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Domotex 2018: Trends bei Parkett, Laminat, Kork und Designböden

Die neue Natürlichkeit


Parkett punktet mit Natürlichkeit - in Optik, Haptik und bei der Oberflächenveredelung. Fischgrät und Fliesendekore setzen bei allen Belagsgattungen Akzente. Starke Präsenz der Laminatbranche in Hannover. | Claudia Weidt berichtet

Mit der Neuordnung der Domotex ist auch der Wood Flooring Summit "gestorben". 2012 als Themenschwerpunkt für Parkett, Kork- und Laminatböden geschaffen, um dem erodierenden Ausstellerfeld in diesem Bereich eine neue, attraktive Plattform zu bieten, war dem Branchengipfel wechselnder Erfolg beschieden. Vor allem mittlere und kleinere Parkettanbieter monierten zuletzt ihre schlechte Positionierung in diesem Areal gegenüber den "Big Playern" aus de Parkett- und Laminatindustrie. Grundsätzlich wurde die Idee aber von vielen für gut befunden. Das spielt jetzt keine Rolle mehr, denn der Wood Flooring Summit ist Geschichte.

Leider wurde in der neuen Struktur in Hannover auf eine räumliche Konzentration von Parkett, Kork und Laminat verzichtet. Die "neue" Domotex verortete die Anbieter dieser Produktgruppen gleich in drei Hallen: 9, 12 und 13. Das machte die Wege lang und den Überblick über das Angebot schwierig. Während Korkböden ihr Domizil in Halle 9 fanden, residierten die großen Laminatnamen in Halle 12, Parkett wiederum war über alle drei Hallen verstreut. Die Besucher mussten sich durch die neue Hallengliederung komplett neu orientieren. Statt des Eingangs Nord, an den viele jahrelang gewöhnt waren und der auch an U-Bahn und Fernbahnhof angeschlossen ist, eröffnen in der neuen Konstellation die Eingänge Süd und West den Eintritt in die Bodenbelagswelt der Domotex. Wer den Eingang Nord ansteuerte, musste erst endlose Hallenfluchten mit abgepassten Teppichen durchmessen.

Als wirkliches Manko wurde von vielen die fehlende Anbindung der Halle 9 empfunden, zu der man von Halle 11 aus gut 200 m2 Freifläche überqueren muss. Das war in diesem Jahr zumindest trockenen Fußes möglich. Vor allem Ausstellern in Halle 9 missfiel zudem, dass Halle 11 mit Anbietern von textilen Belägen belegt war und somit quasi keine kohärente Produktstruktur von Halle 9 bis 13 vorhanden war.

Parkett: Wo waren die Branchengrößen?

Was war denn nur mit der Parkettbranche los? Statt sich wie früher im Zwei-Jahres-Rhythmus in den "Zwischenjahren" der Münchner Bau auf der Domotex zu präsentieren, "glänzten" zahlreiche renommierte Hersteller durch Abwesenheit - zumindest als Aussteller, nicht als Besucher auf den Gängen: Hamberger, Bauwerk Boen, Kährs, Meisterwerke, Jaso/Trumpf, Hain, Tarkett, Barlinek, um nur die wichtigsten zu nennen.

Auch die österreichischen Produzenten, die eine bedeutende Position auf dem europäischen Markt einnehmen, blieben der Domotex fast geschlossen fern; weder Weitzer noch Scheucher, Admonter, Tilo oder Bawart hatten einen Stand gebucht. Allerdings sind die Österreicher auch gerade mit sich selbst beschäftigt: Admonter, Weitzer und Scheucher investieren derzeit bis zu zweistellige Millionensummen in Modernisierung und Ausbau ihrer Produktionen, um die Grundlage für eine weitere Expansion zu schaffen, Tilo hatte in den letzten zwei Jahren Sortiment und Markenauftritt einem kompletten Relaunch unterzogen.

Zurück nach Hannover. Man könnte mutmaßen, dass Branchenriesen gewöhnlich als Zugpferde fungieren und die Domotex-treuen Parkettaussteller daher unter der Absenz ihrer Marktbegleiter hätten leiden können... haben sie in der Regel aber nicht, weil die Aufmerksamkeit der Einkäufer dadurch auf Anbieter gelenkt wurde, denen sie sonst weniger oder gar keine Beachtung geschenkt hätten. Insofern zeigten sich viele der Parkettanbieter, die wir besucht haben, mit der Messe zufrieden bis sehr zufrieden - auf jeden Fall alle diejenigen, die einen starken Fokus auf den Export legen.

Schmaler, kürzer, dünner -
und ran an die Wand

An der Eiche-Front zeichnet sich noch keine Entspannung ab. Die Problematik ist nicht neu. Noch ist Deutschland Eiche-Landhausdielen-Land - wobei sich die Versuche mehren, Alternativen wie Esche oder Buche (wieder) salonfähig zu machen. Eine andere Option sind kleinere Formate - aus der Not geboren, um eine bessere Rohholz-Ausnutzung zu generieren, den Engpässen bei der Rohstoffversorgung zu begegnen und endlich die Vormachtstellung der Landhausdiele anzugreifen. Kleinere Formate bedeutet unter anderem Schmallangdielen (Berry Alloc, Baltic Wood) oder auch Mehrstab-Optiken, gerne mit verschiedenen Formaten (lang/kurz, breit/
schmal) sowie mit bewussten Kontrasten in Farbe, Maserung oder Struktur. Das sieht man übrigens auch bei Laminat und Designbelägen.

Und natürlich bedeuten kleinere Formate Fischgrät - in klassischer Form mit versetzt aneinander stoßenden Kopfseiten genauso wie als französisches oder ungarisches Fischgrät mit auf Gehrung gesägten Köpfen in verschiedenen Winkeln - 45°, 60° oder 90° - (HKS, Lieverdink). Oder die einzelnen Elemente vormontiert auf einer Landhausdiele. Das Prinzip ist nicht neu; neu ist, dass die Elemente in Farbe, Maserung und Struktur variieren und versetzt angeordnet sind (Quick Step/Unilin).

Das Thema wird zusätzlich dadurch befeuert, dass auch bei Laminat und Designbelägen vermehrt Fischgrät in den Kollektionen auftaucht - und nicht nur dort, sondern auch in Wohnzeitschriften, als Einrichtungselement in Anzeigen, TV-Werbespots und Blogs. Und je häufiger ein Endkunde ein Design sieht, desto mehr gewöhnt er sich daran. So entstehen Trends. Zum Fischgrät gesellen sich weitere Verlegemuster: Wilder Verband, Leiter, Würfel etc. oder Extravagantes wie Rhomben mit 3D-Effekt (Plyquet) oder Sechsecke, die sich auch teilen lassen (Mazzonetto). Traditionell waren die italienischen Parketthersteller hier besonders kreativ. Als weitere sinnvolle "Resteverwertung" kommen zunehmend Wandverkleidungen ins Spiel.

Der Charme des Gelebten

Alle reden von einer wachsenden Nachfrage nach ruhigeren Oberflächen. Demgegenüber steht eine Vorliebe für sogenannte Reclaimed-Böden, die aus Altholz gefertigt werden, wie alten Eisenbahnschwellen, Abbruchhäusern, Scheunen etc. Diese Produkte atmen Geschichte und zeigen Charakter. Der manchmal auch künstlich hergestellt wird, wenn die Alterung maschinell oder manuell erzeugt wird. Ein sehr schönes Beispiel dafür war bei HKS zu sehen, auch Flamingo hat Adäquates im Programm.

Laminatböden:
Strategische Märkte ändern sich

Anders als Parkett zeigte die Laminatindustrie eine starke Präsenz in Hannover. Von den weltweit sechs größten Herstellern (laut einer Aufstellung des türkischen Unternehmens Kastamonou Entegre) waren fünf auf der Domotex vertreten: Swiss Krono , Classen, Kastamonou Entegre, Egger und Mohawk/Unilin, dazu weitere namhafte Player wie Kaindl, ter Hürne, Windmöller, Beaulieu International Group (Berry Alloc), BHK und HDM. Ihr Messe-Resümee war überwiegend positiv; kein Wunder, ihnen kommt der hohe Internationalitätsgrad der Domotex entgegen - über 65 % der 45.000 Besucher kamen aus dem Ausland - weil sie weniger auf den deutschen bzw. deutschsprachigen Markt fixiert, sondern häufig stark exportorientiert sind.

Und das wird sich noch verstärken. Denn, reden wir nicht darum herum, Deutschland als größter zentraleuropäischer Einzelmarkt ist für Laminat schweres Geläuf geworden. Seit einigen Jahren verliert es hierzulande kontinuierlich an Boden, im wahrsten Sinne des Wortes. 2017 ging es weiter abwärts. Die EPLF-Mitglieder haben im vergangenen Jahr nur noch 57 Mio. zwischen Flensburg und München abgesetzt, weit entfernt von den 98 Mio. m2 zu besten Zeiten 2006/2007 und begründen dies mit dem "anhaltenden Substitutionstrend zu thermoplastischen Böden". Weil sich die Einbußen anderswo mehr als kompensieren ließen, zum Beispiel in den USA, dem wiedererstarkenden Russland und dem aufstrebenden Asien, äußert sich der EPLF nicht ernstlich besorgt, aber Fakt ist: "Die strategischen Märkte für Laminat ändern sich".

Dass sich der Trend in Deutschland noch einmal umkehren lässt, ist kaum wahrscheinlich. Egger beispielsweise diagnostiziert nüchtern: "Mit einer wesentlichen Verbesserung der Lage ist auch 2018 nicht zu rechnen. Das Marktwachstum bei Designbelägen wird sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen und vom derzeitigen Schwerpunkt in Westeuropa auch auf Osteuropa ausbreiten."

Domotex
Viele Neuheiten, viele Besucher, positives Feedback: Ter Hürne hatte viel zu zeigen und freute sich über eine "produktive Domotex mit vielen neuen Kontakten".
Domotex
Avanciert allmählich vom Nischen- zum Trendprodukt: Fischgrät war bei allen Bodenbelagsarten allgegenwärtig. Mazzonett
Domotex
Das Ornament ist kein Verbrechen – sondern Trend bei Laminat und Designbelägen. Aspecta (oben), Objectflor
Domotex
Auch ein Trend, den man bei allen Produkttypen sah: Mehrstab-Optiken, gerne mit verschiedenen Stabformaten sowie mit bewussten Kontrasten in Farbe, Maserung oder Struktur. Laminat von Kaindl
Domotex
PVC-freie Designböden nehmen Fahrt auf. Digitalbedruckte mineralische bzw. mineralstoffbasierte Varianten reüssieren vor allem im Objekt– und dort sind Betonoptiken gefragt. Java, Beton geschliffen, KWG

Das Ornament ist kein Verbrechen

Man muss klar sagen: Diese Marktentwicklung wird dem Produkt nicht gerecht. Laminatböden der aktuellen Generation sind ausgereift und in Design, Qualität, technischen Features sowie dem Preis-Leistungs-Verhältnis top und absolut wettbewerbsfähig. Das belegen eindrucksvoll die neuen Kollektionen von Egger, Classen, Kaindl, Swiss Krono, ter Hürne und Wineo. Die frühere Achillesferse "Feuchtigkeitsempfindlichkeit" sei dank quellgeschützten Trägern und Kantenversiegelungen längst keine mehr, wischt nicht nur Volker Kettler, Leiter Produktentwicklung bei Meisterwerke Vorurteile weg. Und dem zweiten Schwachpunkt, der Akustik, begegnet die Industrie mit integrierten Dämmunterlagen oder einer Haftfixierung, mit der sich die akustischen Werte deutlich verbessern lassen sollen (Wineo).

Bei den Dekoren bleiben Vintage- und Used-Look wichtig, noch ausgeprägter und augenfälliger interpretiert in der "Reclaimed"-Serie von Kaindl, die einen Trend aus den USA aufgreift. Die teilweise extreme Rustikalität der letzten Jahre wandelt sich zur neuen Natürlichkeit: Oberflächenvarianten wie Rohholz, geölt oder gebürstet werden in Optik und Haptik naturgetreu wiedergegeben.

Auch wenn die klassische Landhausdielen-Anmutung in Eiche weiterhin die Kollektionen dominiert, schieben sich andere Motive vermehrt ins Blickfeld: Kontrastreiche Mehrstab-Optiken beispielsweise und natürlich auch hier wie bei Parkett - und Designbelägen - Fischgrät, das in teilweise artifizieller Übersetzung, zum Beispiel partiell coloriert, eine neue Modernität gewinnt (Swiss Krono). Eine ganz neue Variante des Designsujets Holz, jung und modern, ist OSB im Naturton oder fast monochrom in Weiß oder Schwarz (Wineo).

Trenddekor 2018 sind eindeutig ornamentale Mosaik- und kleinteilige Fliesendessins, häufig nach mediterranen oder orientalischen Vorbildern und häufig sehr farbenfroh. Sehr gelungen ist etwa die Ornamento-Serie von Classen.

Designkork weiter im Aufwind

Eine Forsa-Umfrage hat es an den Tag gebracht: 70 % aller Deutschen assoziieren das Material Kork mit Korkboden. Der Weinkorken folgt erst an zweiter Stelle. Und sogar 81 % stehen dem mit vielen Vorteilen ausgestatteten Naturwerkstoff aufgeschlossen gegenüber. Eigentlich gute Voraussetzungen für einen Aufschwung dieses Segments... zumal Designkork im dritten Jahr in Folge zugelegt hat, +8%, und sich auch weiter im Aufwind zu befinden scheint.

Branchenprimus Amorim hat gerade erst 2 Mio. EUR in eine neue digitale Druckanlage investiert, die kleinste Farbnuancen erkennbar macht, überzeugend illustriert von der neuen Kollektion Wicanders Wood Essence. KWG berichtet von einem "positiven Absatztrend" bei seiner digital bedruckten Korkkollektion Samoa, unter anderem durch "intensive Schulungen", der Auslobung des Produktes mit dem Blauen Engel und der Übernahme einiger Dekore des mineralischen Designbodens Java. Und auch Lothar Zipse widmet sich unverändert mit Überzeugung dem Thema Kork und wirbt für den ökologischen, nachwachsenden Rohstoff, auf der Domotex präsentierte er neue Oberflächen in der Korkkollektion Liefe 10 und einen neuen, handveredelten Korkwandbelag.

Designböden:
Nichts geht ohne Rigid

Unsere Prognose aus dem vergangenen Jahr ist eingetroffen: Bei Klick-Designböden drehte sich auf der Domotex alles um das Thema Rigid, sprich starre Produkte mit steifen Trägerplatten. Ihre Vorteile gegenüber elastischeren Varianten: Sie sind dimensionsstabiler - auch bei Sonneneinstrahlung und Temperatureinwirkungen, lassen sich ohne Konditionierung verlegen - auch auf nicht perfekten Untergründen - und beugen dem Telegrafie-Effekt vor. Außerdem ist die Produktion von Langdielen möglich.

Nachteile wie Geh- und Trittschallgeräuschen, geringerer Elastizität und daraus resultierend eingeschränktem Lauf- und Stehkomfort versucht die Industrie durch Sandwich-Konstruktionen mit integrierter Dämmunterlage zu beheben. Das verteuert diese sogenannten multimodularen Rigid-Ausführungen gegenüber dem einfacheren Aufbau der Single Rigids. Auch ist die Prägung von Synchronstrukturen bei den harten Trägermaterialien eine Herausforderung. Bernhard ter Hürne, geschäftsführender Gesellschafter von ter Hürne, ist dennoch überzeugt: "Das Rigid-Segment wird zum wichtigsten Teilsegment des Designbelagsmarktes, Multilayer-Rigids gehört die Zukunft."

Aber: Weil das Thema Rigid so vielversprechend ist und viele Anbieter frühzeitig auf diesen Zug aufspringen wollen, bringen etliche eigene Lösungen auf den Markt. Nur drei Beispiele: Ter Hürne hat einen Aufbau mit einem steifen, weichmacherreduzierten Kern plus Decklage und Gegenzug aus Designvinyl sowie Korkdämmschicht entwickelt. Unilin installiert eine geschäumte Schicht zwischen zwei starren, glasfaserverstärkten Lagen. US Floors setzt auf einen extrudierten Träger aus Recycling-Holz, Bambus, Kalkstein und PVC mit Korkdämmung. Entsprechend schwirrten auf der Messe Bezeichnungen wie EPC, WPC, SPC und MPC umher, die nicht immer das Gleiche besagen, weil etwa WPC in Europa "Woodbased Polymer Composite" bedeuten, in USA und Asien aber "Waterproof Core". Und jeder bewirbt seine Kreation als Optimum. Hier zeichnet sich ein Wettbewerb ab, der an die Patentrivalitäten bei Klickverbindungen erinnert, wie es Guy Dekeyser von Werkzeughersteller Leitz auf den Punkt brachte: "Der Krieg um die Profillizenzen ist vorbei, heute geht es um immer neue Materialien."

Und wer soll durch diese Produktvielfalt noch durchsteigen? Das gelingt schon dem Profi nicht, dem Endkunden erst recht nicht. Abgesehen davon, dass dieser sich in der Regel gar nicht für die technischen Details interessiert, sondern für Optik und Funktion. Der MMFA (Verband der mehrschichtig modularen Fußbodenbeläge) hat das Problem erkannt und will durch eine eindeutige Clusterung der Produkte für Klarheit sorgen (mehr dazu auf Seite 22). Er appelliert an die Branche, seine Systematik zu übernehmen.

PVC-frei: Thema der Zukunft?

Ein zweites Thema, das Fahrt aufnimmt, sind PVC-freie Designböden. Digitalbedruckte mineralische bzw. mineralstoffbasierte Produkte (Lico, Ziro, KWG, Classen) reüssieren vor allem im Objekt. Wineo berichtet von guter Nachfrage nach seinem "Bio-Polyurethan" überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen, das jetzt Ecuran getauft und verstärkt weltweit vermarktet werden soll. Classen arbeitet an einem "ökologischen Vinyl" mit einer eigenen Polymermischung, die emissionsfrei, recyclingfähig und "Blauer Engel"-fähig ist. Hier ist in naher Zukunft sicher noch einiges mehr zu erwarten.

aus Parkett Magazin 02/18 (Wirtschaft)