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Erfurt investiert in neue Produkte und neue Geschäftsfelder

Mit Innovationen und Akquisitionen auf dem Wachstumspfad

Nachhaltigkeit ist ein ganz großes Thema bei Erfurt. Dies zeigt sich nicht nur bei der intensiven Entwicklung von Produkten, sondern auch der Eröffnung neuer Geschäftsfelder. Der Rauhfaser-Marktführer ist neuerdings zu 50 % an Novo-Tech beteiligt, einem jungen Unternehmen, das auf neuartige Holz-Polymer-Werkstoffe spezalisiert ist. Damit will der Familienbetrieb aus Wuppertal einerseits in neue Marktsegmente diversifizieren und expandieren, andererseits Synergien freisetzen und so insgesamt wachsen. Der gute Geschäftsverlauf im ersten Quartal 2010 verspricht eine weiterhin positive Entwicklung...

Erfurt schwimmt auf der Erfolgswelle. Nach einem guten Start ins Jahr 2010, dessen erstes Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal ein Plus aufweist, geht der Marktführer von überstreichbaren und funktionalen Wandbelägen (Wuppertal) von weiterem Wachstum aus. "Der Grundstein dafür ist gelegt", sagte der geschäftsführende Gesellschafter Martin Erfurt bei der Messe "Farbe - Ausbau und Fassade" in München. Er verwies darauf, dass sich der Leitsatz "Innovation statt Rezession" mit seinen Schwerpunkten Zukunftsorientierung, Nachhaltigkeit und Kundennähe bewähre.

In diesem Sinne hat Erfurt kürzlich mit der 50-%-Beteiligung an Novo-Tech ein neues Geschäftsfeld mit Wachstumspotenzial erschlossen. Das erst 2005 in Aschersleben gegründete Unternehmen stellt umweltschonende Holz-Polymer-Werkstoffe für den Außenbereich und gilt mit seinen umweltschonenden Tarrassen-Holzdielen als führend in Europa. Wie Erfurt-Vertriebsleiter Holger Manske betonte, verbindet die beiden Familienbetriebe mit ihren Marken Erfurt und Megawood das Thema Holzfasern, die sowohl bei der Produktion der Rauhfaser als auch der Herstellung der Terrassendielen und Sichtschutz aus Holz-Polymer-Werkstoffen eine zentrale Rolle spielen.

"Gemeinsam wollen wir diesen innovativen Biowerkstoff, der zu 75 % aus heimischen Holzfasern und zu 25 % aus Hightech-Polymeren besteht, weiter entwickeln", erläuterte Manske. Dazu werde das Ascherslebener Werk noch vergrößert. Ziel sei es, auch Fassaden anzubieten.

Alternative zum Tropenholz

Wie Manske betonte, sind Holz-Polymer-Werkstoffe eine zeitgemäße Alternative zum Tropenholz. Die mit thermoplastischem Kunststoff - kein PVC, sondern Polyäthylen - ummantelten Produkte aus deutschem Fichtenholz seien extrem langlebig, splitterfrei und pflegeleicht. Zudem vergrauten sie nicht, was Ölen und Streichen überflüssig mache. (Mehr zu dem Thema auf Seite 46, Anm. d. Redaktion)

Außer der Entwicklung neuer Produkte will Erfurt durch die Partnerschaft auch Synergien in Vertrieb, Marketing und Werbung erzielen. Hier haben die beiden Unternehmen bereits einen überraschend großen Erfolg verzeichnet. Sie warben beim Fußbfallspiel Deutschland gegen Argentinien im März in München per Bande für die natürlichen Holzdielen. "Danach haben 1 Mio. Menschen Megawood gegoogelt", meinte Manske.

Aber nicht nur in Kooperationen investiert Erfurt, das Unternehmen gibt auch viel Geld für eigene Markteinführungen aus. Manske begründete diese Aktivitäten damit, dass die Renovierung der eigenen vier Wände an Bedeutung gewinne und auch hier der Umweltgedanke immer wichtiger werde. Erfurt erweiterte deshalb sein Glattvlies-Sortiment um den Ressourcen schonenden Erfurt-EcoVlies, für dessen Herstellung überwiegend Recycling-Papiere und Textilfasern verwendet werden. Er wurde inzwischen mit dem TÜV-Siegel "Für Allergiker geeignet" ausgezeichnet.

Erfurt & Sohn KG
Martin Erfurt: "Mit der Beteiligung an Novo-Tech, die in Europa als führender Anbieter in ihrem Segmet gelten, erschließen wir uns ein neues Geschäftsfeld mit Wachstumspotenzial."
Erfurt & Sohn KG
Holger Manske: "Holz-Polymer-Werkstoffe sind eine zeitgemäße Alternative zum Tropenholz. Neben Bodendielen und Sichtschutz denken wir auch über Fassadenelemente nach."
Erfurt & Sohn KG
Heino von Dreele: "Wir sind allein in Deutschland mit 24 Außendienst-Mitarbeitern unterwegs und damit flächendeckend präsent."
Erfurt & Sohn KG
Erfurt expandiert und diversifiziert: Mit Holzpolymer-Werkstoffen verlässt das Familienunternehmen die Wand und setzt auf ein junges, zukunftsträchtiges Material.

Was Umweltschutz angeht, ist Erfurt auch stolz auf seine Vliesfaser Basic 4301. Sie wurde von der Zeitschrift Öko-Text mit der Note "gut" bewertet.

Weniger Heizkosten durch neuen Vlies

Als echter Energiesparer und damit ebenfalls umweltschonend entpuppt sich Erfurt-Klima-Tec Pro KV 600. Das leicht zu tapezierende Vlies senkt die Heizkosten nach Angaben Manskes um bis zu 36 %. Seine speziellen Textilfasern entkoppeln den zu beheizenden Raum vom Mauerwerk, so dass die Innenwandflächen die Wärmeenergie der Raumluft in hohem Maße zurückstrahlen können. Dadurch stehen rund 80 % der Wärme direkt für die Raumaufheizung zur Verfügung und müssen nicht zur Erwärmung des kalten Mauerwerks eingesetzt werden.

Der Förderung der Gesundheit hat sich Erfurt-EMV 80 Carbonvlies verschrieben. Der in Wandklebetechnik zu tapezierende Belag sorgt für eine dauerhafte Abschirmung elektromagnetischer Wellen, auch Elektrosmog genannt. Eine Lösung zur Renovierung strukturierter Untergründen in nur wenigen Arbeitsschritten bietet das volumige Variovlies R 300.

Die neuen Produkte gehen ein in die vier Modulen des neuen Produktsystems zur Sanierung, Renovierung und Modernisierung von Innenwänden, kurz SanReMo genannt. Es ermöglicht Maler-, Putz- und Trockenbaubetrieben, Themen wie Energieeinsparung, Flächen-Renovierung, Struktur gebende Flächen-Modernisierung und Flächen-Armierung effizient zu bedienen.

Dabei stützt sich Erfurt auf ein funktionierendes, engmaschiges Vertriebsnetz mit insgesamt 24 Außendienst-Mitarbeitern für die beiden Schienen Profipartner und DIY sowie 9 Beschäftigten im Export. Laut Marketingleiter Heino von Dreele ist Unternehmen damit bei 1.000 Fachgroßhändlern und 3.500 Baumärkten präsent.

Dabei gehören engagierte Qualitätspolitik und ein ökologisch verantwortliches Handeln nach Angaben von Martin Erfurt zu den Grundsätzen des Unternehmens. Ein Beispiel dafür ist außerhalb des Produktbereichs die Investition am Wuppertaler Standort in ein Blockheizkraftwerk mit immerhin 92 % Nutzungsgrad. "Familienunternehmen sind ein Synonym für Nachhaltigkeit", erklärte Erfurt. Diese sei bei der Konzentration auf kurzfristige Quartalsergebnissen nicht möglich.

aus BTH Heimtex 04/10 (Wirtschaft)