Studie Bodenbelagsmarkt 2020

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Karelia Upofloor

Deutschland als wichtiger Absatzmarkt für die zusätzlichen Kapazitäten


Karelia Upofloor mit insgesamt sechs Fertigparkett-Produktionen in Finnland, Russland und Rumänien produziert aktuell über 5 Mio. qm Fertigparkett in Dreischicht-Aufbau und zählt damit international zu den größten Parkettherstellern. Die Investitionsquote beträgt deutlich mehr als 10% über die letzten Jahre und wird in den nächsten Jahren um mehr als das Doppelte steigen. Karelia Upofloor verfügt über einen stabilen Heimmarkt in Skandinavien und ist in Russland mit Abstand Marktführer. Es ist für uns wichtig, diese Position auszubauen, denn es handelt sich dort um den einzigen Wachstumsmarkt mit echtem Potenzial im europäischen Osten.

In Deutschland gibt es mit einer neuen, eigenen Organisation gute Aussichten für weitere Umsatzzuwächse. Unser Unternehmen ist familiengeführt und in der Lage, unabhängig von kurzfristigen Kapitalinteressen Entscheidungen zu treffen, was einige der führenden Produzenten nicht von sich behaupten können.

Große Investitionen geplant

In den nächsten drei Jahren werden wir über 60 Mio. EUR investieren. Diese Summe fließt hauptsächlich in den Produktionsaufbau der neuen Werke in Rumänien und Russland und in ein neues Logistik-Center in Heinola, Finnland. Das Produktionsvolumen soll bis 2012 verdoppelt werden.

Deutschland spielt bei den potenziellen Abnehmern der zusätzlichen Produktionsvolumen eine tragende Rolle. Wir haben hier großes Entwicklungspotenzial und werden dies konsequent nutzen. Dabei streben wir strategische Partnerschaften mit dem Holzgroßhandel und dem Holzeinzelhandel an. Auch der Bodenbelagshandel kann eine wichtige Rolle spielen. Strategisch in unserem Sinne bedeutet gegenseitige Verpflichtungen einzugehen und einzuhalten, fernab von Dumping-Mentalität und opportunistischen Rein-und-Raus-Geschichten. Der Erfolg eines Unternehmens steht und fällt mit dem Personal. Auch dort werden wir in Zukunft mehr international investieren.

Mehr Kapazitäten aus Fernost und Osteuropa

Wir erwarten, dass sich die Position der jetzt existierenden, traditionellen Hersteller aus den deutschsprachigen Ländern und Skandinavien in den Kernmärkten behaupten wird. Trotzdem mehr und mehr Kapazitäten aus Fernost und Osteuropa auf den Markt kommen werden. Länder wie England, Spanien und Italien, die schon seit Jahren klassische Importländer auch für Produkte z.B. aus Fernost sind, werden dies weiterhin bleiben.

Den Herausforderungen für das "Establishment" sehen wir mit Spannung entgegen. Wir leben nicht in einem Elfenbeinturm, sollten aber darauf achten, dass die Produktqualität ein messbarer Maßstab bleibt, der von unseren Kunden auch entsprechend bewertet wird. Wir selbst werden unsere Produktion in Rumänien nicht dazu nutzen, um Niedrigpreissegmente in Deutschland abzuschöpfen, sondern um primär Produktdifferenzierung zu betreiben und Rohmaterialquellen zu sichern.

Alternative Holzarten propagieren

Auch in Zukunft wird es in Sachen Holzversorgung hier und dort immer einen Flaschenhals geben - auch bedingt durch Naturphänomene, die nicht berechenbar sind. Es wächst mehr Holz nach als verbraucht wird.

Karelia-Upofloor Oy
Ulrich Stöhr, Businessmanager Deutschland, Karelia Upofloor, Kuopio/Finnland

Wir denken jedoch, dass es langfristig gesund wäre, von Fokussierungen auf bestimmte Holzarten wegzukommen und Alternativen zu propagieren. Die technischen Mittel dazu, um die gewünschten Oberflächen- und Farbeffekte zu erzielen, sind sehr ausgereift und werden weiter verbessert werden. Wir selbst haben durch eigene Werke in Russland und Rumänien vorgesorgt und werden unsere direkten Quellen nachhaltig nutzen.

Einfachere Verlegung ist die Zukunft

Parkettböden werden in Zukunft noch einfacher verlegbar sein - vielleicht auch zur vollflächigen Verklebung durch den Nicht-Fachmann. Die Loc-Systeme mit und ohne Fremdmaterial werden weiterentwickelt werden. Es ist noch zu früh zu sagen, welche Variante dominieren wird. Karelia Upofloor testet dauerhaft und umfassend, um zum richtigen Zeitpunkt das zu bieten, was der Markt verlangt.

Andere Themen sind Formate, Verlegevarianten - Vorstöße maßgeblicher Anbieter in Deutschland haben aber gezeigt, dass Deutschland ein sehr traditioneller Markt ist, in dem es Zeit braucht, bis sich Veränderungen im Design durchsetzen. Das gilt auch für Farben, z.B. die vielbeschworenen Rot- und Dunkeltöne. Wir glauben, dass die prozentuale Veränderung der Verkäufe dieser Oberflächen im Vergleich zum Gesamtvolumen nicht bedeutend ist. Trotzdem gehört es zur Kompetenz eines Anbieters auf dem weltweit größten Markt für Fertigparkett, ein entsprechendes Sortiment bieten zu können. Auch natürliche Formen der Veränderung von Holztönen wie z.B. Thermotechniken werden weiterentwickelt werden.

Dreistufiger Vertrieb immer wichtiger

Der dreistufige Vertrieb wird in Zukunft mehr denn je seine Berechtigung haben. Logistik wird nicht nur teurer, sondern auch anspruchsvoller. Unternehmen, die nicht in Deutschland ansässig sind und den gleichen Service bieten wollen wie die einheimischen Player, brauchen Partner mit entsprechender Kompetenz. Ob dabei die Herstellermarke oder eine Handelsmarke im Vordergrund steht, ist im Einzelfall zu entscheiden. Auch wenn der jeweilige Handelspartner die "Marke vor Ort" ist, ist es letztlich die Herstellermarke, die für die Produktqualität steht - weshalb wir klare Vorteile auf Seiten der Herstellermarke sehen.

Der Internetverkauf wird immer wichtiger, das Volumen ist schwer einzuschätzen. Berührungsängste seitens der Verbraucher bestehen nicht, auch nicht für Parkett. Unser Eindruck jedoch ist, dass eine Herstellermarke davon nicht profitiert, sondern dass - im Gegenteil - Irritationen bezüglich bestehender Handelspartnerschaften die Folge sind.

Andere Direktvertriebsformen sind, soweit uns bekannt, zu aufwendig in der personellen Betreuung. Der Vertrieb über Möbelhäuser funktioniert beispielsweise in Österreich besser als in Deutschland, weil dort eine andere Absatzmittlerstruktur existiert. Das geht aber auf Kosten der Herstellermarge, der Preisdruck ist enorm. Trotzdem ist die Flächenproduktivität für Parkett für den Möbelhandel nicht befriedigend, weder in Österreich, noch in Deutschland. Gleiches gilt für Vertriebsvarianten über andere Filialisten im Food/Non-Food-Bereich wie Tchibo, Aldi oder Tankstellen, um nur einige zu nennen.

aus ParkettMagazin 06/07 (Wirtschaft)