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Das Ende des Lösemittelklebers?

Liegt die Zukunft im Sack?

Parkettverlegungen erfolgen immer noch überwiegend mit stark lösemittelhaltigen Klebstoffen - vor allem aus technischen Gründen. Gleichzeitig nehmen die Reklamationen in Verbindung mit Lösemittelemissionen stetig zu. Neuartige Pulverkleber sollen nun die Lösung bringen: Als sehr emissionsarme Produkte die technischen Eigenschaften bewährter Kunstharz- und PU-Produkte bieten. ParkettMagazin stellt die neue Technologie in einem ausführlichen Sonderteil vor.

Die Situation wirkt schon etwas kurios: Auf der einen Seite ist sich die gesamte Branche einig, dass selbst Klebstoffe, die "nur" lösemittelfrei sind, bei der Verlegung von textilen und elastischen Belägen keinen ausreichenden Schutz mehr vor Reklamationen in Verbindung mit Emissionen und Gerüchen bieten - hier gelten mittlerweile sehr emissionsarme Produkte des EC1-Standards als Stand der Technik.

Auf der anderen Seite kommen bei der Verlegung des vermeintlichen Naturproduktes Parkett noch immer überwiegend stark lösemittelhaltige Klebstoffe zum Einsatz - geschätzter Marktanteil: rund 80 %. Obwohl ihre Verwendung in Punkto Arbeitsschutz schon seit mehr als 10 Jahren den Vorgaben von Gefahrstoffverordnung und TRGS 610 entgegensteht - von Verbraucherschutzaspekten ganz zu schweigen. Im Nachbarland Niederlande ist der gewerbliche Einsatz solcher Produkte mittlerweile sogar gesetzlich verboten.

Warum bei Parkett noch immer 80 % Lösemittelkleber?

Woher kommt dieses Missverhältnis? Die Gründe sind vielschichtig: Das Handwerk argumentiert in erster Linie mit der hohen - von allen Seiten unbestrittenen - Leistungsfähigkeit der bewährten Lösemittel-Kunstharzkleber. Sie sei bislang von keinem Alternativprodukt erreicht worden. Das Argument betrifft vor allem Problemhölzer und kritische Untergrundverhältnisse. Hier gilt der Lösemittelklebstoff als eine Art Versicherung vor teuren Schäden.

Darüber hinaus spielen wirtschaftliche Aspekte eine wichtige Rolle: Der Kunstharzklebstoff wird vergleichsweise preiswert am Markt angeboten und erspart zudem in vielen Fällen eine aufwendige Untergrundvorbereitung. Auf den Punkt gebracht: Er ist billiger als PU-Produkte und benötigt im Gegensatz zu
Dispersionsklebstoffen vielfach keine Spachtelung. Hohlstellen können durch den ausgedehnten Fadenzug des Kleber kompensiert werden. Gleichzeitig verkürzt die Direktverlegung die Fertigstellungszeit - ebenfalls ein häufig angeführtes Plus des Lösemittel-Kunstharzklebers.

Das Reklamationsrisiko in Verbindung mit Lösemitteln steigt

Solche Argumente finden allerdings auf der Auftraggeberseite immer weniger Gehör - ist sie doch inzwischen ebenso sehr an einer sauberen Raumluft interessiert. Und in dieser Hinsicht sind Lösemittel-Kunstharzklebstoffe - verglichen mit modernen, sehr emissionsarmen Produkten - Werkstoffe von vorgestern. Der Kunde ist heute entsprechend sensibilisiert - zumal ihm bei anderen Belagarten gerade mit dem Hinweis auf etwaige Gesundheitsrisiken ausdrücklich emissionsreduzierte Klebstoffe empfohlen werden. Es verwundert daher nicht, dass nun auch bei Parkettverlegungen mit Lösemittelklebern vermehrt Geruchsbelästigungen, Empfindlichkeitsstörungen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen beanstandet werden.

Ob im Einzelfall gerechtfertigt oder nicht - für den Verarbeiter wird es meistens teuer: Die Gerichte entscheiden in der Regel zugunsten des Nutzers - nicht selten mit dem Hinweis, dass Alternativprodukte schließlich in großer Zahl am Markt verfügbar sind. Dabei kommen entsprechende Reklamationen längst nicht mehr nur von den sprichwörtlichen "Oberlehrern", sondern betreffen ebenso sensible Objektbereiche wie Büro- und Verwaltungsgebäude, Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser.

Die Klebstoffindustrie, vertreten durch die Technische Kommission Bauklebstoffe (TKB), wies ebenfalls bereits öffentlich auf das Risiko negativer Gerichtsentscheidungen bei entsprechenden Streitfällen hin 'Je nach Größe des Objekts können dabei für die Neuverlegung, für Nutzungsausfall und andere Folgekosten schnell mehrere 10.000 DM zusammenkommen - Summen also, die für einen Handwerksbetrieb existenzbedrohend werden können.'

Etwaige Einsparungen durch die Verwendung eines günstigeren Klebers haben sich dann schnell erledigt. Wobei sich grundsätzlich auch die Frage stellt, warum bei den parkettüblichen Quadratmeterpreisen die Verlegewerkstoff-Kosten eine größere Rolle spielen sollen als bei einem in der Regel deutlich günstigeren Teppichboden oder PVC-Belag.

Bringt der Pulverkleber die Lösung?


Bleiben die verlegetechnischen Vorzüge des Lösemittel-Parkettklebers. Aber auch hier scheint sich eine Lösung anzubahnen: Der Pulverklebstoff. Er soll nun auch bei Holzbelägen ermöglichen, was bei Teppichbodenverlegungen längst Standard ist: Eine sehr emissionsarme Verlegetechnik ohne wesentliche Abstriche in der Leistungsfähigkeit.

Den Anstoß gab mit Ardex vor rund drei Jahren ein ausgewiesener Pulverspezialist. Die Einführung des EC1-Pulver-Parkettklebers P 410 sorgte für Aufsehen in der Klebstoffbranche, die sich bei den potentiellen Alternativen zum Lösemittel-Kunstharzklebstoff bislang primär auf Dispersions- und Polyurethan-Produkte konzentriert hatte. Während sich letztere jedoch in den technischen Eigenschaften materialbedingt deutlich von den bewährten Lösemittelklebern unterscheiden, versprach Ardex einen Parkettklebstoff, der so unempfindlich und sicher in Verarbeitung und Leistung ist wie ein Kunstharzklebstoff - bei gleichzeitiger Einstufung als sehr emissionsarm gemäß Emicode EC1.

Technische Eigenschaften wie ein Kunstharzkleber?

Das Eigenschaftsprofil des Pulverklebers liest sich wie der Wunschzettel eines Parkettlegermeisters:

- geeignet für alle gängigen Parkettarten,
- Festigkeit eines Reaktionsharzklebstoffs,
- guter Riefenstand,
- lange Einlegezeiten,
- schnelle hydraulische Erhärtung - Rohparkett nach einem Tag weiterverarbeitbar,
- hohe Ergiebigkeit und Wirtschaftlichkeit,
- Möglichkeit zum Ausgleich kleiner Unebenheiten,
- sorgt für die gewünschte, kontrollierte Anquellung des Holzes ohne Verformung.

Die inzwischen zahlreichen erfolgreichen Praxiseinsätze - mit Ardex P 410 wurden schon mehr als 1,5 Mio. qm verlegt - zeigen, dass diese neue Klebstoffart tatsächlich eine "echte" Alternative zu den klassischen Parkettklebern bieten könnte. Mittlerweile haben andere renommierte Klebstoffhersteller nachgezogen: Auch Forbo Erfurt, Henkel-Thomsit, Kiesel, Schönox, Stauf, Uzin, Wakol und Wulff bieten heute sehr emissionsarme Parkettklebstoffe auf Pulverbasis an.

Erhebliche Unterschiede in Ausgestaltung und Eigenschaften

Nicht jeder verfolgt dabei allerdings die gleiche Produktphilosophie: "Elastisch oder spröde?" - die Einstellung der Kleberfuge ist nur ein Punkt, an dem sich die "Geister" scheiden: Wann muss sie wie flexibel sein und wie weit darf sie später verspröden? Ebenso wird der Wasseranteil intensiv diskutiert: Wie hoch ist er jeweils insgesamt, wie viel wird davon gebunden und welches Quellverhalten wird dadurch am Belag verursacht? Darüber hinaus gibt es erhebliche Unterschiede bei den Inhaltsstoffen, in der Formulierung und in der Produktgestaltung: Während die meisten Pulverklebstoffe beispielsweise mit Wasser angemacht werden, wird beim Wulff-Kleber die Pulverkomponente mit einer Kunststoffdispersion vermischt. Der Markt entwickelt sich sehr dynamisch: Das Angebot an Pulver-Parkettklebern nimmt stetig zu - die Produktfreigaben werden regelmäßig erweitert. Noch ist nicht erkennbar, welches System sich durchsetzen wird, oder ob es überhaupt einen 'Königsweg' gibt.

Eine in jeder Hinsicht interessante Alternative zum Lösemittelkleber

Eines ist angesichts der vorliegenden Praxisberichte allerdings jetzt schon sicher: Zumindest bei den gängigen Parkettarten steht dem Handwerk mit den angebotenen Pulverprodukten eine in jeder Hinsicht interessante Alternative zum Lösemittel-Kunstharzklebstoff zur Verfügung.

Und damit die Chance, seinem Auftraggeber eine funktionierende, sehr emissionsarme Parkettverlegung anzubieten - sich selbst dabei als zeitgemäß arbeitender Fachbetrieb zu profilieren und sich gleichzeitig vor teuren Reklamationen zu schützen. Etwaige Mehrkosten beim Material lassen sich entsprechend sensibilisierten Auftraggebern durchaus als Mehrwert verkaufen.

aus ParkettMagazin 05/01 (Handwerk)