gelegen. Das Unternehmen fertigt Kork-Dämmplatten für Boden und Wand, auch als Sandwichprodukt mit Kokos, Fassadenkork, Korkgranulat- und schrot sowie Korkstaub zum Öl-Aufsaugen.


Ortstermin bei Corkart

Corkart feiert in diesem Jahr 30-jähriges Jubiläum. Das Familienunternehmen um den ideenreichen Gründer José Correia Neves - mit Tochter Catarina und Sohn Gonçalo ist bereits die nächste Generation aktiv - produziert mit über 140 Mitarbeitern hochwertige Bodenbeläge zum Verkleben und für die schwimmende Verlegung (Kork, Designbeläge mit PVC- und anderen Kunststoff-Oberflächen, Linoleum), auch mit wasserfesten Trägern, außerdem Wandbeläge, Möbelstoffe und technische Artikel aus Kork.

aus Parkett Magazin 06/17 (Marketing)