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Junge Meister: Parkettlegermeister Musa Mutlu, Augsburg



Für Parkettlegermeister Musa Mutlu ist sein Bestreben sich weiterzubilden im Glauben verankert. Zudem will der türkischstämmige Augsburger jungen Menschen in seinem Umfeld ein Vorbild sein und zur Ausbildung im Handwerk motivieren. Mit 33 hat er den Gesellenbrief erworben, anschließend den Meisterkurs absolviert und strebt nun eine Weiterbildung zum Betriebswirt oder Berufsschullehrer an.

Musa Mutlu ärgerte sich, wenn er immer wieder auf der Baustelle gefragt wurde: "Kannst Du das auch?" Jeder neue Kollege stellte dieselbe Frage. Selbstverständlich konnte er die ihm übertragenen Parkettarbeiten ausführen - auch ohne duale Ausbildung. "Lesen und Weiterbildung sind in den Glaubenssätzen des Koran verankert", betont der gläubige Moslem. Sein Wissen hatte er sich theoretisch über ein intensives Studium des Fachbuchs für Parkettleger angeeignet und in der Praxis unter Anleitung erfahrener Parkettlegermeister auf den Baustellen ergänzt.

Berufserfahrung ohne Lehre

Nach dem Hauptschulabschuss hatte Mutlu vergebens eine Lehrstelle in der Metallbranche gesucht. Schließlich kam er zu einem Bodenleger und fand mit Parkett seine Berufung. Der natürliche Werkstoff Holz begeisterte ihn. 2005 wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit.

Als Nachunternehmer für Bauträger verlegte er meist Mosaikböden oder Parkett im Fischgratmuster, auch massiv. Es gab praktisch keine Reklamationen, das Geschäft florierte. "Ich habe mir für meine Arbeiten Zeit genommen und ein sauberes Ergebnis abgeliefert, auch wenn es abends mal länger dauerte," beschreibt er sein Erfolgsrezept. Doch ohne Gesellenbrief wurde er nicht als Fachmann anerkannt. Das wollte Mutlu ändern, zumal er sich künftig von den großen Objekten mehr auf Privatkundschaft umstellen wollte.

Nachqualifizierung über Quali-Adapt

Mutlu meldete sich deshalb bei der Handwerkskammer für die Gesellenprüfung an. "Die ausgehändigten Papiere haben mich zuerst geschockt", gibt er ehrlich zu. Auf so ein breites Themenfeld war er nicht gefasst. Dazu brauchte er zusätzliche Vorbereitung. Sein Glück war, dass 2014 die bayerischen Handwerkskammern mit einem Pilotprojekt zur Nachqualifizierung starteten. Im "Quali-Adapt" konnten Handwerker, die lange ohne Ausbildungsvertrag im Beruf tätig waren, die Gesellenprüfung ablegen.

Ein halbes Jahr lang fuhr er dazu jedes zweite Wochenende von Donnerstag bis Samstag nach Bamberg zum Kurs. "Lehrgangsleiter Heinz Brehm hat uns ganz schön gefordert, aber auch sehr viel beigebracht", sagt Mutlu rückblickend. Das neue Wissen setzte er sofort auf der Baustelle um. "Besonders die neu gelernten Schneidetechniken brachten eine deutliche Zeitersparnis", freut sich der Parkettprofi.

Gemeinsam mit einem Kurskollegen meldete sich Mutlu anschließend zum Meisterkurs an. "Wir waren 16 Teilnehmer und jeder wollte sich beweisen - das spornte uns an", erzählt er. Die Gruppe tauscht sich noch heute per Whatsapp zu Fachthemen aus. Die Teile 3 und 4 des Meisterkurses absolvierte er dann in Vollzeit bei der HWK Augsburg.

Sein Nachname "Mutlu" bedeute der "Glückliche" und so fühlt sich der türkischstämmige Augsburger auch. Er sei glücklich, dass er lernen darf und seine Frau ihm dabei in der Familie den Rücken frei hält, sagte er gegenüber Parkett Magazin. Über eine weitere Qualifizierung zum Berufsschullehrer oder Betriebswirt im Handwerk hat er bereits nachgedacht. Auch Sachverständiger wäre eine Option, um sich ein zweites Standbein zu sichern, wenn der Körper der Belastung auf der Baustelle nicht mehr Stand hält. Jugendlichen in seinem Umfeld will er ein Vorbild sein und sie zu einer Ausbildung im Handwerk motivieren. "Mit einer Ausbildung erhält man ein fundiertes Fachwissen und als Handwerksmeister wird man künftig noch mehr gefragt sein", ist er überzeugt.

Der Meistertitel
wirkt nach außen

Seine Kreativität und Freude im Umgang mit dem Werkstoff Holz beweist Mutlu mit dem Design seiner Meisterplatte.
Werbung auf dem Firmenfahrzeug und im Internet bringt Mutlu neue Kunden im Privatbereich. Der Meistertitel ist dabei hilfreich.
Im Meisterkurs brachten konstruktiver Wettbewerb und freundschaftliche Hilfe alle ans Ziel. Noch heute tauschen sie sich per Whatsapp zu Fachfragen aus. Dritter von rechts: Lehrgangsleiter Heinz Brehm.
Im Quali-Adapt holte Mutlu seine Gesellenprüfung nach. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits neun Jahre als Parkettleger selbstständig, meist als Nachunternehmer für Objekteure.

Die Kundenstruktur hat sich wie geplant verändert. "Während ich früher zu 90 % als Nachunternehmer für große Firmen Parkett verlegt habe, bin ich jetzt zu 90 % bei Privatkunden unterwegs", berichtet Mutlu. Mit dem Meistertitel kann er jetzt auch auf seinem Auto werben. Neue Kunden kommen häufig über Mundpropaganda. Der Meistertitel ist dabei sehr hilfreich.

Über Mitarbeiter oder einen Lehrling denkt er nach, doch vorläufig will er sich als Alleinunternehmer im Privatbereich weiter etablieren. "Meine Kunden profitieren von meiner Erfahrung und der Flexibilität eines kleinen Betriebes. Ich gehe individuell auf jeden Wunsch ein." Mutlu ist wichtig, selber vor Ort zu sein und Anstehendes sofort und direkt mit den Kunden zu klären. So kann er auch auf Baustellenverzögerungen schneller reagieren. Auch Untergründe prüft der Jungmeister lieber selbst. "Ich melde heute schneller Bedenken an", sagt er offen. Gerd Hausmann als Sachverständiger im Meisterkurs hatte bei ihm und seinen Kollegen nachhaltig Bewusstsein geschaffen für Risiken, die im Estrich- und Untergrund verborgen sind. Mit der Meisterqualifikation ist für Mutlu der Kontakt zu den Anwendungstechnikern der Industrie einfacher geworden. "Gespräche laufen jetzt mehr auf Augenhöhe", freut er sich.

Der neue Geschäftsauftritt

Mutlu hat mit der neuen Qualifikation umfirmiert zum "Meisterbetrieb Mutlu Parkett und Fußbodentechnik. Seine Wunschvorstellung als Firmenname war "Augsburger Parkett", doch das wurde nicht genehmigt. "Die Handwerkskammer meinte, das wäre nur der größten oder umsatzstärksten Firma im Ort vorbehalten", berichtet der in Augsburger geborene Parkettlegermeister enttäuscht.

Als Webadresse nutzt er die Bezeichnung jedoch; www.augsburger-parkett liegt im Ranking der Suchmaschinen weit oben. Daher generiert er zunehmend Aufträge über Internet oder vereinzelt auch über Facebook. Reine Preisanfragen sind nach seiner Erfahrung jedoch wertlos. "Gelingt es mir im Telefonat einen Ortstermin auszumachen, kann ich Beratungskompetenz zeigen und meist gehört mir anschließend der Auftrag."

Die Hälfte der Aufträge liegt im Renovierungsbereich von Parkett. Parkettaufträge sind im Ranking vorne, doch als Geschäftsmann muss er auch Designbeläge, Laminat und Teppichboden verlegen. Der Kundenwille zählt. "Das glückliche Strahlen eines Kunden beim Anblick seines neuen Bodens bestätigt mir dann, dass ich mich für einen der schönsten Berufe entschieden habe," betont Mutlu.


Quali-Adapt

Quali-Adapt ist ein Projekt der bayerischen Handwerkskammern. Die Maßnahme stellt eine anerkannte Nachqualifizierung von Parkett- und Bodenlegern dar, die seit mehr als fünf Jahren in dem Beruf tätig sind, aber nicht die dafür übliche duale Ausbildung absolviert haben. Über Quali-Adapt haben sie die Möglichkeit, ihr Können mit dem Gesellenbrief zu dokumentieren. Der Unterricht findet im BTZ in Bamberg statt, die Prüfung in der Berufsschule Neustadt/Aisch. Lehrgangsleiter ist Heinz Brehm. Weitere Informationen über Heinz Brehm, heinz.brehm@parkett-brehm.de


Meisterbetrieb Mutlu Parkett und Fußbodentechnik
Gabelsberger Str. 109
86199 Augsburger
www.augsburger-parkett.de
musa@mutlu-parkett.de
www.facebook.com/augsburgermutluparkett

Inhaber: Musa Mutlu
Gründung: 2005
Geschäftsfeld: Verlegung und Renovierung von Parkett, Laminat, Designbelägen und Teppichboden

aus Parkett Magazin 06/17 (Handwerk)