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So ticken die Azubis 2017


Was Firmen von ihren Auszubildenden erwarten und umgekehrt, das passt nicht immer zusammen. Los geht es schon bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, wie der Azubi.report 2017 zeigt.

Wie ticken Auszubildende heute? Wo suchen und finden sie ihren Ausbildungsplatz? Auf welchem Weg bewerben sie sich? Und was bedeutet das für die Ausbildungsbetriebe? Diesen Fragen ist Territory Embrace nachgegangen, ein Unternehmen aus der Verlagsgruppe Gruner + Jahr. Knapp 2.000 Auszubildende wurden befragt, außerdem Personalverantwortliche. Die Ergebnisse kann man im Azubi.report 2017 nachlesen.

Eine wichtige, wenn auch nicht überraschende Erkenntnisse der Umfrage ist die steigende Bedeutung des Internets bei der Suche nach dem richtigen Beruf und dem passenden Ausbildungsbetrieb sowie beim Bewerbungsprozess. Die Hälfte der Befragten hat den Ausbildungsplatz online gefunden. Genutzt werden sowohl die Karriereseiten der Unternehmen als auch Onlineportale, auf denen häufig noch zusätzliche Informationen zu finden sind. Den Personalern in den Betrieben ist die Onlineaffinität der jungen Leute durchaus bewusst und sie zeigen verstärkt im Netz Präsenz. Daneben setzen sie aber immer noch viel auf klassische Wege, um den Nachwuchs auf sich aufmerksam zu machen: Messen, Zeitungsanzeigen, Plakate und natürlich die Zusammenarbeit mit den Schulen. Für ihre Zielgruppe sind diese Kanäle aber zunehmend weniger interessant.

Genau umgekehrt sieht es beim Bewerbungsprozess aus. Hier ziehen die Unternehmen elektronische Wege vor: E-Mail oder direkt über Karriereseiten der Firmen. 44 % der Azubis mögen es aber immer noch am liebsten auf dem Postweg mit der guten alten Bewerbungsmappe, Fotokopien und Passfoto.

Unterschiede je nach Schulabschluss

Es sind vor allem Abiturienten, die sich primär im WWW über Ausbildungswege informieren. Haupt- und Realschüler verlassen sich noch in erster Linie auf den Rat von Freunden und Bekannten. Weitere Unterschiede je nach Schulabschluss: 27 % der Hauptschüler haben ihren Ausbildungsplatz, weil sie keine Alternative hatten. Bei Realschülern (13 %) und Gymnasiasten (6 %) sind es sehr viel weniger. Auch die Zahl der Bewerbungen, die Hauptschüler (55) durchschnittlich schreiben müssen, bis sie einen Ausbildungsplatz gefunden haben, ist erheblich höher als bei den anderen (17 bzw. 16); der Durchschnitt liegt bei 20.

Zahlen aus dem Azubi.report 2017: 54,8 % haben ihren Ausbildungsplatz über das Internet gefunden. Nur bei 20 % haben sich die Erwartungen an den Ausbildungsberuf erfüllt. Aber 71,5 % können sich vorstellen in zehn Jahren noch in ihm zu arbeiten.

Den Azubi.report 2017 gibt es kostenfrei als PDF unter bit.ly/2sdrSE3.

Fast zwangsläufig ergibt sich daraus auch eine höhere Unzufriedenheit mit der Berufsausbildung, egal ob es sich dabei um Lern- und Arbeitsinhalte, das Gehalt oder die Erfüllung von Erwartungen handelt. Die Autoren der Studie empfehlen, standardisierte Ausbildungsabläufe aufzubrechen und für unzufriedene Azubis individuelle Beschäftigungsfelder zu finden, um sie in der Ausbildung zu halten und zu einem guten Abschluss zu führen.

Überdurchschnittlich viele Real- und vor allem Hauptschüler finden schon die Anforderungen in den Stellenanzeigen zu hoch. Ob das an den Firmen liegt oder an der mangelnden Qualifikation der Schulabgänger, bleibt offen. Jedenfalls beklagen die Personalverantwortlichen grundsätzlich eine nachlassende Qualität bei den Bewerbungen und ein vermehrtes Abspringen von Bewerbern während des Bewerbungsverfahrens. Ob es ihnen gefällt oder nicht: Schon aus eigenem Interesse sind hier die Unternehmen in der Pflicht, sich selbst und die Ausbildungsstelle so darzustellen, dass die Bewerber wissen, was auf sie zukommt, raten die Autoren der Studie.

Um attraktiv für junge Menschen zu sein, spielen nicht mehr nur Bezahlung und Karrierechancen eine Rolle. Über die viel beschriebene Work-Life-Balance machen sich schon die Einsteiger ins Berufsleben Gedanken. Geregelte Arbeitszeiten werden bei der Berufswahl zunehmend wichtiger sagt der Azubi.report, ohne allerdings genaue Zahlen zu nennen.

Apropos Geld: Positiv entwickelt hat sich die finanzielle Situation der Azubis. 2014 waren rund 40 % in der Lage, ihren Lebensunterhalt von ihrem Gehalt zu bestreiten; 2017 ist es knapp die Hälfte. Aber: 9,8 % haben neben ihrer Ausbildung einen Job. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 1,9 %.
thomas.pfnorr@snfachpresse.de

aus BTH Heimtex 11/17 (Handwerk)