Beschreibung
In Anlehnung an die Arts and Crafts Bewegung von Künstlern, Kunsthandwerkern, Architekten und Unternehmern im Jahre 1907 gegründete Vereinigung mit dem Ziel, ein neues Qualitäts- und Formbewusstsein zu schaffen, wobei man im Unterschied zu Arts and Crafts, die die Revitalisierung der Kunst im Handwerk propagierten, einen immer stärkeren Akzent auf die große Produktivkraft der Maschine setzte und damit die Grundlagen des modernen Industriedesigns geschaffen wurden (Industrial Design).
Zu den Gründungsmitgliedern dieser Reformbewegung, die auch soziale, ökonomische und allgemeine kulturelle Aspekte mit einschloss, gehörten u.a. Peter Behrens, Josef Hoffmann, Hermann Muthesius, Joseph Maria Olbrich, Richard Riemerschmid und Henry van de Velde. Unterstützt wurden die Ziele durch das rasante Bevölkerungswachstum im beginnenden 20. Jh. und die gewaltigen Wachstumsschübe der Industrie. Es entstanden bedeutende Bauwerke, wie z.B. eine komplette Siedlungsanlage für die Arbeiter der AEG in Henningsdorf. Weitere beispielhafte Werkbund-Siedlungen entstanden z.B. in Stuttgart, Breslau und Wien. Mit dem Bau der AEG-Turbinenhalle (1909) in Berlin, die auch Kathedrale der Arbeit genannt wurde, gelang es Peter Behrens, die künstlerische Fabrik zu schaffen. In seiner Person vollzog sich beispielhaft der ästhetische Umbruch vom Künstler/Entwerfer zum Industriedesigner. In vielen Unternehmen entstanden erste Designabteilungen. Der individualistische Entwurf des Künstlers wurde nun vom streng rational geprägten Design abgelöst.
Durch vielbeachtete Ausstellungen, wie 1914 in Köln, 1917/18 in Basel, Winterthur, Bern und Kopenhagen sowie 1927 in Stuttgart (Weißenhof-Siedlung) und 1930 in Paris sowie durch Publikationen, Jahrbücher und umfassende reformpädagogische Arbeit hat sich der Werkbund rasch einen bedeutenden Einfluss verschafft und wurde vor dem Ersten Weltkrieg zur erfolgreichsten und wichtigsten Vereinigung von Kunst und Wirtschaft. Die erzieherische Dimension des Werkbundes findet sich in der Satzung als Anspruch der Erziehung zum Zwecke der Veredlung der gewerblichen Arbeit.
Die im Jahr 1919 erfolgte Bauhaus-Gründung wurde von Mitgliedern des Werkbundes unterstützt. Viele von ihnen gehörten beiden Institutionen an. 1934 wurde die Vereinigung unter massivem Druck der Nazi-Bewegung aufgelöst. Die Wiedergründung im Jahre 1947 erreichte nicht mehr die erwartete Bedeutung.
Die Schaffung der Grundlagen des modernen Industriedesigns des 20. Jhs. ist jedoch eine maßgebende historische Leistung des Deutschen Werkbundes.
Zurück
