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Erfurt feiert 150 Jahre Rauhfaser auf der "Farbe"

Der Klassiker bleibt ein Verkaufsschlager

Als Weltmarktführer für überstreichbare Wandbeläge will Erfurt weiter am Erfolg der mittlerweile 150 Jahre alten Rauhfaser feilen. Schließlich ist der Klassiker immer noch der Erfolgsschlager des Wuppertaler Unternehmens. Aber Geschäftsführer Martin Erfurt investiert auch in andere Geschäftsfelder wie Terrassendielen aus einem Holz-Polymer-Werkstoff, die man zunehmend auch dem Maler näher bringt. "Wir sind auf Wachstumskurs", betonte Erfurt auf der "Farbe - Ausbau und Fassade".

Seit der Apotheker Hugo Erfurt 1864 die Rauhfaser erfand, hat der Wandbelag in seiner langen Erfolgsgeschichte nichts an Beliebtheit eingebüßt. Das machte der Geschäftsführer des Wuppertaler Herstellers Martin Erfurt auf der "Farbe - Ausbau und Fassade" deutlich. Zwar habe sein Unternehmen inzwischen auch neue Geschäftsfelder aufgetan. "Wir dürfen aber unsere Stärken nicht vernachlässigen. Unsere Basis ist die Rauhfaser", unterstrich Erfurt, der das 1827 gegründete Familienunternehmen bereits in siebter Generation führt.

Wie aktuell die Rauhfaser immer noch ist und welche Ideen sich mit ihr umsetzen lassen, zeigte Prof. Axel Kufuß, der zusammen mit seinem Kollegen Jörg Höltje vom Inter Institut Berlin das von Erfurt ins Leben gerufene "Erfurt-laboratory" startete. In einem fünftägigen Workshop wurden die sinnlichen Qualitäten der Rauhfaser experimentell ausgelotet sowie eine Vielfalt neuer Anwendungen und Anmutungen erprobt. Die Ergebnisse sind filmisch dokumentiert, die kurzen Streifen werden über diverse Kanäle wie der Unternehmenswebseite, Youtube und Facebook gestreut. Begleitet hat das Projekt ein Team aus zwei Regisseuren, vier Designern und einem Kameramann. Verbraucht wurden 25km Rauhfaser.

Im Erfurt-laboratory sollen Experimente rund um ehemalige, aktuelle und künftige Erfurt-Produkt stattfinden. Getestet werden unter anderem neue Materialien und Materialzusammensetzungen, Anwendungen - darunter auch zweckentfremdete - und Werkzeuge. Ziel ist auch die Entwicklung von Innovationen.

Prof. Kufuß gelang mit seinem Team ein vielversprechender Auftakt. Sie bewiesen, dass ein Traditionsprodukt wie die Rauhfaser auch genug Potenzial für die künftige Entwicklung hat - zumal der Hersteller viel Wert auf die Trendthemen Produktvielfalt, Wohngesundheit und Nachhaltigkeit legt. Die überstreichbare Wandbekleidung wird ohne Lösungsmittel, Weichmacher und PVC vorwiegend aus Recyclingpapier produziert. Sie ist schadstofffrei, diffusionsoffen, feuchtigkeitsregulierend und kompostierbar.


Zum Jubiläum 150 m auf jeder Rolle

Zum Jubiläum wurde die Rolle Rauhfaser unter dem Motto "150 Jahre / 150 Meter" von 125 auf 150 m verlängert und in einem Sonder-Retrokarton mit dem Konterfei von Hugo Erfurt vertrieben. Die Verkaufsaktion lief bis zum 14. April. Weitere Produkte im Portfolio des Weltmarktführers für überstreichbare Wandbeläge, der im vergangenen Jahr zusätzlich die englische Traditionsmarke Anaglypta übernommen hat, sind das Innendämmsortiment Erfurt Klimatec und die Digitaldrucktapeten Erfurt-On wall.

Erfurt & Sohn KG
Am Stand von Erfurt wurde der Erfolg der Rauhfaser gefeiert.
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Martin Erfurt führt das Familienunternehmen erfolgreich in siebter Generation: "Wir sind auf Wachstumskurs."
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In einem Retrokarton mit dem Konterfei von Erfinder Hugo Erfurt war die Rauhfaser-Rolle auf dem Messestand in Köln erhältlich.

"Wir sind weiter auf Wachstumskurs", sagte Martin Erfurt. "Es wird wieder in Wohnraum investiert." Vor allem Renovierungsmaßnahmen und die zunehmende energetische Sanierung würden sich positiv auf das Geschäft auswirken. Außerdem profitiere man davon, sowohl den Baumarkt als auch den Fachgroßhandel als Vertriebskanal zu nutzen. Aber vor allem auf den Fachgroßhandel und den Maler könne sich das Unternehmen stützen.

Zuwächse verzeichnet auch das Geschäftsfeld Holz-Polymer-Werkstoff, das 2010 über eine Beteiligung am Hersteller Novo-Tech im sächsischen Aschersleben startete. Gemeinsam entwickelt wurde das Terrassendielen-System Bestwood by Erfurt. Es besteht aus "German Compact Composite", einer Weiterentwicklung des Holz-Polymer-Werkstoffs. Verwendet werden dafür ausschließlich Holzfasern aus nachhaltiger Forstwirtschaft und hochwertige polymere Bindemittel sowie Additive. "Ich sehe für den Werkstoff eine große Zukunft", sagte Martin Erfurt und verwies darauf, dass das Unternehmen auch in Vietnam investiert. Dort sollen Dielen aus Reisschalen gefertigt werden. "Mit dem Thema Terrassen haben wir inzwischen auch den Maler überzeugt", meinte Vertriebsleiter Holger Manske. Zu finden sind die Erfurt-Produkte übrigens seit einem Jahr auch im Prämienshop von Henkel.

Eine Personalie gab es in Köln ebenfalls zu vermelden. Neu im Wuppertaler Team ist der Bauingenieur Kai-Uwe Schröder für den Bereich Bauphysik.

Die alle drei Jahre stattfindende "Farbe - Ausbau und Fassade" sieht Martin Erfurt als geeignete Plattform an, um seine Profi-Produkte dem Maler näher zu bringen. Für 2014 plant der Geschäftsführer wieder einen Stand bei der Heimtextil in Frankfurt. 2015 gibt man dann der Münchner BAU den Vorzug.

aus BTH Heimtex 04/13 (Wirtschaft)