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Ausbildungsbetrieb Parkett- und Fußbodentechnik Weil in Langgöns

Zwei Meistertitel – doppelte Kompetenz

Im Betrieb von Martin Weil können Auszubildende zwei Berufe erlernen: Tischler und Parkettleger. In beiden Gewerken hat der Geschäftsführer den Meistertitel erlangt. So kann er die Wünsche der Kunden besser erfüllen. Denn er verlegt nicht nur den Boden, sondern fertigt auch Türen, Treppen, Fensterbänke und Möbel passend und individuell an. Für seine Auszubildenden ist die Lehre in seinem Betrieb ein Mehr an Präzision im Umgang mit Holz.

Die Gemeinde Langgöns (Hessen) hat 11.500 Einwohner. Einer davon ist der Tischler- und Parkettlegermeister Martin Weil, der direkt über seinem Betrieb lebt. Im Erdgeschoss des Hauses sehen die Kunden den gut sortierten Ausstellungsraum und das Büro. Womöglich können sie auch einen Blick in die Tischlerei hinter dem Haus werfen. Dort arbeiten seine Angestellten an Treppen und Möbeln. "Verlegen wir bei einem Kunden Parkett, können wir parallel Holz Treppenstufen und Fensterbänke anfertigen", erklärt Weil.

Faszination Holz

Der 48-Jährige wollte immer schon in die Holzbranche. Seine Lehre als Parkettleger schloss er 1989 in einem fremden Betrieb ab und kam erst danach zu seinem Vater ins Unternehmen. Dieser war Tischler, verlegte aber vor allem Parkett. "Eigentlich wollte ich als Zimmermann aufs Dach. Ich bin aber ein Stockwerk tiefer gelandet und sehr zufrieden", sagt Weil, wenn er an seinen Werdegang denkt. Als er 1994 seinen Meistertitel erhielt, war lange noch nicht mit dem Thema Holz fertig. "Mich hat es immer schon fasziniert, was mein Vater handwerklich konnte. Bei vielen Aufgaben brauchte er keine Maschine, sondern sägte und stemmte alles per Hand", schwärmt Weil. Dies war der Ansporn, auch die Tischlermeister-Ausbildung durchzuführen, die er 1999 abschloss.

Die Kunden wissen die Kompetenz hinter den Titeln zu schätzen, vor allem in der Beratung und Ausführung von Verlegearbeiten. "Wir müssen bei Spezialfällen nichts extern bearbeiten lassen und können in der eigenen Werkstatt individuelle Ideen entwickeln", betont Weil. Der Ruf, Sonderlösungen für besondere Wünsche erfüllen zu können, bringt ihm immer wieder neue Kunden ein. Weil arbeitet zu 80 % für Privatkunden. Diese generieren sich durch zwei Standbeine: die Mund-zu-Mund-Propaganda und den Internetauftritt des Betriebs. "Wir arbeiten bei sehr exklusiven Kunden in einem Umkreis von 50 km", unterstreicht er. Auch im hochwertigen Objektgeschäft sind Weil und sein Team aktiv. Zu den Referenzen zählen unter anderem das Bürgerhaus und das Rathaus in seiner Heimatgemeinde Langgöns. Auch die Böden der Stadthalle Wetzlar und des Mathematikum Gießen sind von seinen Mitarbeitern bearbeitet worden.

Parkett- und Tischlermeister Martin Weil (rechts) mit seinem Parkettleger-Azubi Julian Strack in der Werkstatt.
Die Mitarbeiter verlegten ein handgehobeltes Parkett. Am Ofen ist eine Glasplatte passend eingelassen.
Für Ausstellungsraum mit den verschiedenen Parkettsorten hat
Martin Weil extra die Möbel hergestellt.

Bachlauf im Wohnzimmer

Bei seinen Arbeiten gibt es immer wieder außergewöhnliche Anforderungen: "In einem Haus in Wetzlar floss ein künstlich angelegter Bachlauf mit Wasserfall durch das Wohnzimmer. Die Herausforderung hierbei war das harmonische Anarbeiten mit Parkett, um ein stimmiges Gesamtbild zu erhalten", erinnert sich der Parkettlegermeister stolz. Um solche Aufträge ausführen zu können, müssen die Mitarbeiter perfekt in den Betrieb passen. Aus diesem Grund ist Weil die Ausbildung so wichtig. "Durch unser Doppelgewerk sind wir besonders vielseitig. Ein Lehrling entscheidet sich zwar nur für eine Ausbildung, am Ende kann er aber durch die Zusammenarbeit mit den anderen Kollegen fast schon zwei Prüfungen ablegen: für Parkettleger und Tischler", sagt Weil.

Und mit Prüfungen kennt sich Weil aus. Für die Innung Hessen nimmt er die Gesellenprüfungen ab. Seit seiner ersten Meisterausbildung engagiert sich Weil in der Innung. Aktuell ist er Lehrlingswart und Prüfungsausschussvorsitzender. "Oft fehlt den Auszubildenden die Wertschätzung für das Material", kritisiert er. Auch vermisst er die Lust auf klassisches Werkzeug. Seine Lehrlinge hingegen müssen wie er und sein Vater zuvor lernen, alles mit der Hand zu bewältigen. So erhalten sie die Präzision, die sie später mit den Maschinen umsetzen können. "Oft gibt es Spezialfälle, die nsich nicht mit der Maschine bearbeiten lassen. Man muss wissen, wie man das manuell löst", erklärt der Parkettlegermeister. Wenn das seine Mitarbeiter beherrschen, kann sich Weil sicher sein, dass er auch weiterhin von anspruchsvollen Kunden weiterempfohlen wird. Nicht nur von den übrigen 11.499 Bewohnern Langgöns, sondern auch darüber hinaus.

aus FussbodenTechnik 02/18 (Handwerk)