OPW-Massivparkett im Herrenhaus Borstel

Doppelreihiger Eichenboden mit Schlossdielen Charakter

Das Borsteler Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert besitzt schlossartige Ausmaße. Die breite Front des fünfzehnachsigen Gebäudes ist im barocken Stil gehalten, doch die ursprüngliche Ausstattung der Innenräume gehört bereits dem Rokoko an. Bei einer Baubegehung 1992 stellte sich heraus, dass starker Holzbock- und Pilzbefall das Herrenhaus bedrohten. Im Frühling 2007 wurden die breiten alten Nadelholzdielen durch rund 1.100 qm Eichedielen mit eingelegter Wenge-Ader ersetzt.

Die gesamten Sanierungskosten für das Herrenhaus werden auf 6,75 Mio. EUR geschätzt. Zur Einwerbung von Geldern wurde für das Haus ein Konzept als Wissens- und Kommunikationszentrum entwickelt, das Medizin, Wissenschaft, Kunst und Kultur zusammenführt. Den größten Sanierungsanteil in Höhe von 5 Mio. EUR teilen sich über einen Zeitraum von fünf Jahren daher das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung sowie das Land Schleswig-Holstein. Darüber hinaus beteiligen sich der Kreis Segeberg, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Landesamt für Denkmalpflege, die Kreissparkassenstiftung Südholstein sowie die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft, der Herrenhaus-Verein und private Spender.

Lebhafte Eiche vom Oldenburger Parkettwerk

Mit der Erneuerung der alten Holzböden auf rund 1.100 qm wurde das Kieler Unternehmen Stoltenberg & Arnold beauftragt. Im Stil sollte der neue Parkettboden den Charakter der ursprünglichen Kiefernholzdielen aufnehmen, die als breite Schlossdielen das herrschaftliche Ambiente betont hatten. Um die Gefahr einer Schüsselung der sehr breiten Dielen zu minimieren, schlugen die Parkettexperten vor, zwei Reihen schmalerer Dielen aneinander zu legen und dann mit einer Wenge-Ader gegen die nächste Doppelreihe abzugrenzen. So konnte der alte Schlossdielencharakter wieder erzielt werden.

Planerisch war ursprünglich eine Landhausdiele mit Deckblatt in Eiche vorgesehen. Auf Vorschlag des Inhabers der Firma Stoltenberg und Arnold, des sachverständigen Sönke Stoltenberg, und nach Bemusterung sowie fachtechnischer Beratung wurde durch den Planer dankbar die alternative Empfehlung aufgegriffen und somit dann die Ausführung mit einer Massivdiele gewählt.

Statt Nadelholz wurde bei der Sanierung die robustere Eiche vorgezogen. Nach der Sichtung unterschiedlichster Muster lieferte das Oldenburger Parkettwerk (OPW) nach Vorgabe der Firma Stoltenberg und Arnold speziell angefertigte Massivdielen mit Nut und Feder in einer Gesamtbreite von 140 mm und einer Dicke von 21 mm. Jede zweite Dielenreihe der Dielen in fallenden Längen wurde vom Verlegebetrieb zur Aufnahme der Wenge-Ader mit einem 7/8 Falz versehen. Die Sortierung trägt die Bezeichnung Eiche Antik Rustikal. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um Eichenholz mit künstlich gealterter Oberfläche, sondern um eine roh vorgeschliffene Eichendiele mit sehr lebhaftem Muster.

Die verlegten 1.100 qm Eichedielen verteilen sich auf viele kleine und größere Räume des Herrenhauses. Überall wurde das gleiche Parkettmuster mit Wenge-Ader verlegt. Auch die Verlegerichtung blieb -quer zur Fensterfront - immer gleich und wurde exakt in der Fuge fluchtend über die gesamte Länge des Gebäudes durchgezogen. Lediglich im größeren Saal unterbricht eine rechtwinklig auf das Fenster zulaufende Dielenreihe als Zwischenfries das parallele Muster. Im Gartensaal erhielten die Dielen einen Umfassungsfries, der die Heizungsnischen aufnimmt und Zwischenfriese, die die Raumachsen betonen. In den unterteilten Flächen wurde die Diele jeweils diagonal verlegt, wobei hier erschwerend die eingelegten Adern auf die Adern des Umfassungsfrieses stoßen.

Durch die Feder geschraubt

Bis zu 6 Parkettleger des Unternehmens Stoltenberg & Arnold waren über einen Monat damit beschäftigt, den Boden auf 1.100 qm Fläche fachgerecht zu verlegen. Der Untergrund besteht aus einer Holzbalkendecke, über die Lagerhölzer aus Kiefer und ein Blindboden aus Fichtebrettern in 35 mm Dicke verlegt wurden. Der Blindboden verläuft in diagonal zum Oberboden.

Die massiven Eichedielen wurden auf dem Blindboden zweireihig befestigt - mit 3,5 x 50 mm selbstschneidenden Schrauben, die eine Spaltung der Feder verhindern. Bei einer Oberflächenbreite von 135 mm pro Diele ergibt das den Eindruck einer 270 mm breiten Eichendiele. Optisch getrennt wurden die doppelten Dielenreihen durch eine mit Schönox Weißleim eingeklebte Wenge-Ader.

Bei den überwiegend quadratischen Räumen bot die Verlegung kaum knifflige Aufgaben. Lediglich ein Kaminraum des Herrenhauses besitzt eine ovale Form. Hier wurden die Dielen grob angepasst, angerissen und dann mit der Stichsäge an Längs- oder Kopfseite auf die Rundung zugeschnitten. Dehnfugen an Türschwellen, Kabelschächten und Kaminrändern wurden mit Spritzkork geschlossen. Zu den Wänden hin blieb die Randfuge von etwa 20 mm Breite offen.

Viermal Schleifen und zweimal Ölen

Die werkseitig roh vorgeschliffenen Dielen mussten - bedingt durch das harte Exotenholz Wenge - viermal mit der Lägler-Hummel geschliffen werden, mit 40er, 60er, 80er sowie 100er Körnung. Auf den 60er Zwischenschliff folgend, wurde das Parkett mit Spachtel der Marke Blumor abgespachtelt. Zum Schluss setzten die Parkettleger ihre Nilco-Tellermaschine mit 100er Schleifgitter ein, um ein richtungsfreies Oberflächenbild zu erzielen.

Als Oberflächenbehandlung für einen solch "noblen" Dielenboden kommt nur eine moderne Öl-Wachs-Kombination in Frage: "Wir bleiben gern im System", erklärt Parkettleger Adolf Heldt den Gebrauch eines Produktes des Herstellers Blumor. Zweimal wurde der Oberflächenschutz nass in nass mit beigem und weißem Pad eingetrieben. 48 Stunden Trocknung ist Pflicht. "Vorher lassen wir keinen auf die Fläche", sagt Adolf Heldt. Das wunderbar angefeuerte Holz muss das Öl erst vollständig aufsaugen.

Mit dem fertigen Fußboden rückt die Vision eines neu gestalteten Herrenhauses mit zukunftsträchtiger Nutzbarkeit in konkrete Nähe. Noch sind viele Gewerke bei der Arbeit, doch bald wird das Gebäude in Borstel weit mehr sein als nur Bibliothek und Konferenzhaus eines medizinischen Forschungszentrums.


Objekt Telegramm

Bauherr: Forschungszentrum Borstel, Zentrum für Medizin und Biowissenschaften
Bauleitung: Krug + Schwinghammer Architekten, Kiel
Parkettarbeiten: Stoltenberg & Arnold, Kiel
Dielen: Eiche Antik Rustikal 21 x 140 mm, Nut & Feder, roh vorgeschliffen
Lieferant: Oldenburger Parkettwerk
Aufbau: Balkenlage, Blindboden, Dielen zweireihig geschraubt, Wenge-Ader
Oberflächenschutz: Blumor-Öl-Wachs-Kombination


Kurze Geschichte des Herrenhauses

Das Herrenhaus Borstel gilt als das bedeutendste Haus der Rokokozeit in Schleswig-Holstein. In seiner jetzigen Form wurde es als Nachfolger eines 1737 durch einen Brand zerstörten Gutshauses von Friedrich von Buchwaldt 1743 in Auftrag gegeben und 1751 vollendet. Der Baumeister war Johann Christian Böhme. Die Innenräume der Hofseite sind nach barocker Art in einer Enfilade gereiht. Zum Garten hin liegt ein großer Rokokosaal, der im Laufe des 19. Jahrhunderts im Stil des Klassizismus überarbeitet wurde. Teile der älteren Dekoration blieben jedoch erhalten. 1838 erwarb die Grafenfamilie Baudissin den Besitz, 1930 richtete der Fabrikant Bölck ein Kinderheim ein, 1938 machte die national sozialistische Regierung daraus eine Ausbildungsstätte für Leiterinnen des Arbeitsdienstes und versteigerte das gesamte bewegliche Inventar. Nach dem Krieg diente das Herrenhaus als Auffangstelle für Flüchtlinge und wurde 1947 ein Institut der Tuberkuloseforschung mit angeschlossener Klinik. Seit 1963 firmiert Borstel als Stiftung und änderte seine Bezeichnung 1995 in "Forschungszentrum Borstel - Zentrum für Medizin und Biowissenschaften".
aus Parkett Magazin 03/07 (Referenz)