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Heimtextilienindustrie zwischen Eurokrise, steigenden Rohstoffpreisen und konsumfreudigen Verbrauchern

Optimismus trotz vieler Unsicherheitsfaktoren


Eurokrise, Staatsverschuldung, knapper und teurer werdende Rohstoffe auf der einen Seite, ungebremste Konsumlust und gute Stimmung unter den deutschen Verbrauchern auf der anderen - die aktuelle Lage ist für die Heimtextilienbranche nur schwer einzuschätzen. BTH Heimtex hat sich bei den Anbietern umgehört: Wie ist 2011 gelaufen? Welche Auswirkungen haben die Entwicklungen auf dem Rohstoffmarkt? Und wie sehen die Prognosen für 2012 aus?


Justus Schmitz, Schmitz-Werke
2011 war für die Schmitz-Werke insgesamt erfolgreich. Insbesondere die Marken Markilux und Drapilux hatten erfreuliche Zuwachsraten. Abstriche bei der Qualität kommen für uns nicht in Betracht, auch wenn die Preise für Rohstoffe und Energie weiter steigen. So bleibt uns nur der Weg in moderate Preiserhöhungen. 2012 rechne ich mit einer Verlangsamung des Aufschwungs im deutschen Markt wie auch weltweit. In einigen europäischen Ländern dürfte sich ein konjunktureller Einbruch kaum vermeiden lassen.


Philippe Baumann, Création Baumann
Als Schweizer Firma, die auch die Hälfte der Produkte in der Schweiz produziert, leiden wir unter der Stärke des Franken. Gemeinsam mit der durch Schulden- und Eurokrise hervorgerufenen Unsicherheit hat das die zufrieden stellende Entwicklung der ersten sechs Monate in der zweiten Jahreshälfte 2012 gedämpft. Leider sind wir auch gezwungen, steigende Kosten weiterzugeben, in einer Größenordnung zwischen 4 und 5 %. Für 2012 erwarte ich von der konjunkturellen Entwicklung keine Unterstützung für unser Geschäft. Wir müssen die Märkte daher intensiver bearbeiten und weitere Nischen finden, in denen wir erfolgreich sein können.


Ottmar Ihling, Apelt Stoffe
2011 hatten wir gute Zuwachsraten in verschiedenen Produktgruppen und schließen mit einem positiven Ergebnis ab. Gestiegenen Kosten müssen wir uns anpassen. Daher wird es à la longue eine allgemeine Preisanhebung geben. Für 2012 bin ich vorsichtig optimistisch: Hohe Beschäftigungszahlen in Deutschland sind ein gutes Zeichen. Wenn der Verbraucher nicht zu sehr verunsichert wird, etwa durch finanzpolitische Erschütterungen, werden sich das Kaufverhalten und der Konsum in etwa so verhalten wie 2011.


Burkhard Koop, Heco
2011 war das beste Jahr, das wir je hatten: sehr viele Neukunden, sehr viele Großkunden, eine sehr ausgewogene Kollektionen mit Spielereien, die letztendlich sehr erfolgreich war. Preiserhöhungen aufgrund der Rohstoffsituation wird es bei uns nicht geben. Die Heco hat in den letzten fünf Jahren nur einmal die Preise angepasst; damit sind wir im Couponbereich sicher die einzige Firma. Sollte 2012 so werden wie 2011, würde ich mich darüber freuen. Aber in der heutigen Zeit kann jede Negativmeldung, aus welchem Bereich auch immer, sofort dazu führen, dass unsere Kunden keine Gardinen mehr kaufen.


Olaf Maier, Höpke
Wir haben 2011 mit einem hohen einstelligen Plus abgeschlossen und sind damit das vierte Jahr in Folge in allen Geschäftsbereichen (Fachhandel, Objekt, Industrie) stark gewachsen. Bisher konnten wir durch langfristige Verträge mit unseren Lieferanten die Kosten relativ konstant halten, mussten zuletzt aber doch zweistellige Preiserhöhungen hinnehmen. Zum Jahreswechsel haben wir daher unsere Preise in einem fairen und nachvollziehbaren Rahmen angepasst. Entscheidend für die Konjunktur 2012 wird die Entwicklung des Euros sein. Viele Deutsche geben verstärkt ihr Geld aus, wohl auch aus Angst vor einer Entwertung. Allerdings fließt dabei sehr viel Kapital in Immobilien als vermeintlich sichere Anlage. Dieses Geld fehlt natürlich auf der Konsumseite. Aber insgesamt bin ich optimistisch, dass wir die Probleme auch ohne Eurobonds in den Griff bekommen.


Diete Hansl-Röntgen, Nya Nordiska
Die "gute Konjunktur" gab es hauptsächlich in wenigen Sparten: Automobil, Maschinenbau und Lebensmittel. Bei Nya Nordiska wurde der Abwärtstrend der Vorjahre aber gestoppt und wir schließen das Jahr 2011 mit einem kleinen, bescheidenen Plus ab. Während die Umsätze in Deutschland recht erfreulich verliefen, gab es doch einige europäische Exportländer, die erwartungsgemäß zurückblieben. Von den Steigerungen der Rohstoffpreise hat Nya Nordiska viel "geschluckt" und nicht weitergegeben. Wir kommen aber nicht umhin, die Preise 2012 an die allgemeine Teuerungsrate und die gestiegenen Rohstoffpreise anzupassen. Allerdings kalkulieren wir weiterhin jeden Artikel individuell. Aufgrund intensiver Aktivitäten in neuen Export-Märkten bin ich für 2012 optimistisch.

Justus Schmitz, Schmitz-Werke
Philippe Baumann, Création Baumann
Ottmar Ihling, Apelt Stoffe
Burkhard Koop, Heco


Hendrik Unland, Unland
Unsere Branche hat von der guten Konjunktur leider erst relativ spät profitiert. Aber ich befürchte, dass wir - wenn auch langsam - schon wieder in eine Abschwung geraten. Bei unseren Lieferanten sind wir zunehmend auf große Anbieter angewiesen und es gibt eine klare Tendenz, die Preise weiter zu erhöhen. Das können wir als kleiner Kunde nicht verhindern. Während die Vorprodukte immer teurer werden, nimmt die Lieferfähigkeit und Liefertreue weiter ab. Und mitunter gibt es auch Probleme mit der Qualität. Vor diesem Hintergrund rechne ich damit, dass 2012 ein ganz schwieriges Jahr wird. Probleme außerhalb Deutschlands werden nach meiner Einschätzung dazu führen, dass die Verbraucher in ihrem Kaufverhalten zurückhaltender werden.


Georg Hünnemeyer, Indes Fuggerhaus
Die gute Konjunkturlage in Deutschland und die niedrige Arbeitslosigkeit fördern ein positives Einkaufsklima, was für unsere Produkte, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, sehr wichtig ist. Indes Fuggerhaus ist 2011 in allen wesentlichen inländischen Vertriebsschienen gewachsen. Insbesondere die auf Raumausstatter hin konzipierten Kollektionen sind gut gelaufen. Dem gegenüber hatten wir bei Polyester erhebliche Preiserhöhungen zu verkraften, die nicht komplett an unsere Kunden weitergegeben werden können. Das belastet unser Ergebnis. 2012 wird entscheidend sein, wie sich unsere wichtigen Nachbarländer weiter entwickeln, deren Binnenkonjunktur noch hinterherhinkt, z.B. die Niederlande und Frankreich.


Hanns Bergmann, Stoeckel & Grimmler
Im vergangenen Jahr hatten wir im Inland ein stabiles Geschäft. Der Export hat sich seit langer Zeit wieder nach oben bewegt. Insbesondere mit den Marken Esprit und Joop erwarten wir für die Zukunft ein gutes Wachstum. Bei allen neuen Kollektionen haben wir die Preise zwischen 4 und 8 % erhöht. 2012 werden wir unseren Weg kontinuierlich weitergehen.


Sascha Dempwolff, Porschen
Porschen ist sehr zufrieden mit dem Verlauf des Jahres 2011 und hat ein sehr schönes Plus eingefahren. Wir haben nahezu in jedem Monat zugelegt, allerdings mit sehr starken Schwankungen innerhalb der einzelnen Warengruppen. Bei den Vorprodukten haben wir die dritte Preisrunde hinter uns, bei verschlechterter Qualität und demzufolge mehr Ausschuss. Es ist derzeit schwierig, an gutes Garn zu kommen, denn unser vergleichsweise geringer Bedarf macht uns zu unbedeutend für die Lieferanten. Während sich früher die Preise für unsere Produkte über die gesamte Laufzeit nicht verändert haben, müssen wir sie jetzt an die Marktgegebenheiten anpassen, um mindestens 3 %. Für 2012 glaube ich, dass das Inland relativ stabil bleiben wird.


Joachim Stock, Rasch Textil/Kupferoth
2011 haben wir unsere Ziele erreicht. Steigende Kosten werden wir so moderat wie möglich in unsere Preise einpflegen. Für die Zukunft glaube ich an eine stabile Nachfrage für Interior-Produkte angesichts vieler unsicherer Einflüsse für den Konsumenten.

aus BTH Heimtex 02/12 (Deko, Gardinen, Sonnenschutz)