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Franz Jürgen Schneider - Für das Lebenswerk 2018

Franz Jürgen Schneider, A.S. Création

Franz Jürgen Schneider, A.S. Création

„Tapete war ein Geschenk für mich“


Franz Jürgen Schneider ist Neuem gegenüber aufgeschlossen, hat unerschöpflichen Ideenreichtum und brennt für die ­Tapete. Kein Wunder, dass es dem Unternehmer gelang, in den 1970er Jahren mit A.S. Création aus dem Nichts eine Tapetenfabrik aufzubauen, die inzwischen in Europa marktführend ist. Heute ist er der Aufsichtsratsvorsitzende des börsennotierten Unternehmens und wird für sein unternehmerisches Wirken mit dem Heimtex-Star für sein Lebenswerk geehrt.

Franz Jürgen Schneider hat turbulente Jahre in einer Branche erlebt, die er nachhaltig prägte und die ihn bis heute nicht los lässt. Ihm gelang es, mit A.S. Création eine neue Tapetenfabrik in Gummersbach aus dem Boden zu stampfen, die in der Folge als börsennotiertes Unternehmen zum europäischen Marktführer aufstieg. „Tapete war ein Geschenk für mich“, sagt Schneider ganz bescheiden und begründet seinen Erfolg damit, dass er stets eine hervorragende Mannschaft hinter sich hatte. Der mittlerweile 74-Jährige blieb der Tapete bis heute treu und fördert sie seit seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft vor 17 Jahren weiter als Aufsichtsratsvorsitzender von A.S. Création und als Vorsitzender der von ihm gegründeten gemein­nützigen Tapeten­stiftung.

Ins Berufsleben war Schneider 1966 nach dem BWL-Studium als stellvertretender Verkaufsleiter in einem Gummersbacher Technik-­Unternehmen gestartet. Aber schnell merkte er, dass die Branche nicht zu ihm passte. Schon damals zeigte sich, dass er unbeirrbar einen eigenen Weg geht und bereit ist, für seine persönlichen Ziele Risiken auf sich zu nehmen. Trotz Wirtschaftskrise kündigte Schneider seinen Vertrag, um sich eine passendere Stelle zu suchen. Beim Arbeitsamt war allerdings nur eine einzige gemeldet: im Vertrieb des örtlichen Tapetenherstellers Pickhardt + Siebert. Schneider zögerte nicht lange und ergriff 1968 seine Chance.

Sofort entbrannte seine Liebe für das dekorative Produkt. „Tapete, das hat mit Gestaltung, Emotion, Farbe, Design zu tun“, schwärmt Schneider auch heute noch. Bei Pickhardt + Siebert hatte er durch Zufall seinen Traumjob gefunden. Und auch der damalige Geschäftsführer Kurt Daniel war von seinem jungen Vertriebsleiter begeistert. Er nahm sich seiner als Mentor an.

Auftrag zur Fabrikgründung

Franz Jürgen Schneider, A.S. Création
Bürgermeister Werner Becker-Blonigen, Franz Jürgen Schneider und Banker Ferdinand Bröcker, der A.S. Création bis zu seiner Pensionierung unterstützte, beim Spatenstich für die Fabrik in Wiehl-Bomig im Jahr 1994. Der Standort in Gummersbach-Derschlag wurde nach Fertigstellung Sitz der Verwaltung.
Bereits wenige Jahre nach seinem Eintritt in das Unternehmen sah sich Schneider vor eine neue Herausforderung gestellt. Nachdem Pickhardt + Siebert aus der 1968 übernommenen Tapetenfabrik Flammersheim + Steinmann in Köln eine florierende Tochtergesellschaft gemacht hatte, erhielt er 1974 den Auftrag, als Geschäftsführer eine weitere, neue Tapeten­fabrik in Gummersbach aufzubauen. „Es gab in den Aufbaujahren nur eine Richtung: mehr, mehr, mehr“, erinnert er sich. „Damals hatten alle führenden Tapetenhersteller Tochterunternehmen.“

Ursprünglich sollte die neue Fabrik Adolf Siebert heißen, nach dem Gründer von Pickhardt + Siebert. Schneider aber überzeugte die Gesellschafter davon, dass sich der Name Adolf im Firmenlogo nicht unbedingt gut macht, aber die Initialen A.S. mit dem Zusatz Création moderner sowie eingenständiger wirkten. Pickhardt + Siebert benannte sich in den 70er Jahren übrigens ebenfalls um – in P+S International.

Doch das Jahr 1974 stelle eine Zäsur dar. Das Produkt Tapete verlor an Beliebtheit, die Umsätze brachen ein. Schneider blieb in dieser Situation nichts anderes übrig, als kreativ die Unterscheidung vom Wettbewerb und eine Nische im Markt zu suchen. Die zahlreichen Aktivitäten stürzten die neue Fabrik fast in die Pleite. Der Geschäftsführer konnte nur dank erneuter Zuschüsse der Eigentümer weiter machen.

„Von 1974 bis Ende der 1988 hat sich der Rollenabsatz fast halbiert. Das war nicht vorauszusehen“, erläutert Schneider. Die Zahl der in Westdeutschland produzierten Rollen sank in diesem Zeitraum von 179 Mio. auf unter 100 Mio. Von den damals rund 35 Fabriken haben bis heute nur fünf überlebt.

Aus finanziellen Gründen entschlossen sich die Gesellschafter der P+S-Gruppe 1989 letztlich, ihre Tochter A.S. Création abzugeben. Schneider sollte Käufer finden. Doch der wollte „seine“ Fabrik, die auf seiner Konzeption basierte, nicht aufgeben. „Ich habe an den Erfolg von A.S. Création geglaubt. Schließlich sind wir andere Wege gegangen als die Konkurrenz, haben Sortimente für spezielle Zielgruppen aufgebaut und mit namhaften Designern wie Elsbeth Kupferoth zusammen gearbeitet. Unser Grundgedanke war, anders, origineller und spezieller zu sein“, sagt Schneider. Zudem legte er von Anfang an viel Wert auf die Verkaufsförderung, um die Partner im Handel zu unterstützten und ihnen zu höheren Margen zu verhelfen.

Der Wille zum Weitermachen war bei Schneider also vorhanden, nur das Geld fehlte. Er wandte sich nach reichlich Überlegung schließlich an die Venture-Capital-Gesellschaft 3i Investors in Industry und überzeugte sie von seinem Vorhaben. 3i finanzierte die Fabrik mit einem ungesicherten Darlehen zum 1. Januar 1990 und Schneider übernahm 51 % der Anteile an A.S. Création. Dieses Buy-out mit der Beteiligungsgesellschaft war ein waghalsiges Unterfangen, das außerordentlichen Mut erforderte und die feste Überzeugung, mit einer engagierten und einfallsreichen Mannschaft auf einem schwierigen Markt zu bestehen.

Ausbau des Exportgeschäfts

„Wir wurden als Hasardeure kritisiert“, erzählt Schneider mit vielsagendem Lächeln. Aber die neue Gesellschafterstruktur und die Öffnung in Richtung Osten durch die deutsche Wiedervereinigung erschlossen neue Märk­te. Das 1984 aufgenommene direkte Export­geschäft wurde ab 1991 kräftig ausgebaut. „Wir konnten aus dem Vollen schöpfen. Die Wiedervereinigung war wie eine Frischzellenkur“, bringt Schneider die Ereignisse auf den Punkt. Im Nachhinein sieht es der heutige Aufsichtsratsvorsitzende zudem als klaren Vorteil, mit einem Start-up an den Markt gegangen zu sein, obwohl er in der Gründungsphase neidisch auf die alteingesessenen Unternehmen schielte.

„Wir waren Youngster und mussten uns unsere ersten Sporen verdienen. Aber wir hatten keine historischen Altlasten und konnten deshalb alles in Frage stellen.“ Das weckte die für den Erfolg nötige Motivation der Mitarbeiter, die nach Aussage Schneiders wie er selbst für die Tapete brannten und mit immer neuen Ideen A.S. Création nach vorn brachten. Eine davon war, Dekostoffe in die Tapeten­kollektion zu integrieren. 1997 wurde deshalb Indes Wohntextil aus Lemgo erworben.

Im Mai 1998 fand planmäßig der Börsengang statt, was typisch ist, wenn Venture Capital-Firmen beteiligt sind. Diese leiten nach rund sechs bis acht Jahren ihren Ausstieg ein. Drei Monate später begann im August die Russland­krise. Die war so heftig, dass 70 Mitarbeiter entlassen werden mussten. Die Folgen konnten aber gemeistert werden, so dass nach ihrer Überwindung bei A.S. Création schon ein Jahr später wieder mehr Mitarbeiter beschäftigt waren als vor den Entlassungen.

Wie der hochgewachsene Schneider überzeugend darlegt, hat er der Tapete, seinen zahlreichen Förderern in der Branche, seinen Kollegen und Mitarbeitern viel zu verdanken. Deshalb gründete er im Jahr 2000 die gemeinnützige A.S. Création Tapetenstiftung, mit der Projekte für die Branche und Initiativen zur Förderung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher verfolgt werden. Sie stellt unter anderem Berufsschulen ein von ihr finanziertes Lehrbuch zur Verfügung, bietet dort Seminare an, unterstützt ein Waisenhaus im russischen St. Petersburg sowie 15 Waisenkinder in Rumänien.

Ein Bio-Bauernhof auf Usedom

Nachdem die Stiftung ihre Arbeit aufgenommen hatte, zog sich Schneider 2001 aus dem operativen Geschäft zurück und wechselte in den Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft. Wer nun aber dachte, der tatkräftige Unternehmer würde sich mehr oder weniger dem süßen Nichtstun hingeben, wurde getäuscht. Zum einen hat er natürlich die Pflicht, die vier jährlichen Aufsichtsratssitzungen sowie die jährliche Hauptversammlung der Aktionäre zu leiten. Seine Aufgabe als Vorsitzender des Aufsichtsrats nimmt er sehr ernst, deshalb lässt er sich regelmäßig in der Fabrik sehen – obwohl er sich auf das versierte Führungsteam vollends verlassen kann.

Nebenbei hat er auf Usedom 2002 einen Bauern­hof gekauft, den er zusammen mit einem Agrarwirt zum florierenden Bio-Hof Gut Thurbuch ausbaute. Auf der Insel lebt er zusammen mit seiner Frau Marianne insgesamt etwa sechs Monate lang, die übrige Zeit verbringt er in Köln, um das Stadtleben zu genießen, ins Museum zu gehen oder Gärten zu besuchen. Weitere Hobbys sind Lesen, Fischen, Jagen und Reisen.

„Meine Zeit ist rundum ausgefüllt“, erzählt Schneider, der einen Sohn und drei Enkelkinder hat, zufrieden lächelnd und in sich ruhend. Dass er in diesem Jahr 75 wird, ist ihm nicht anzumerken. „Ich habe mehr Ideen, als ich realisieren kann“, bedauert er. Nach wie vor zeigt sich der agile Unternehmer Neuem gegenüber aufgeschlossen. Wie jung er immer noch im Denken ist, beweist er unter anderem beim Thema Internet: „Wenn ich vernünftig damit umgehe, ist das Internet ein hilfreiches Werkzeug.“ Es stelle eine neue Form von Kommunikation dar, die den Endverbraucher dabei unterstütze, das für ihn passende Produkt schnell zu finden. Allerdings dürfe ein Hersteller wie A.S. Création trotz der verlockenden Möglichkeiten durch das Netz nicht die Bedürfnisse der stationären Handelspartner vergessen. „Die Markt­präsenz vor Ort ist wichtiger als ein Bildschirm“, ist Schneider sicher.

Ärgerlich ist er über die Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf bezüglich der durch das Kartellamt verhängten Bußgelder in Millionenhöhe, gegen die A.S. Création Einspruch eingelegt hatte. Finanziell seien die Bußgelder zu verkraften. „Aber dass das Gericht nicht unseren Argumenten gefolgt ist, schmerzt mich sehr“, macht Schneider deutlich. „Die Sache ist noch nicht zu Ende.“

Echte Sorgen bereiten ihm die weiterhin unbefriedigenden Umsätze der deutschen Tapeten­industrie, insbesondere in Ost­europa. Diese Krise, die seiner Meinung nach auf die Verlagerung der Produktion vom teuren Westen ins billige Russland zurückzuführen ist, werde nur langsam überwunden – wenn überhaupt. Aber der Macher Schneider, dem das heute häufig übliche technokratische Handeln fremd ist, gibt sich optimistisch: „Wir schaffen das.“

Cornelia Küsel



Franz Jürgen Schneider