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Sachverständigen-Tagung des Zentralverbandes Parkett und Fußbodentechnik

Ansprechender Themen-Mix in Feuchtwangen

Die diesjährige Sachverständigen-Tagung des Zentralverbandes Parkett und Fußbodentechnik in Feuchtwangen unter der Leitung von Sönke Stoltenberg war mit 150 Teilnehmern wieder ein voller Erfolg. Erstmals in den Räumen der Bayerischen Bauakademie standen unter anderem die Themen Räuchereiche, elastische Parkettklebstoffe und die Ebenheitstoleranzen der DIN 18202 sowie ein Messtechnik-Workshop im Vordergrund.

Sönke Stoltenberg, beim Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik Obmann für das Sachverständigenwesen, konnte bei der Sachverständigen-Tagung in Feuchtwangen wieder viele Teilnehmer begrüßen - darunter Sachverständige, Sachverständigenanwärter und Vertreter der Industrie. In seiner Eröffnungsrede beschrieb Stoltenberg ein Urteil des OLG Stuttgart, das für Parkettleger von grundlegender Bedeutung ist: In diesem Urteil wurde entschieden, dass matte Stellen in einer Parkettoberfläche keinen Mangel darstellen, wenn diese bei einer normalen Nutzung der Verkehrsflächen nicht erkennbar sind.

Ein weiteres Urteil sollte jeder Sachverständige kennen: In einem Prozess wurde der Vergütungsanspruch eines Sachverständigen abgelehnt, weil er keinen unterschriebenen Vertrag vorweisen konnte. Deswegen sollte sich jeder Gutachter vor Beginn seiner Tätigkeit einen Gutachtervertrag unterschreiben lassen.

Praktische Tipps zur Räuchereiche

Parkettsachverständiger und Geschäftsführer der Innung Nordost, Wilhelm Schmidt, stellte die verschiedenen Verfahren der Räucherung von Eiche mit ihren Vor- und Nachteilen vor. Einem ausführlichen Vortrag konnten die Teilnehmer viele praktische Tipps entnehmen. Beispielhaft seien folgende genannt:
• Die Holzfeuchtebestimmung ist ausschließlich mit der Darr-Methode möglich.
• Wenn verlegte Flächen von Räuchereiche und Eiche aneinander grenzen, kann der Restammoniak aus dem behandelten Holz in das unbehandelte ziehen und Farbveränderungen verursachen.
• Wenn Räuchereiche zu früh aus der Räucherkammer kommt, kann es Probleme mit PU-Klebstoffen geben.

Beim Thema Geruch kam Wilhelm Schmidt zu dem Schluss, dass der Geruch aus stehender Haltung beurteilt werden muss. "Bei einem frisch verlegten Räuchereiche-Parkett darf auch ein Sachverständiger nicht mit der Nase auf dem Boden herumkriechen", führte Schmidt aus. Erst wenn der Geruch auch in stehender Haltung wahrnehmbar sei, könne man von einem Mangel sprechen.

Sisal, Kokos & Co.

Der stellvertretende Bundesinnungsmeister Gert F. Hausmann gab einen Überblick über pflanzliche und tierische Fasern bzw. Haare in Bodenbelägen. Sisal, Kokos, Seegras, Wolle und Ziegenhaar kommen im Bodenbereich zum Einsatz und werden in unterschiedlichen Verfahren aufgearbeitet.

Quellen und Schwinden von Ahornhölzern

Über das Quell- und Schwindverhalten von nordamerikanischem und europäischem Ahorn referierte Diplom-Holzwirt Fritz Tröger von der TU München.

ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Sönke Stoltenberg (Bildmitte), Obmann der Sachverständigen im Zentralverband, diskutierte mit seinen Sachverständigenkollegen.

Elastische Parkett-Klebstoffe und AgBB

Über die Themen "elastische Parkett-Klebstoffe" und "AgBB-Schema" referierte Dr. Thomas Brokamp, Leiter Klebstoffe bei Bona Deutschland. Er wies auf die unterschiedlichen Problemstellungen u.a. in Bezug auf die in verschiedenen Klebstofftypen verwandten Weichmacher hin. Außerdem beschäftigte sich Dr. Brokamp mit den mechanischen Eigenschaften der unterschiedlichen Klebstoffsysteme. Aus seiner Sicht ist die Entwicklungarbeit bei Klebstoffen noch nicht abgeschlossen. Gleichwohl dürften weiche/elastische Kleber langfristig die Lösemittelklebstoffe ersetzen.

In diesem Zusammenhang erklärte Dr. Brokamp auch die Bewertungsschemata (Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten), die für Böden in Aufenthaltsräumen in öffentlichen Gebäuden notwendig sind. Dabei würden laut Brokamp EC1 (R)-eingestufte Bodenbelagsklebstoffe automatisch die AgBB-Bedingungen erfüllen.

Taupunktberechnung und DIN 18202

Norbert Strehle brachte den Teilnehmern die Taupunktberechnung nahe. In seinem Vortrag zeigte er, wie einfach unter Zuhilfenahme von verschiedenen Tabellen Taupunktberechnungen durchgeführt werden können. Die DIN 18202 war ein weiteres Thema von Norbert Strehle. Der Sachverständige kam zu dem Schluss, dass Winkeltoleranzen vom Boden legenden Handwerk nicht geprüft werden müssen, da Laser oder Schlauchwaage nicht zu dem normalen Handwerkszeug eines Parkett- und Bodenlegern gehören.

Stuhlrollenbelastung untersucht

Das Thema Stuhlrollenbelastung - was sagt die DIN? Wie wirkt sich die Kraft aus? - eröffnete den zweiten Seminartag. Dieser recht trockene Stoff wurde von Manfred Krapp anhand von Betrachtungen, Berechnungen bei Krankenhausbetten und von Peter Schwarzmann in Bezug auf die Prüfmethodik interessant aufbereitet. Ein ausführlicher Bericht folgt in der kommenden Ausgabe von FussbodenTechnik.

Messtechnik-Workshop

In einer Halle der Bauakademie hatten Peter Fendt, Gert F. Hausmann und Klaus Lindner Probeflächen vorbereitet. Die Seminarteilnehmer konnten dort Messungen mit unterschiedlichen Messgeräten wie Laser, Schlauchwaage und Vermessungsgeräten durchführen und miteinander vergleichen. Zur Messung der Ebenheit nach DIN 18202 wurden konventionelle Latten (Länge 4 bis 5 m) mit einer Wasserwaage im Vergleich zu Klapplatten, auch bekannt als zusammenfaltbarer Richtscheit (Länge 1 bis 2 m), getestet. Bei den Sachverständigen fiel der zusammenfaltbare Richtscheit wegen seiner Ungenauigkeit durch.

aus FussbodenTechnik 04/07 (Wirtschaft)