SN-Fachpresse Hamburg
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Wohnen / Webereikunde Einführung

Beschreibung

Die Verarbeitung von Garnen zu Geweben zum Schutz von Mensch und Tier ist seit den Anfängen der Menschheitsgeschichte ein ganz ursprüngliches Anliegen unserer Vorfahren gewesen. Mit zunächst einfachsten Handwerkzeugen entstand ein solches Flächengebilde nach den Gesetzen der Bindungslehre durch die Verkreuzung zweier Fadensysteme im rechten Winkel, wobei die Kettfäden mit den Schussfäden eine regelmäßige Bindung eingehen (die Kettfäden sind in Längsrichtung angeordnet). Später wurden Webrahmen und Handwebstühle entwickelt. Der Handwebstuhl wurde bis ins 18. Jh. hinein ohne entscheidende Verbesserungen gebaut und wird auch heute noch für kunstgewerbliche Zwecke verwendet.

Erste Entwürfe für automatische Webstühle entstanden im 18. Jh. Der Engländer E. Cartwright meldete im Jahre 1785 das erste Patent auf einen mechanischen Webstuhl an, der von R. Roberts um 1826 in Manchester zu einem betriebsfähigen Webstuhl weiterentwickelt und auf den Markt gebracht wurde. 1889 wurde von dem Amerikaner Northrop die erste vollautomatische Webmaschine (Webautomaten) vorgestellt. Das Neuladen der Webschützen mit Fadenspulen konnte automatisch ohne Betriebsunterbrechung erfolgen, was eine bedeutend höhere Produktivität ermöglichte. Das Bedienen dieser Automaten beschränkte sich nur noch auf wenige Tätigkeiten, wie z.B. die Beseitigung von Kett- oder Schussfadenbrüchen.

Große Produktivitätsfortschritte ergaben sich durch die schützenlosen Vollautomaten, die allerdings einen wesentlich höheren Kapitaleinsatz erfordern. Der Strukturwandel insbesondere der Textilindustrie und die harte Konkurrenz auf dem Weltmarkt zwingen dazu, in immer stärkerem Umfang Arbeitskraft durch Kapitaleinsatz zu ersetzen oder im ungünstigsten Fall die Produktion in Billiglohnländer zu verlegen. Die hochmoderne Weberei-Industrie in Deutschland ist hiervon besonders betroffen.



Wohnen / Webereikunde Sonstiges

Beschreibung

Warenbreite
Die Gewebebreite richtet sich vielfach auch nach den zum Einsatz kommenden Webmaschinen bzw. den herzustellenden Webwaren.

Webkante
In Kettrichtung des Gewebes verlaufende, ca. zwei cm breite Kante, die nicht verarbeitet wird, auch als Webleiste bezeichnet. Sie entstehen bei allen Spulenschützenwebmaschinen durch Umkehren des Schützens an der linken und rechten Seide und bilden den festen Abschluss des Gewebes in Längsrichtung. Bei Greifer-Ware entstehen offene Kanten (Selfkanten).



Wohnen / Webereikunde Webereitechnik Fachbildung

Beschreibung

Die Fachbildung beim Weben erfolgt wahlweise durch:

Jacquard-Maschine
Durch das Heben und Senken der einzeln gesteuerten Kettfäden ist die Bildung großrapportiger Gewebemusterungen möglich. Jacquard Technik.

Schaft-Maschine
Hubelement zur Fachbildung in der Weberei. Hier werden die Kettfäden zu Gruppen zusammengefasst und gemeinsam, also in Gruppen, gehoben und gesenkt. Diese Technik wird für die Herstellung gemusterter Gewebe in kleinen Rapporten eingesetzt.

Gesonderte Vorrichtungen erlauben spezielle Gewebekonstruktionen, wie z.B. Frottier, Marquisette, Rutenware, Doppelwebteppiche etc.



Wohnen / Webereikunde Webereitechnik Webmaschinen

Beschreibung

Seit 1961 sind alle mechanisch angetriebenen Webvorrichtungen (auch Webautomaten) als Webmaschine zu bezeichnen. Der Begriff Webstuhl wird lediglich noch in der Handweberei verwendet. Die klassischen Webmaschinen, bei denen der Schusseintrag durch den Spulenschützen bzw. das Webschiffchen erfolgt, wurden mittlerweile weitgehend durch die schützenfreien Webmaschinen vom Markt verdrängt. Hierbei unterscheidet man

Webmaschinen mit Webschützen
• mit Spulenwechsel
• mit Schützenwechsel

Webmaschinen ohne Webschützen
• Schusseintrag durch Projektil
- beidseitiger Schusseintrag
mit einem Projektil
- einseitiger Schusseintrag
mit mehreren Projektilen
• Schusseintrag durch Greifer
- einseitige Greiferkonzepte
- beidseitige Greiferkonzepte
• Düsenwebmaschinen
- pneumatischer Schusseintrag
- hydraulischer Schusseintrag

Diese Automaten zeichnen sich durch sehr hohe Tourenzahlen aus und sind wegen ihrer langen Laufzeiten arbeits- und energiesparend, d.h. rationell in der Fertigung.



Wohnen / Webereikunde Webereivorbereitung

Beschreibung

Dem eigentlichen Webvorgang geht die Vorbereitung der Garne im Vorwerk voraus.

Schärerei
Zunächst werden X Spulen auf das Schärgatter gesteckt, zu einem Band zusammengefasst und auf die Schärtrommel gewickelt. Je nach Fadenzahl der herzustellenden Kette werden mehrere Bänder nebeneinandergelegt und anschließend auf einen Kettbaum gewickelt.

Zettelei
Bei Einsatz ungezwirnter Kettgarne empfiehlt sich das Zetteln, damit beim anschließenden Webvorgang das Kettgarn leichter durch Riet und Litze läuft. Vom sogen. Zettelgatter werden mehrere Zettelbäume bewickelt und danach gemeinsam der Schlichtmaschine vorgelegt. Nach dem Durchziehen der Fäden durch den Schlichtebottich werden die Fäden getrocknet und auf den Kettbaum gewickelt. Bei Zwirnketten entfällt der Schlichtevorgang.

Spulerei
Die für den Webprozeß notwendigen Garne werden auf die erforderliche Spulengröße umgespult.



Wohnen / Webereikunde Webmaschine

Darstellung

Webereikunde Webmaschine
SN-Verlag, Hamburg


Funktionsweise einer Exzenter-Webmaschine. Die Webkette arbeitet von links (Kettbaum) nach rechts (Warenbaum).



Wohnen / Webereikunde Webvorgang

Beschreibung

Die prinzipielle Funktionsweise des Webvorgangs wird in der nachfolgenden Abbildung deutlich. Vorhanden sind folgende Grundelemente: Kettbaum, Streichbaum, Fadenkreuz, Schäfte (mindestens 2), Weblade (mit Riet), Webschütze (von Hand oder mechan. eingetragen) und Warenbaum (zum Aufwickeln der fertigen Rohware).

Die vom Kettbaum ablaufende Kette wird durch Litzen der Schäfte geführt und durch Treten der Tritte Nr. 1 bzw. Nr. 2 im Wechsel gehoben oder gesenkt. Hierdurch bildet sich das Webfach (Fachbildung). Die Kette wird weiter durch das Riet der Weblade geführt, so dass nun der Webschütze durch das offene Webfach der Kette hindurchgeschlagen werden kann (Schusseintrag). Im Webschützen befindet sich das Schussgarn, das beim Weben quer zur Kettrichtung in das Webfach eingetragen und anschließend von Hand mit der Weblade an das schon fertige Gewebe angeschlagen wird (Schussanschlag). Damit ist das Prinzip des Webvorgangs erklärt. Es werden heute noch viele Heim- und Haustextilien so hergestellt, z.B. kleine Teppiche, Brücken, Läufer etc. sowie kunstgewerbliche Artikel.





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