Studie Bodenbelagsmarkt
Stellenmarkt
Project Floors
Branchen-Planer

LVT Special

Belgien Special

Artikel-Archiv


Ausbildungsbetrieb Rokett in Berlin

Zwei Unternehmen unter einem Dach


Robert Mutschall beendete seine Ausbildung zum Parkettleger als Landessieger und strebte wenig später den Meistertitel an. Seit 2007 leitet er seinen Betrieb Rokett. Für seine Lehrlinge hat er einen ungewöhnlichen Ausbildungsplan entwickelt. Sein Ziel: die hochwertige Vermittlung von Boden- und Parkettleger-Wissen. Er ist überzeugt, dass die Zukunft der beiden Bodengewerke in anspruchsvollen Verlegearbeiten liegt.

Mitten im Berliner Stadtteil Pankow befindet sich die 1.000 m2 große Halle des Ausbildungsbetriebs Rokett. Sie ist zugleich der Standort des Bodenleger-Unternehmens Lupe Berliner Bodenbeläge. "Ich kooperiere mit dem Betrieb meines Vaters Lutz Mutschall", erklärt Robert Mutschall, Inhaber von Rokett. So gibt es neben einem gemeinsamen Ausstellungsraum, Lager, Werkzeughalle und Werkstatt zwei Büros mit jeweils einer Bürokraft. Die Zusammenarbeit erstreckt sich auch auf die Baustellen: "Während die Mitarbeiter meines Vaters sich um elastische und textile Bodenbeläge kümmern, sind meine Leute für alles rund um Holz verantwortlich, vor allem Parkett", sagt Mutschall.

Die Lehrlingsausbildung ist Teil der Zwei-Betriebe-Politik. Alle vier Wochen wechseln die Azubis zwischen den Unternehmen, sind einmal Bodenleger, dann wieder Parkettleger. Die Mutschalls erhoffen sich dadurch ein breiteres Wissen und einen besseren Umgang mit allen Bodenbelägen.

"Wir bilden aus, um zu übernehmen", erklärt Robert Mutschall. Normalerweise kommen die Auszubildenden über den zweiten Bildungsweg zu ihm. Aktuell beschäftigt er drei Lehrlinge. "Die Zeugnisse waren so gut, dass ich die drei sofort einstellen musste. So etwas passiert nicht alle Tage." Zwar sind seine Azubis alle sehr jung, da sie direkt von der Realschule in die Arbeitswelt treten, das hat für Mutschall aber nur Vorteile: "Ich kann sie besser für meinen Betrieb formen." Mit dem doppelten Ausbildungsplan hofft er auch, dass sich einer seiner Lehrlinge für den Bundesleistungswettbewerb qualifiziert.

Mit Motivation
zum Meistertitel

Mutschall selbst beendete seine Ausbildung als Landessieger. Zuvor hatte er sein Fachabitur abgeschlossen und kannte die Arbeit am Boden durch den Bodenleger-Betrieb seines Vaters. Dort hatte er bereits in den Ferien sein Taschengeld aufgebessert und mitgearbeitet. Nachdem er Geselle geworden war, strebte er den Meister an. Doch durch die Abschaffung des Meisterzwangs war es schwer, einen Weiterbildungskurs zu finden. "Ich habe bei Heinz Brehm in Bamberg gelernt", erinnert sich der Berliner. Um den Titel zu erhalten, benötigen Gesellen Motivation und die hatte Mutschall. "Dreimal habe ich meine Meisterplatte in der Freizeit neu gebaut, bis ich endlich zufrieden war." Als er dann Meister war, beschloss er, sich selbständig zu machen. "Eigentlich wollte ich das gar nicht, aber da mein ehemaliger Arbeitgeber nicht mehr Gehalt für meinen Titel und meine Qualifikation zahlen wollte, gründete ich Ende 2007 Rokett."
Durch die Zusammenarbeit mit seinem Vater erhielt er die ersten Aufträge. "Der Betrieb Lupe gab mir alle Baustellen, die mit Holz zu tun hatten. So musste ich nie als Subunternehmer arbeiten." Auch in Objekten probierte er sich aus. Doch als der Bauträger eines Projekts Konkurs anmeldete, und Mutschall auf seiner Arbeit ohne Bezahlung sitzen blieb, schwor er sich eins: "Nie wieder Objekte." Seitdem konzentriert er sich auf private Kunden. "Die meisten Aufträge kommen auf Empfehlung herein", erklärt der Parkettleger. Daher ist der erste Eindruck seiner Mitarbeiter wichtig. Mutschall kümmert sich um Arbeitskleidung und Werkzeug. Damit er jede Baustelle selbst besuchen kann und die Qualitätskontrolle nicht aus der Hand geben muss, hält er den Betrieb mit sieben Personen klein. "Ich will gar nicht mit Rokett größer werden. So bin ich in der Lage, nicht jeden Auftrag annehmen zu müssen."

Am liebsten sind ihm Kunden, die mit Herausforderungen kommen. "Wir sollten einmal in einem Wohnzimmer ein Parkett verlegen und in der Mitte eine Glasscheibe setzen, damit der Hausherr in seinen Weinkeller schauen konnte. Das war besonders knifflig, etwa das Anfertigen eines extrem ebenen Untergrunds wegen der Glasplatte", schwärmt Mutschall. Um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein, baut der 35-Jährige nicht nur auf sein gut ausgebildetes Team. Er legt auch Wert auf hochwertige Werkstoffe und Werkzeuge sowie auf aktuelles Know-how, das er zum Beispiel von seiner Innung erhält. Bei der Wahl seiner Materialien sind ihm deutsche Produzenten wichtig, etwa Jaso - das Unternehmen verarbeitet Holz aus dem Schwarzwald.

Ausgefallene Kundenwünsche erfüllt Robert Mutschall gerne, wie diese Terrasse in Neuenhagen bei Berlin, die um einen Baum herum gelegt wurde. | Foto: 2blenden.com – Henri Tonn
Der Geschäftsführer Robert Mutschall (Mitte) mit seinem Gesellen Matthias Zinser und dem Lehrling Ricardo Schmidt im Werkzeuglager.
Im Ausstellungsraum können sich Kunden über die verschiedenen Parkett-Sorten informieren.

Vorteile durch Innungsmitgliedschaft

"Ich muss immer auf dem neusten Stand der Technik sein. Und das erfahre ich durch die Informationsblätter der Innung, aber auch durch die Gespräche mit anderen Mitgliedern", erklärt Mutschall. Wie viele seiner Kollegen ist er überzeugt, dass die Qualität der Ausbildung durch den Wegfall des Meisterzwangs sinkt. "Jeder Geselle kann mit einem Ausbildungsschein ausbilden." Durch seine Arbeit als Fachgruppenleiter Bodenleger in der Innung Parkett und Fussbodentechnik Nordost sowie auch als Mitglied des Prüfungsausschusses Parkettleger in Berlin, bemerkt er, dass Grundlagenwissen fehlt. "Die Qualität des Gesellenstücks ist oft mangelhaft", berichtet er von Prüfungen. Durch die vorgegebenen Bewertungsschlüssel bestehen die jungen Gesellen oft trotz dieser Defizite und können einen eigenen Betrieb gründen. Mutschall warnt vor den Folgen von schlechten Verlegungen, die die Branche insgesamt in ein negatives Licht rücken.

Das Ausbildungskonzept des Parkettlegermeisters scheint für den Betrieb Rokett aufzugehen. Ungefähr 5.000 m2 Parkett verlegen die Mitarbeiter jährlich in Berlin und Brandenburg, in einem Umkreis von etwa 50 km. Jede Baustelle koordiniert Mutschall und kontrolliert sie vor der Abnahme. "Mein Motto: Jeder Auftrag muss einen weiteren generieren." Wenn bei seinem Kunden ein Gast den Boden sieht und lobt, soll auch er den Weg zu Rokett wählen. Dann betritt der Gast als neuer Kunde die große Halle in Pankow und erhält eine Beratung für seine Boden-Ideen.

Rokett im Überblick
Rokett
Wackenbergstraße 101
13156 Berlin
Tel.: 030 / 44 49 45 6
info@rokett-berlin.de
www.rokett-berlin.de

Inhaber: Robert Mutschall
Gründung: 2007
Geschäftsfeld: Neuverlegung, Restauration, Terrassen
Mitarbeiter: 7 Mitarbeiter, davon 3Parkettleger-Azubis
Fuhrpark: 3 Transporter

aus FussbodenTechnik 01/18 (Handwerk)