Umfrage Sonnenschutz

Auftragslage gut, Zuversicht verhalten

Wie ist die Stimmung in der Sonnenschutzbranche in Krisenzeiten? BTH Heimtex hat die Unternehmen in einer Umfrage um ihre Markteinschätzung gebeten.

Die Sonnenschutzbranche ist weiterhin mit massiven Herausforderungen konfrontiert. Russlands Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft betrifft global agierende Unternehmen in besonderem Maße. Die Corona-Pandemie mit ihren Folgen ist nach wie vor virulent. So haben die Marktteilnehmer fortgesetzt mit Lieferengpässen, Rohstoffknappheit und explodierenden Energiekosten zu kämpfen. Die Inflation steigt, die Kaufkraft sinkt. Hinzu kam zu Jahresbeginn die Absage sämtlicher Messeveranstaltungen.

Mitte/Ende April hat BTH Heimtex die Sonnenschutz- und Dekorationstechnik-Branche um ihre Markteinschätzung gebeten. Angefragt wurden Hersteller und Lieferanten von Komponenten und Stoffen, Maßkonfektionäre, Fachgroßhändler sowie Anbieter von Standardprodukten. Mit der Geschäftsentwicklung im Vorjahr (2, 9 % Umsatzplus laut ViS-Verband) sowie mit den Zahlen im ersten Quartal 2022 sind die Unternehmen durchaus zufrieden. Doch angesichts der unabwägbaren Krisen bleiben sie mit Zukunftsprognosen zurückhaltend. Bisher hat die Einrichtungsbranche von der Corona-Pandemie profitiert. Ob der Hang zur Verschönerung des Zuhauses, der Cocooning-Trend anhält, wird jetzt eher kontrovers diskutiert.

Unternehmen mit der
Geschäftsentwicklung zufrieden

Optimistisch äußert sich dazu Ifasol. "Trotz andauernder Corona-Krise und trotz des Ukraine-Krieges haben wir in der Sonnenschutz-Branche im ersten Quartal 2022 weiterhin sehr gute Umsätze zu verzeichnen", sagt Ingo Fahl, Vorsitzender im Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS). "Und so wird es in diesem Sommer wohl auch bleiben", ist die Prognose des Ifasol-Geschäftsführers.

Indes räumt er ein, dass durch die Unregelmäßigkeiten bei der Rohstoffbeschaffung ein "sehr großer Aufwand" in die Koordination gesteckt werden müsse. Die Aufträge in der normalen Lieferzeit abzuarbeiten sei eine "weitere große Schwierigkeit", verweist Fahl auf einen hohen Krankenstand durch Corona. "Die Menschen, die Mitarbeiter, sind müde, unter solch erschwerten Bedingungen eine tolle Leistung abzuliefern."

Für die international tätige Hunter Douglas-Gruppe ist die aktuelle Kriegssituation "ein großes Problem". Von Deutschland aus wird Russland und die Ukraine betreut. "Wir haben langjährige freundschaftliche Verbindungen zu Kunden in beiden Ländern. Mit einem neuen Konzept und neuen Kollektionen wollten wir gerade in diesem Jahr einen Neustart wagen", betonen Friedrich W. Petrat und Mirko Müller-Stüler, die Geschäftsführer von Hunter Douglas Components in Kassel.

Energiesparende
Sonnenschutzprodukte
besonders gefragt

Die aktuelle Geschäftsentwicklung im Unternehmen generell bezeichnen sie als "fast wieder normal". Allerdings wisse niemand, wie es im Laufe des Jahres weitergehe. "Die Situation spitzt sich eher noch zu", heißt es zur steigenden Inflation sowie der Knappheit und den gestiegenen Kosten bei Rohstoffen und Energie. Das verteuere die Produkte bis hin zum Endkunden. "Zum Glück produzieren wir das meiste lokal, so dass wir uns gut gerüstet sehen." Hinsichtlich der explodierenden Energiekosten glauben Petrat und Müller-Stüler, "dass energiesparende Sonnenschutzprodukte besonders gefragt sind". Alternativ zur ausgefallenen R+T plant Hunter Douglas während der Kunstausstellung Documenta in Kassel Kundenveranstaltungen im Kulturbahnhof.

Gardinia Home Decor unterhält eine eigene Niederlassung in Kiew mit rund 50 Mitarbeitern. "Wir sind vom Ukrainekrieg unmittelbar betroffen", berichtet Geschäftsführer Sven Heidemann. "Wichtig war und ist für uns in erster Linie, dass unsere ukrainischen Mitarbeiter vorerst in Sicherheit sind", hat die Hilfeleistung oberste Priorität. "Da treten geschäftliche Aktivitäten in den Hintergrund."

"Moderat" seien indes die coronabedingten Auswirkungen, "bei einem Krankenstand, der nie so drastisch war, um den Betrieb zu gefährden". Um Lieferverzögerungen entgegen zu wirken, habe man bereits im vergangenen Jahr die Lagerbestände in Deutschland über das sonst übliche Maß hinaus aufgebaut.

Die inhabergeführte Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Isny agiert mit der DIY-Marke Gardinia und Klöckner sowie der Marke Alugard, die Maßprodukte für Raumausstatter, den Fach- und Möbelhandel umfasst. Heidemann: "Die aktuelle Situation bei Alugard ist zufriedenstellend". "Wir bewegen uns nun auf dem geplanten Niveau - wobei eine gewisse Kaufzurückhaltung zu spüren ist", nimmt er auf die Inflation Bezug. "In der Summe sind auch wir gezwungen, Preiserhöhungen an den (Fach-)Handel weiterzugeben."

MHZ ist mit der aktuellen Geschäftsentwicklung 2022 "bisher durchaus zufrieden", resümiert Andreas Kopetschny, Geschäftsführer Vertrieb. Auch die erfolgreiche Einführung der neuen Plisseekollektion, die im Markt sehr gut angenommen werde, trage dazu bei. Allerdings ist das Unternehmen mit Zukunftsprognosen zurückhaltend. Seit dem Frühjahr 2021 machten Lieferketten-Probleme und signifikante Preissteigerungen zu schaffen. Jetzt verschärfen die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine die Situation.

"Wichtig ist, dass wir weiterhin flexibel bleiben und uns auf Änderungen entsprechend einstellen", geht Kopetschny auf die "relativ kurzfristigen" Messeabsagen ein, wie etwa die R+T. So verfüge man "glücklicherweise" über ein sehr starkes Innen- und Außendienstteam. "Deshalb stehen wir auch außerhalb der Fachmessen in intensivem Kontakt mit unseren Partnern und Kunden."

Teba liegt aktuell "voll im Plan" und die Erwartungen in das Sommergeschäft sind gut. Geschäftsführer Dr.Tomass Grass konstatiert einen Zugewinn durch die neue Plissee-Kollektion. Zugleich berichtet er von einer "starken Nachfrage", die sich bei Wabenplissee und Insektenschutz abzeichnet und - entgegen dem allgemeinen Markttrend - auch eine "sehr positive Umsatzentwicklung" bei Flächenvorhängen.

Eine längerfristige Prognose falle für 2022 angesichts von Inflation und allgemeiner Volatilität deutlich zurückhaltender aus als noch zum Jahreswechsel. Grass: "Hier ist vor allem eine vorausschauende Bestandsführung bei Vorprodukten für uns besonders wichtig." Das gilt für Teba auch beim Kundenservice und der Lieferfähigkeit auf einem "hohen Niveau" sowie gleichzeitig die Investition in die Entwicklung neuer Kollektionen.

Buchheister reagiert "allen wirtschaftlichen Herausforderungen zum Trotz auf die turbulente Veränderung des Marktes mit Preissenkungen", kündigt Karl F. Buchheister. Mit dem Erscheinen des erweiterten und ergänzenden Maßplisseekataloges werde man im Sommer 2022 in der Lage sein, die Preise "spürbar zu senken", betont der geschäftsführende Inhaber des Einzelunternehmens.

Corona habe die Entwicklung in eine neue, digitale Welt beschleunigt. Deshalb werde man am Stammsitz Sundern entsprechende Projekte realisieren: einen Showroom für Off- und Online Schulungen und Messen, "um den Maßstab für digitale Events neu zu setzen" sowie die Implementierung von vier Online-Konfiguratoren. Weiterhin stehen der Umbau und die energetische Sanierung des Verwaltungsgebäudes an.

Corona hat die
digitale Welt beschleunigt

Kadeco freut sich über gefüllte Auftragsbücher und ist zuversichtlich, dass dies mit steigenden Temperaturen und einem zunehmenden Bewusstsein fürs Energie sparen auch vorerst so bleibt. "Die aktuelle Geschäftsentwicklung bei Kadeco ist gut", erklärt Geschäftsführer Ulf Kattelmann. Besondere Herausforderungen stellt für das Familienunternehmen die anhaltende Corona Pandemie, die Inflation und die allgemeine Unsicherheit im Zusammenhang mit dem "schrecklichen Krieg" in der Ukraine dar. Hier steht auch im Raum, welche Konsequenzen das für die Energieversorgung hat. Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Verbraucher werden erwartet. Stark gestiegene Lebensmittel- und Energiepreise veranlassten viele dazu, zu sparen, meint er. "Und vielleicht geplante Investitionen in das Eigenheim erstmal hintenanzustellen."

Sonnenschutzbedarf
im Homeoffice

Die zurückliegenden zwei Jahre führten bei Erfal trotz pandemiebedingter Einschränkungen zu einer "positiven Geschäftsentwicklung". Vertriebsleiter Ralf Meyer führt die verstärkte Nachfrage nach innovativen Produkten insbesondere auf veränderte Lebensbedingungen und die gestiegene Arbeit im Homeoffice zurück.

Die Aufhebung der Corona-Beschränkungen werden gut geheißen. "Das führt zu einem veränderten Konsumverhalten der Verbraucher." Zugleich erwartet Meyer, dass Preiserhöhungen in allen Bereichen des persönlichen Lebens dazu beitragen, "dass die Nachfrage nach hochwertigen Sonnenschutzprodukten temporär stagnieren, gegebenenfalls auch sinken wird."

| Petra Lepp-Arnold
Auftragslage gut, Zuversicht verhalten
Foto/Grafik: Ifasol
"Auch wenn der Urlaub wieder hoch im Kurs steht, wird das Eigenheim weiterhin verbessert und die Bestellungen laufen ohne nennenswerte Unterbrechung ein. Natürlich ist die Beschaffung sehr viel unregelmäßiger als sonst. Von unserem sogenannten Normalbetrieb sind wir Meilen entfernt. Da dürfen wir uns von guten Zahlen nicht täuschen lassen."

Ingo Fahl, Geschäftsführer Ifasol und Vorstand im ViS-Verband
Auftragslage gut, Zuversicht verhalten
Foto/Grafik: Hunter Douglas
"Wir betreuen von Deutschland aus die Länder Russland und Ukraine. Von diesem Krieg sind wir stark betroffen und sind traurig über diese Entwicklung. Die Energiekosten sind explodiert und wir glauben, dass unsere Produktgruppen die Energie sparen, besonders gefragt sind."

Friedrich W. Petrat, Mirko Müller-Stüler,
Geschäftsführer Hunter Douglas Components
Auftragslage gut, Zuversicht verhalten
Foto/Grafik: Gardinia Home Decor
"Wir sind vom Ukrainekrieg unmittelbar betroffen, da wir dort eine eigene Gesellschaft haben. Wichtig war und ist für uns in erster Linie, dass unsere ukrainischen Mitarbeiter vorerst in Sicherheit sind. Wir haben zusammen mit der Stadt Isny eine große Spendenaktionen und mehrere Hilfslieferungen organisiert, die von unserer Niederlassung in Polen dann weiter koordiniert wurden."

Sven Heidemann, Geschäftsführer Gardinia Home Decor
Auftragslage gut, Zuversicht verhalten
Foto/Grafik: MHZ
"Möglicherweise bleibt der Cocooning-Trend bestehen. Inflationsrisiken sowie eine schlechte Zinssituation machen Investments ins Eigenheim noch attraktiver. Steigende Energiepreise und die Nachhaltigkeits-Diskussion können die Nachfrage nach unseren Produkten erhöhen. Schließlich ist Sonnenschutz bedeutend für energieeffizientes Wohnen."

Andreas Kopetschny, Geschäftsführer MHZ
Auftragslage gut, Zuversicht verhalten
Foto/Grafik: Buchheister
"Ich denke, die jüngsten Ereignisse in der Ukraine dämpfen unser aller Hoffnung, nach zwei Jahren Pandemie in ein weitgehend sorgloses Geschäftsjahr zu starten. Aber wir reagieren auf die turbulente Veränderung des Marktes und werden mit dem Erscheinen unseres Maßplisseekatalogs im Sommer in der Lage sein, die Preise spürbar zu senken."

Karl F. Buchheister, Inhaber von Buchheister
Auftragslage gut, Zuversicht verhalten
Foto/Grafik: Teba
"Die vollen Auftragsbücher unserer Kunden und die Normalisierung von Corona werden 2022 hoffentlich einen kräftigen Schub geben. Daher blicken wir grundsätzlich positiv gestimmt in die Zukunft und rechnen mit guten Wachstumsraten dieses Jahr, genauere Prognosen lassen sich auf Grund der allgemeinen Situation nur schwer machen."

Dr. Tomass Grass, Geschäftsführer Teba
aus BTH Heimtex 06/22 (Deko, Gardinen, Sonnenschutz)