Caparol Farben Lacke Bautenschutz GmbH

Gastbeitrag: Moderne Beschichtungen ersetzen die keramische Fliese


Bei der Neugestaltung und Modernisierung von Badezimmern erweisen sich moderne Beschichtungsstoffe als Alternative zu keramischen Fliesen. So kann das Badezimmer nach Ansicht von Rudolf Kolb aus der Caparol-Technik immer wieder aktuellen Farbtrends angepasst werden. Das gilt natürlich auch für die Küche. Das Badezimmer ist zur Wellnessoase avanciert, in der Gestaltung eine tragende Rolle spielt. Wo einst Porzellan und verchromter Stahl Zweckmäßigkeit ausstrahlten, wird heute in Designbodenbeläge, beleuchtete Spiegelschränke, futuristische Sanitärgeräte und Accessoires investiert. Von dieser Entwicklung werden Badfliesen nicht verschont. Der Anteil gefliester Oberflächen reduziert sich auf das Notwendigste, was den Maler freuen dürfte. Denn damit erhält er die Möglichkeit, Farbe, Putze, Wandlasuren und andere alternative Flächengestaltungsmittel einzusetzen.

Fest steht, dass es kaum eine Baufarbe gibt, die es mit der Feuchte, Reinigungs- und Strapazierfähgikeit einer hochwertigen Fliese aufnehmen kann. Aber Flächen im Badezimmer werden schließlich unterschiedlich stark beansprucht. Es gibt Bereiche, die hoher Feuchtebelastung und Reinigungsintensität ausgesetzt sind, andere werden kaum nass. Privat genutzte Baderäume lassen sich in drei Zonen mit unterschiedlichen Belastungen einteilen.

Zone 1: Dazu gehören Wandflächen innerhalb des Duschbereichs, die einer regelmäßigen Wasserbelastung ausgesetzt sind und häufig gereinigt werden. Klassische Farben kommen hier schnell an ihre Grenzen. Zwar gibt es Speziallacke und besonders beständige 2K Beschichtungen. Allerdings muss der Bewohner dann Einschränkungen bei der Reinigung und mechanischen Widerstandsfähigkeit in Kauf nehmen. Scheuernde und stark eingefärbte Reinigungsmittel sind beispielsweise tabu. Sie würden die Beschichtungsoberfläche anrauen oder verfärben und auf Dauer unansehnlich machen. Wer aber bereit ist, sein Reinigungsverhalten den Erfordernissen anzugleichen, kann auch in der Duschzelle auf Fliesen verzichten und sich an fugenlosen Oberflächen erfreuen.

Zone 2: Sie umfasst meist kleinere Bereiche, die mit Spritzwasser in Kontakt kommen und gelegentlich gereinigt werden. Dazu zählen Flächen oberhalb des Waschbeckens und in der unmittelbaren Nähe von Toilettenschüssel und Pissoir. Ähnlich wie in Zone 1 kann bei Einsatz spezieller Anstrichstoffe auch in diesem Bereich auf keramische Wandbeläge verzichtet werden.

Zone 3: Dabei handelt es sich um alle Wandbereiche außerhalb der Zonen 1 und 2 sowie Deckenflächen, die normalerweise keinen besonderen Belastungen durch Reinigung und Spritzwasser ausgesetzt sind. Während in den ersten beiden Zonen die Gestaltungsmöglichkeiten eher gering sind, lassen sich in Zone 3 nahezu alle gängigen Gestaltungstechniken realisieren, von hochwertigen Dispersionsfarben über Strukturputze bis hin zu Wandlasuren.

Die zum Teil immer noch herrschende Auffassung, ein Badezimmer lasse sich ausschließlich mit Wand- und Bodenfliesen sowie Latexfarben ausrüsten, ist längst überholt. Natürlich müssen die verwendeten Materialien selbst in Zone 3 eine gewisse Feuchtebeständigkeit aufweisen und auch gelegentlich Spritzwasser vertragen können. Abgesehen von reversiblen Materialen werden diese Anforderungen aber von den meisten modernen Beschichtungsstoffen erfüllt.

Auch die erhöhte Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf wird teilweise noch kritisch gesehen. Bei üblicher Nutzung privater Badbereiche entsteht der Wasserdampf aber nur zeitweise. Die relative Luftfeuchtigkeit kann dabei zwar mehrmals täglich auf mehr als 80 % ansteigen, wird jedoch durch Anlagentechnik oder Lüftung wieder abgesenkt. Schäden durch Wasserdampf können nur dann entstehen, wenn die notwendige Lüftung nicht gewährleistet werden kann und/oder die Gebäudehülle Wärmebrücken aufweist. In diesen Fällen kondensiert der Wasserdampf an kühleren Oberflächen und kann auf Dauer zu Schäden und Schimmelbefall führen.

Schimmelpilze fühlen sich überall dort wohl, wo es feucht ist - also auch im Badezimmer. Um den Befall mit den Mikroorganismen zu vermeiden gilt es, die anfallende Feuchtigkeit zu reduzieren. Das gelingt am besten durch Lüften in Verbindung mit hohen Oberflächentemperaturen.

Eine zusätzliche Möglichkeit, Feuchtespitzen wie nach dem Duschen oder Baden abzufangen, bieten sorptionsfähige Baustoffe. Sie sorgen für natürlichen Feuchteausgleich zwischen Raumluft und angrenzender Fläche. Poröse Stoffe wie mineralische Putze und Textilien sind besonders sorptionsfähig und in der Lage, bedeutende Mengen an Feuchtigkeit aus der Raumluft zu puffern. Dadurch wird die Luftfeuchtigkeit reduziert. Dichte Oberflächen wie Fliesen und glänzende Latexfarben sind dazu kaum in der Lage.

Im Zuge einer Badsanierung lässt sich also der Anteil gefliester Wandflächen zugunsten sorptionsfähiger Putzschichten senken bis komplett ersetzen (Zone 3). Die anschließende Oberflächenbehandlung kann mit mineralischen Putzen und diffusionsfähigen Beschichtungssystemen gestaltet werden, was auch die Gefahr der Schimmelbildung eindämmt.

Alte Fliesen lassen sich beispielsweise mit speziellen Grundierungen direkt überarbeiten. Decklacke in unterschiedlichen Farben und Glanzgraden ermöglichen die individuelle Gestaltung. Sogar das Fugenbild kann nachträglich mit selbstklebenden Bändern in unterschiedlichen Farbtönen wieder hergestellt werden. Alternativ können die Fliesen auch überspachtelt werden. Das Resultat ist eine fugenlose Oberfläche, die als Untergrund für verschiedene Gestaltungstechniken dient.

Entscheidend für den Erfolg ist die sorgfältige Untergrundvorbehandlung und -reinigung. Auf alten Fliesen und besonders in den Fugen können sich im Laufe der Jahre Bestandteile von Reinigungs- und Pflegemitteln anreichern, die als Trennschicht die Haftung nachfolgender Beschichtungen beeinträchtigen. Zur Entfernung dieser Substanzen eignen sich spezielle Reinigungsmittel in Verbindung mit einem feinen Schleifvlies. Auch sollten alle Fugendichtstoffe vor der Überarbeitung entfernt und nach Beendigung der Beschichtungsarbeiten neu eingebracht werden.
Rudolf Kolb
aus BTH Heimtex 12/17 (Wirtschaft)