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Barlinek: Neue Parkettwerke in der Ukraine und Russland

"Unsere Standorte sind aufder richtigen Seite Europas"

Viele Parketthersteller sehen großes Potenzial in den sich entwickelnden Parkettmärkten Osteuropas. Auch Marek Janke, kaufmännischer Leiter des Parkettproduzenten Barlinek, ist sich sicher: "Unsere Standorte sind auf der richtigen Seite Europas." Russland gehört schon jetzt zu den größten Einzelmärkten des polnischen Herstellers von Dreischichtparkett. Zusätzlich zum Ausbau des Barlinek-Stammwerkes (Kapazität: ca. 6,5 Mio. qm) investieren die Polen kräftig in anderen Regionen Osteuropas: In der Ukraine wird im Oktober ein 2 Mio. qm-Parkettwerk die Produktion aufnehmen, in Russland ist der Start eines ähnlich großen Werkes zum Jahreswechsel 2008/2009 geplant und möglicherweise erfolgt noch in diesem Jahr die Übernahme einer Parkettproduktion in Südosteuropa.

Inmitten einer Seenlandschaft liegt 70 km südlich von Szczecin (Stettin) die Kleinstadt Barlinek. Der am Rande der Stadt angesiedelte gleichnamige Parketthersteller hat sich seit seiner Privatisierung 1999 zu einem der größten Parkettproduzenten Europas mit einer Produktionsmenge von 4,4 Mio. qm im Jahr 2006 entwickelt. Das Besondere in Barlinek: An einem Standort ist die gesamte Produktionskette vereint - vom Sägewerk über die Parkettherstellung bis zum Zentrallager.

"Die gesamte Fertigung liegt in unserer Hand. D.h. wir wissen sehr genau, wie getrocknet und eingeschnitten wurde. Gleichzeitig können wir Änderungen und Neuentwicklungen direkt umsetzen", betont Marek Janke. Insgesamt laufen am Stammsitz in Westpommern vier modernen Dreischichtparkett-Linien, die im Zweijahres-Rhythmus errichtet wurden. Die jüngste Anlage stammt aus dem Jahr 2006. In diesem Jahr will der polnische Parketthersteller knapp 6,5 Mio. qm Parkett produzieren, davon rund 300.000 qm in der Ukraine.

Erst kürzlich ist auf dem Firmengelände ein neues Logistikzentrum entstanden, in dem mehr als 1 Mio. qm Parkett gelagert werden können. Die Zusammenstellung der Lieferungen erfolgt EDV-gesteuert: Auf Displays sehen die Staplerfahrer, welche Palette wo zu finden ist und mit Hilfe von Scannermodulen werden die einzelnen Paletten erfasst.

Start der Leistenproduktion

Derzeit wird in Barlinek eine neue Produktionslinie für die Herstellung von furnierten Nadelholz-Leisten installiert, die 2008 in Betrieb geht. "Wir haben die neue Anlage mit 3,5 Mio. lfm/Jahr - das war die kleinste Größe - errichtet, um Liefersicherheit zu haben. Wir wollen nicht zum großen Leistenproduzenten werden oder mit anderen Produzenten konkurrieren, sondern bleiben auch in Zukunft auf unsere Lieferanten angewiesen. Die neue Leisten-Linie wird für eine bessere Ausnutzung von Furnieren und Nadelholz sorgen", erklärt Produktionsleiter Piotr Hoffmann die neuerliche Investition.

Parkettwerke auf der "Grünen Wiese"

Die großen Investitionsprojekte von Barlinek sind weiter östlich angesiedelt: In den nächsten Wochen wird das 40 Mio. EUR teure Parkettwerk in Vinnitsa/Ukraine die Produktion aufnehmen, womit sich die Produktionskapazitäten des Unternehmens auf 8,5 Mio. qm erhöhen. In Vinnitsa werden die 400 Mitarbeiter insbesondere Landhausdielen fertigen - ein Produktbereich, in dem Barlinek weltweit, vor allem in Osteuropa, wachsen will.

Als weitere Basis zur Erschließung zusätzlicher Kunden im Osten sieht Barlinek das geplante neue Parkettwerk in Russland. In Tscherepowez, 500 km nördlich von Moskau, haben die Polen Bauland für das jüngste Projekt gekauft. Ende 2008 bzw. Anfang 2009 soll in Tscherepowez mit der Herstellung von Dreischichtparkett begonnen werden. Zunächst wird Barlinek zwei Parkettlinien installieren, mit denen jährlich rund 2 Mio. qm Dreischichtparkett gefertigt werden können. In einem zweiten Schritt könnte später problemlos eine weitere Parkettlinie errichtet werden, da die übrigen Anlagen (Sortierung, Verpackung) auf 3 Mio. qm Parkett ausgelegt werden sollen.

Kauf eines bestehenden Parkettwerks?

Zusätzlich zu den beiden Neubauprojekten auf der "Grünen Wiese" führt Barlinek derzeit Gespräche über den Erwerb einer bestehenden Produktion in Südosteuropa. Rund 1 bis 2 Mio. qm Mehrschichtparkett soll das neue Werk produzieren können, so dass sich vor allem Kleinserien kostengünstig herstellen lassen. Einen Abschluss der Gespräche erwartet Janke bis zum Jahresende.

Praxisnahe Laboranlagen

Eine weitere Parkettproduktion ganz anderer Art soll bis Jahresende am Stammsitz in Barlinek installiert werden: Eine Produktionslinie im Miniformat für die seit fünf Jahren bestehende Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Mit deren Hilfe lassen sich Neuentwicklungen gleich im Testbetrieb umsetzen und bewerten. Eines der jüngsten Projekte der zehn Mitarbeiter war die Entwicklung von Sportböden zur Produktionsreife. Mittlerweile produziert der Parketthersteller diese Sportböden für seinen wachsenden Heimatmarkt.

Aushängeschild des Teams um F&E-Leiter Marek Konstanczak ist die eigene Verriegelung ,Barclick, mit dem Barlinek-Böden seit 2003 ausrüstet sind. Zum Jahresbeginn erhielt der Parketthersteller hierfür das Europa-Patent. Daneben war bereits frühzeitig mit Välinge eine Vereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung der Patentrechte getroffen worden, betonte der kaufmännische Direktor. Den Vorteil von ,Barclick sieht Barlinek in der "dynamischen Lösung". Das eigene System lasse dem Holz genug Platz zum Quellen und Schwinden.

Barlinek konzentriert sich zunehmend auf Landhausdielen und Dreistab-Parkett, von der Zweistab-Ausführung hat man sich verabschiedet. Die Böden sind siebenfach versiegelt bzw. mit einem UV-aushärtenden Öl behandelt. Bei den Deckschichten kann der Endverbraucher zwischen 22 Holzarten wählen. Seit diesem Jahr sind Sucupira, Ipé und Cumaru neu im Programm. Eiche ist mit ungefähr der Hälfte der verkauften Parkette die mit Abstand wichtigste Holzart, gefolgt von Buche, meist gedämpft, und Esche (jeweils ca. 14% ). Exotische Holzarten haben einen Anteil von 10%.

Barlinek S.A.
"Die gesamte Fertigung liegt in unserer Hand", betont Marek Janke, kaufmännischer Direktor.
Barlinek S.A.
Ewelina Gnatkowska (Marketing) und Produktionsleiter Piotr Hoffmann haben auch neue Exportmärkte im Visier.
Barlinek S.A.
Die neuen Barlinek Holzarten Cumaru, Sucupira und Ipé

Obwohl selbst Furnierhersteller, verwendet Barlinek für den Gegenzug kein Furnier. Stattdessen werden quer zur Mittellage aus Kiefernstäbchen 3,5 mm dicke Kiefern-Lamellen mit der Mittellage verleimt.

Gründung einer deutschen Unternehmenstochter

Noch immer ist der Heimatmarkt mit einem Jahresabsatz von 1,3 Mio. qm der wichtigste Markt für den polnischen Parketthersteller. Bei Mehrschichtparkett schätzt Janke den eigenen Marktanteil auf 65%. In allen Märkten wird zu 60% der DIY-Bereich beliefert, 40% werden an den Fachhandel verkauft.

Seinen Exportanteil schätzt Barlinek auf 75%. Jeweils rund 700.000 qm Mehrschichtparkett werden jährlich nach Russland, Deutschland, Schweden und Dänemark geliefert. Mit etwas Abstand folgen aktuell Norwegen, Österreich und Spanien. Um die Kundennähe und den Service in Deutschland weiter auszubauen, arbeitet Barlinek derzeit an dem Aufbau einer deutschen Tochtergesellschaft. Die Unternehmenstochter Barlinek GmbH wird ihren Sitz in Daun/Eifel haben.

Doch in der Zukunft dürften sich nach Ansicht von Marek Janke die Absatzmärkte weiter gen Russland und in "unseren Teil Europas" verschieben. Bei Regionen außerhalb Europas geben sich die Polen zurückhaltend: "Wenn wir etwa in Nordamerika im größeren Stil etwas machen wollen, dann müssten wir vor Ort sein".

Zunehmende Importe aus China bereiten dem kaufmännischen Direktor keine schlaflosen Nächte. Er erwartet, dass sich die chinesischen Produzenten in Zukunft stärker auf die eigenen Märkte und den asiatischen Raum konzentrieren werden. Außerdem würden die deutlich niedrigeren Personalkosten in China wenig ausmachen, da diese Kosten schon jetzt nur noch bei 15-20% der Gesamtkosten für die Herstellung von Parkett liegen. Stattdessen werden die Rohstoffkosten immer höher und der Zugang zum Holz immer schwieriger - und hier haben die Europäer eindeutige Vorteile.

Barlinek ist nicht nur einer der größten Parketthersteller in Europa, sondern auch der größte Furnierproduzent in Polen. Jährlich werden in Westpommern ca. 13 Mio. qm Furniere hergestellt.

Zudem setzt man in Barlinek auf Pellets: Aus dem qualitativ hochwertigen Sägemehl der Parkettproduktion werden im Jahr rund 50.000 t Pellets gepresst.

Im November/Dezember 2007 wird die Produktionskapazität durch eine neue Anlage verdoppelt. Abnehmer sind große Energiekonzerne in Dänemark, es werden aber auch Pellets in kleinen Einheiten an lokale Versorger abgegeben.

Schon bald könnten Pellets und Furniere nicht mehr die beiden einzigen zusätzlichen Betätigungsfelder sein: Mehrheitsaktionär Micha Soowow denkt über zusätzliche Aktivitäten in anderen Bereichen der Holzindustrie nach. Für entsprechende Großinvestitionen seien rund 100 Mio. EUR bereitgestellt.


Barlinek in Kürze

Barlinek S.A.
ul. Przemyslowa 1
PL-25-528 Barlinek
Tel: +48 (0)41/36318-46
Fax: +48 (0)41/36318-41
www.barlinek.com.pl

Fokus: Herstellung und Vertrieb von Dreischichtparkett, Sportböden, Furnieren und Holzpellets
Mehrheitsaktionär: Micha Soowow
Muttergesellschaft: Soowow-Unternehmensgruppe (u.a. Fliesenhersteller Cersanit, Chemiekonzern Dwory, Bauträger Echo Investment)
geplanter Umsatz 2007: 550 Mio. PLN (ca. 145 Mio. EUR)
Mitarbeiter: 1.500 in Barlinek, ab Herbst zzgl. 400 in Vinnitsa/Ukraine
Produktionskapazitäten Parkett: 6,5 Mio. qm, ab Herbst 8,5 Mio. qm
Parkettproduktion 2006: 4,4 Mio. qm
geplante Parkettproduktion 2007: 6,4 Mio. qm
Weitere Produktion: ca. 13 Mio. qm Furniere, 50.000 t Pellets, ab Winter 100.000 t Pellets

Vertretung in Deutschland:
Gebietsleiter Pawel Cielecki
Tel: +48-41-3631656
pawel.cielecki@barlinek.com.pl

aus ParkettMagazin 04/07 (Wirtschaft)