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Peter Schwartze - Persönlichkeit des Jahres 2015

Peter Schwartze

Erfolgsstory im Zeichen textiler Leidenschaft

Peter Schwartze ist das Gesicht der deutschen Mode- und Textilbranche. Er hat sie mit viel Engagement und Ideenreichtum geprägt – wobei seine besondere Leidenschaft dem Teppichboden gilt. Und noch immer setzt sich der inzwischen 75-Jährige für den textilen Wirtschaftszweig ein: Heute als Ehrenpräsident des Gesamtverbands Textil + Mode, dessen Präsident er mit kurzer Unterbrechung von 2005 bis 2013 war. Für diesen nimmermüden Einsatz erhält Peter Schwartze den Heimtex Star 2015 für sein Lebenswerk.

Von wegen sturer, wortkarger Norddeutscher. Peter Schwartze, der jeweils sechs Monate im schleswig-holsteinischen Neumünster und am italienischen Gardasee lebt, straft die gängigen Klischees Lügen. Der Ehrenpräsident des Gesamtverbands Textil + Mode parliert angeregt über Entwicklungen in der Branche, seine beruflichen und ehrenamtlichen Erfolge, seine Lust am Kochen, seine enge Verbindung zu seinen Söhnen, Schwiegertöchtern und vier Enkelkindern. Er ist in seinem Erzählfluss kaum zu bremsen. Auf jede Frage fällt ihm wieder eine neue Geschichte ein, die er mit sympathischem Augenzwinkern lebhaft zum Besten gibt.

Dabei wird klar: Die Mode- und Textilbranche liegt dem 75-Jährigen immer noch am Herzen, auch wenn er seit 2006 nicht mehr im operativen Geschäft tätig ist und 2013 den Sessel des Gesamtverbands-Präsidenten mit dem des Ehrenpräsidenten tauschte. „Wenn man mit Textil zu tun hat, kann man nie Abschied nehmen“, sagt der temperamentvolle Schwartze und unterstreicht diese Aussage gestenreich mit seinen Händen, die er nie still halten kann. Nach wie vor steht er dem Verband pflichtbewusst wie eh und je mit Rat und Tat zur Seite, trifft sich mit zahlreichen Freunden aus seiner aktiven Zeit. „Das Band reißt nicht ab.“

Das Textile zieht sich wie ein roter Faden durch Schwartzes Leben. Kaum jemand ist in der Branche so vernetzt wie er, kaum jemand wird so stark mit Textil in Verbindung gebracht. Geboren in Weimar steigt der junge Mann nach seiner kaufmännischen Lehre beim österreichischen Teppichhersteller Eybl in die Branche ein. „Ich würde den gleichen Berufsweg wieder einschlagen“, sagt Schwartze und sprüht dabei vor Begeisterung. Von seiner Ausbildung an habe ihn die Welt der Garne nicht mehr losgelassen. „Es gibt keine kreativere Branche.“ 1971 bekommt er die Vertriebsleitung der deutschen Tochter von Eybl übertragen, 1984 übernimmt er in einem Management-Buyout das Teppich-Werk Neumünster (TWN), 2006 verabschiedet er sich aus dem operativen Geschäft.

Schon ein Jahr bevor er bei TWN ausscheidet, wird der für seinen Sachverstand und seine Entscheidungsfreude bekannte Geschäftsführer zum Präsidenten des Gesamtverbands textil+mode gewählt, für den er sich bereits seit 1998 engagiert. Das Amt bekleidet er bis 2010, ein Jahr später springt er – pflichtbewusst wie er nun einmal ist – aufgrund einer Erkrankung seines Nachfolgers wieder als Präsident ein und bleibt in dieser Funktion bis 2013. Abgelöst wird er von Ingeborg Neumann, er selbst darf sich nun Ehrenpräsident nennen.

Doch Schwartze beschränkt sich bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit nicht allein auf die Arbeit im Gesamtverband. Weitere wichtige Stationen sind: Vorsitz des Verbands der Deutschen Heimtextilien-Industrie (1994 bis 2000), Mitglied im Hauptausschuss der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, Mitglied im Präsidium des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Board Member, Vizepräsident und Schatzmeister des europäischen Verbands Euratex, stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Teppichgemeinschaft, Vorsitzender der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden.

Auf diese Einsatzfreude wurde auch die Politik aufmerksam. Der damalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen, verlieh dem umtriebigen Textiler 2010 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Vorher hatte Schwartze schon das Verdienstkreuz am Bande erhalten.

„Ich hatte eine unglaubliche Freude an der Arbeit, konnte viel bewegen in der Branche“, meint der Geehrte. Vor allem seine Verdienste um den Gesamtverband wiegen schwer. Er entkrustete das Gremium, modernisierte und internationalisierte es, was sich auf die gesamte Branche positiv auswirkte. Seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass der Verband aus der Eschborner Provinz nach Berlin umsiedelte. „Lobbyismus ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Verbands“, begründet Schwartze den Umzug in die Hauptstadt und damit in die Nähe der Regierungsvertreter.

Fortan setzte er auf Internationalisierung, unternahm Erkundungsreisen nach China, Russland, Korea und Brasilien, um in allen Teilen der Welt neue Märkte zu erschließen. Verbindungsbüros wurden in Schanghai und Moskau eröffnet. Ein Höhepunkt war 2013 die Euratex Convention, an der mehr als 100 Manager der Textil- und Modebranche aus allen Regionen der Welt teilnahmen.

Als seinen persönlichen Triumph feiert Schwartze ein Abkommen mit China. Wie er sagt, hat der Gesamtverband textil+mode unter seiner Ägide als einziger deutscher Verband mit dem chinesischen Pendant einen Vertrag zum Schutz des geistigen Eigentums abgeschlossen. „Danach hat sich vieles zum Guten verändert“, ist der Ehrenpräsident überzeugt und betont, dass man auch im Reich der Mitte inzwischen ein großes Interesse daran habe, dass geistiges Eigentum nicht kopiert werde.

Inzwischen ist Schwartze zwar Rentner, doch Ruhestand ist nicht seine Sache. Ohne, dass er dazu aufgefordert werden müsste, zaubert er Tipps für die Branche aus dem Hut, vor allem für die Hersteller textiler Bodenbeläge. „Das ist meine berufliche Heimat“, betont Schwartze und hat fast körperliche Schmerzen angesichts der Schwierigkeiten im Teppichbodenbereich. Der Markt sei sehr schwierig, was sicherlich auch am wechselnden Zeitgeist liege. Aber der allein sei nicht schuld am schleichenden Niedergang. Dieser sei vor allem auf die Sünden der Industrie zurückzuführen. Zum einen fehle es an qualitätsversprechenden Marken, zum anderen müsse die Beratung besser und der Teppichboden professionell präsentiert werden. Auch fragt sich Schwartze, warum die Hersteller ihre Produkte nicht in Japan oder China anbieten würden. „Wir waren nie international aufgestellt, wollten immer nur den deutschen Geschmack verkaufen“, kritisiert er.

Wenn Schwartze mal nicht über Textil nachdenkt, genießt er heute seine Freizeit in vollen Zügen. „Kochen ist mein größtes Hobby“, erzählt der bekennende Genießer, der 25 Jahre lang im Kochclub Neumünster aktiv war. Inzwischen bringt er nicht nur im hohen Norden Spezialitäten auf den Tisch, sondern vor allem in seinem Haus am Gardasee. In Italien, das er wegen seiner Herzlichkeit schätzt, findet er viele Zutaten, die in Deutschland nicht so leicht zu haben sind. Ein Faible hat Schwartze inzwischen auch für Rotweine. Einen guten Tropfen trinkt er zum Beispiel regelmäßig mit seinem Freund Bruno Torresani. Der ehemalige Managing Director Geschäftsbereich BCF Garne beim Faserhersteller Aquafil wohnt in Italien schließlich fast in der Nachbarschaft.

Darüber hinaus lässt sich der große Mann der Textil- und Modeindustrie gerne von seinen Enkeln die Welt aus deren Sicht erklären. Einen besseren Jungbrunnen kann es kaum geben.



Peter Schwartze